2016년 7월 29일 금요일

Das Heim und die Welt 29

Das Heim und die Welt 29



Aber in der Nacht ist der Geist schwach. Ich ging mit geschlossenen
Augen durch das Schlafzimmer zurück, in dem mein Gatte schlief, und trat
hinaus auf die offene Terrasse davor; dort warf ich mich ausgestreckt
auf den Boden, den Zipfel meines Sari mit dem Golde gegen die Brust
gepreßt. Ich fühlte jede einzelne Goldrolle und es war, als ob jede
meinem Herzen einen schmerzhaften Stoß gab.
 
Die Nacht stand schweigend da mit erhobenem Zeigefinger. Ich konnte mein
Haus nicht als etwas von meinem Vaterlande Getrenntes empfinden: ich
hatte mein Haus beraubt, also hatte ich auch mein Vaterland beraubt.
Durch diese Sünde hatte mein Haus aufgehört mein zu sein, auch mein Land
war mir dadurch entfremdet. Wäre ich gestorben, indem ich für mein Land
betteln ging, selbst ohne Erfolg, so wäre das ein den Göttern
willkommenes Opfer gewesen. Aber Diebstahl ist niemals Gottesdienst, --
wie kann ich denn dies Gold opfern? Ach, wehe mir! Ich bin selbst dem
Verderben geweiht, muß ich nun auch mein Vaterland durch meine sündige
Berührung beflecken?
 
Der Weg, das Geld zurückzubringen, ist mir abgeschnitten. Ich habe nicht
die Kraft, in das Zimmer zurückzugehen, noch einmal den Schlüssel zu
nehmen, noch einmal den Geldschrank zu öffnen, -- ich würde auf der
Schwelle vor meines Gatten Tür ohnmächtig zusammenbrechen. Der einzige
Weg, der mir bleibt, ist der Weg geradeaus weiter. Doch ich habe auch
nicht die Kraft, mich bedachtsam hinzusetzen und die Geldstücke zu
zählen. Mögen sie in ihrer Hülle bleiben, ich kann jetzt nicht rechnen.
 
Der Winterhimmel war ganz klar. Die Sterne leuchteten hell. Wenn ich, so
dachte ich bei mir, als ich da draußen lag, alle diese Sterne, einen
nach dem andern, wie goldene Münzen für mein Vaterland stehlen müßte, --
diese Sterne, die die Dunkelheit so sorgfältig in ihrem Busen
aufbewahrt, -- dann würde der Himmel auf ewig seines Augenlichtes
beraubt und die Nacht auf ewig verwaist sein, und mein Diebstahl würde
die ganze Welt berauben. Aber war nicht auch eben das, was ich getan
hatte, ein Raub an der ganzen Welt, -- nicht nur ein Raub von Geld,
sondern auch von Vertrauen und Redlichkeit?
 
Ich brachte die Nacht auf der Terrasse liegend zu. Als endlich der
Morgen kam und ich sicher war, daß mein Gatte aufgestanden und nicht
mehr in seinem Zimmer war, da endlich wagte ich, den Schal über den Kopf
gezogen, wieder in mein Schlafzimmer zurückzugehen.
 
Meine Schwägerin war dabei, ihre Pflanzen zu begießen. Als sie mich von
ihrer Veranda aus vorübergehen sah, rief sie: »Hast du die Neuigkeit
gehört, Tschota Rani?«
 
Ich hielt an, vor Schrecken gelähmt. Es war mir, als ob die Goldrollen
unter dem Schal hoch anschwöllen. Ich fürchtete, sie würden zerplatzen
und als klirrender Regen auf den Boden niederprasseln und so vor allen
Dienstboten die Diebin entlarven, die sich um alles brachte, indem sie
ihren eignen Reichtum stahl.
 
»Deine Räuberbande,« fuhr sie fort, »hat ein anonymes Schreiben
geschickt, in dem sie droht, das Schatzamt zu plündern.«
 
Ich blieb still wie ein Dieb.
 
»Ich habe gerade Bruder Nikhil den Rat gegeben, sich um deinen Schutz zu
bemühen«, fuhr sie spottend fort. »Ruf deine Schergen zurück,
Räuberkönigin! Wir wollen deinem Bande Mataram Opfer bringen, wenn du
uns nur rettest. Ist das eine Welt heute! Aber verschont um Gottes
willen wenigstens unser Haus mit räuberischen Überfällen!«
 
Ich eilte, ohne zu antworten, in mein Zimmer. Ich hatte meinen Fuß auf
Triebsand gesetzt und konnte ihn nun nicht zurückziehen. Wenn ich mich
mühte, herauszukommen, würde ich nur noch tiefer versinken.
 
Wenn nur die Zeit kommen wollte, wo ich Sandip das Geld einhändigen
könnte! Ich konnte es nicht länger ertragen, sein Gewicht zermalmte
mich.
 
Es war noch früh, als ich Bescheid erhielt, daß Sandip mich erwartete.
Heute dachte ich nicht daran, mich zu schmücken. So wie ich war, in
meinen Schal gehüllt, eilte ich nach den äußeren Gemächern.
 
Als ich das Wohnzimmer betrat, fand ich Sandip und Amulja da beisammen.
Es war, als ob meine ganze Würde, meine ganze Ehre von Kopf zu Fuß
sausend durch meinen Körper fuhr und im Boden verschwand. Ich sollte
jetzt vor den Augen dieses Knaben die äußerste Schande einer Frau
bloßlegen! War es möglich, daß die beiden sich hier getroffen hatten, um
über meine Tat zu sprechen? War denn kein Fetzen eines Schleiers
geblieben, meine Schmach zu verhüllen?
 
Wir Frauen werden die Männer nie verstehen. Wenn sie sich einen Weg zu
ihrem Ziel bahnen wollen, so macht es ihnen nichts, das Herz der Welt in
Stücke zu brechen, um ihre Straße damit zu pflastern, damit ihr
Siegeswagen leichter dahinrollt. Wenn sie von ihrem Schaffensdrang
berauscht sind, zerstören sie mit Lust das, was der Schöpfer schuf.
Diese Schande, die mir das Herz bricht, würdigen sie nicht einmal eines
Blickes. Sie haben kein Gefühl für das Leben um sie her; ihr ganzes
Verlangen geht auf ihr Ziel. Was bin ich ihnen anders als eine
Wiesenblume auf dem Wege eines seine Ufer überflutenden Stromes?
 
Und welchen Nutzen wird meine Selbstvernichtung Sandip bringen? Nur 5000
Rupien? War ich denn nicht noch etwas mehr wert als 5000 Rupien? Ja,
freilich! Hatte ich das nicht von Sandip selbst gelernt, und konnte ich
nicht im Licht dieser Erkenntnis meine ganze übrige Welt verachten? Ich
war die Spenderin von Licht, von Leben, von Schakti-Kraft, von
Unsterblichkeit -- in diesem Glauben, in dieser Freude hatte ich alle
meine Schranken durchbrochen und war hinausgeeilt. Hätte irgend jemand
mir nun diesen Glauben bestätigt, mein Tod wäre Leben für mich gewesen.
Ich hätte nichts verloren, obgleich ich alles von mir geworfen hatte.
 
Soll ich jetzt glauben, daß dies alles Lüge war? Mußte die Lobeshymne,
die sie mir so begeistert sangen, mich aus meinem Himmel herabrufen,
nicht damit ich die Erde zum Himmel machte, sondern daß ich den Himmel
selbst in den Staub herabzöge?
 
 
XVI
 
»Das Geld, Königin?« fragte Sandip, mich gespannt ansehend.
 
Auch Amulja sah mich erwartungsvoll an. Der liebe Junge! Wenn er auch
nicht mein leiblicher Bruder ist, so liebe ich ihn doch wie einen
jüngern Bruder. Mit seinem ehrlichen Gesicht, seinem hellen Blick, mit
seiner ganzen unschuldigen Jugend sah er mich an. Und ich, eine Frau --
vom Geschlecht seiner Mutter -- wie konnte ich ihm Gift reichen, nur
weil er danach verlangte?
 
»Das Geld, Königin!« Sandips freche Forderung klang mir in den Ohren. In
meinem Gefühl von Scham und Zorn hätte ich ihm das Geld an den Kopf
werfen mögen. Ich konnte kaum den Knoten meines Sari auflösen, so
zitterten meine Finger. Endlich fielen die Geldrollen auf den Tisch.
 
Sandips Gesicht wurde finster... Er mußte glauben, es seien
Silberrollen... Welche Verachtung war in seinem Blick! Welcher Ekel vor
meiner Unfähigkeit! Es war fast, als hätte er mich schlagen mögen! Er
muß geglaubt haben, ich sei gekommen, um mit ihm zu unterhandeln, ihm
als Abschlagssumme für seine Forderung von 5000 Rupien ein paar hundert
zu bieten. Einen Augenblick glaubte ich, er würde die Geldrollen
ergreifen und aus dem Fenster werfen und mir erklären, er sei kein
Bettler, sondern ein König, der seinen Tribut fordert.
 
»Ist das alles?« fragte Amulja mit einer Stimme, so voll überquellenden
Mitleids, daß ich hätte laut aufschluchzen mögen. Ich preßte mein Herz
gewaltsam zusammen und nickte nur stumm mit dem Kopf.
 
Sandip war sprachlos. Er rührte weder die Rollen an, noch äußerte er
einen Laut.
 
Meine Demütigung schnitt dem Knaben ins Herz. Mit erheuchelter
Begeisterung rief er plötzlich aus: »Das ist eine ganze Menge. Damit
haben wir reichlich genug. Sie haben uns gerettet.« Und dabei riß er
eine der Rollen auf.
 
Die Goldstücke blitzten hervor. Und im selben Augenblick schwand auch
die dunkle Hülle von Sandips Gesicht. Er strahlte vor Entzücken.
Unfähig, den plötzlichen Umschlag seines Gefühls zu verbergen, sprang er
auf und eilte auf mich zu. Was er wollte, weiß ich nicht. Ich warf einen
hastigen Blick auf Amulja -- die Farbe war aus seinem Antlitz gewichen,
als hätte er einen Peitschenhieb bekommen. Dann stieß ich mit aller
Kraft Sandip zurück. Als er rückwärts taumelte, stieß er mit dem Kopf
gegen die Ecke des Marmortisches und fiel zu Boden. Dort lag er eine
Weile regungslos. Von der Anstrengung erschöpft, sank ich auf meinen
Stuhl zurück.
 
Amuljas Gesicht leuchtete freudig auf. Er wandte sich nicht einmal nach
Sandip um, sondern kam geradeswegs zu mir, berührte ehrfurchtsvoll meine
Füße und blieb dann vor mir auf dem Boden sitzen. Ach, mein kleiner
Bruder, mein Kind! Diese deine Ehrfurchtsbezeugung ist die letzte
Berührung des Himmels, die mir in meiner leer gewordenen Welt noch
zuteil wird! Ich konnte mich nicht länger halten, und meine Tränen
flossen heftig. Ich bedeckte die Augen mit dem Ende meines Sari, den ich
mit beiden Händen gegen das Gesicht preßte, und schluchzte und
schluchzte. Und immer, wenn meine Füße seine zarte Berührung spürten,
wodurch er mich zu trösten suchte, brachen meine Tränen von neuem
hervor.
 
Als ich mich nach einer Weile gefaßt hatte und aufblickte, sah ich
Sandip wieder am Tisch stehen und die Goldstücke in sein Taschentuch
knoten, als ob nichts geschehen wäre. Amulja erhob sich von seinem Platz
zu meinen Füßen; seine nassen Augen leuchteten.
 
Sandip sah mich ganz gelassen an und bemerkte: »Es sind sechstausend.«
 
»Wozu brauchen wir soviel, Sandip Babu?« rief Amulja.
»Dreitausendfünfhundert ist alles, was wir für unsre Arbeit nötig
haben.«
 
»Wir brauchen nicht nur Geld zu diesem einen Zweck«, erwiderte Sandip.
»Wir werden alles brauchen, was wir bekommen können.«
 
»Das mag sein«, sagte Amulja. »Aber für die Zukunft übernehme ich es,
Ihnen alles zu schaffen, was Sie brauchen. Von diesem geben Sie, bitte,
die übrigen zweitausendfünfhundert der Maharani zurück, Sandip Babu!«
 
Sandip sah mich fragend an.
 
»Nein, nein«, rief ich aus. »Ich rühre dies Geld nie wieder an. Machen
Sie damit, was Sie wollen!«
 
Sandip sah Amulja an. »Kann der Mann je geben, wie die Frau geben kann?«
sagte er.
 
»Sie sind Göttinnen!« stimmte Amulja begeistert zu.
 
»Wir Männer können höchstens das geben, was wir durch unsre Kraft
erringen«, fuhr Sandip fort. »Aber die Frauen geben sich selbst. Aus
ihrem eignen Leib gebären sie, mit ihrem eignen Leib nähren sie. Solche
Gaben sind die einzig wahren Gaben.« Dann wandte er sich zu mir.
»Königin,« sagte er, »wenn das, was Sie uns gegeben haben, nur Geld
wäre, so hätte ich es nicht angerührt. Aber Sie haben uns das gegeben,
was Ihnen mehr bedeutet als das Leben selbst.

댓글 없음: