2016년 7월 29일 금요일

Das Heim und die Welt 31

Das Heim und die Welt 31


Amulja geriet, während er so sprach, immer mehr in Begeisterung. Er wird
immer warm, wenn ich ihm zuhöre. »Die Gita lehrt uns,« fuhr er fort,
»daß niemand die Seele töten kann. Töten ist ein bloßes Wort. So ist es
auch mit dem Rauben von Geld. Wem gehört das Geld? Niemand hat es
erschaffen. Niemand kann es mit sich fortnehmen, wenn er aus diesem
Leben scheidet, denn es ist kein Teil seiner Seele. Heute gehört es mir,
morgen meinem Sohn, am nächsten Tage seinem Gläubiger. Da nun
tatsächlich das Geld niemandem gehört, warum sollte unsre Patrioten ein
Tadel treffen, wenn sie, anstatt es einem unwürdigen Sohne des
Vaterlandes zu lassen, selbst davon Gebrauch machen?«
 
Wenn ich Sandips Worte aus dem Munde dieses Knaben höre, zittere ich am
ganzen Leibe. Mögen Schlangenbändiger mit Schlangen spielen; wenn ihnen
ein Leid geschieht, so müssen sie darauf gefaßt sein. Aber diese Knaben
sind so unschuldig. Die ganze Welt sollte segnend ihre Arme über sie
breiten, um sie zu schützen. Sie spielen mit einer Schlange, deren Natur
sie nicht kennen, und wenn wir sehen, wie sie lächelnd und
vertrauensvoll ihre Hände ihren Giftzähnen nähern, so wird es uns klar,
wie furchtbar gefährlich die Schlange ist. Sandip hat ganz recht, wenn
er argwöhnt, daß ich, wenn ich selbst auch von seiner Hand den Tod
nehmen würde, ihm doch diesen Knaben entreißen und ihn retten werde.
 
»So wollen also die Patrioten das Geld für ihren eignen Gebrauch haben?«
fragte ich lächelnd.
 
»Gewiß wollen sie das!« sagte Amulja stolz. »Sind sie nicht unsre
Könige? Armut würde ihrer königlichen Macht Abbruch tun. Wissen Sie, daß
wir durchaus darauf halten, daß Sandip Babu erster Klasse reist? Er geht
königlichen Ehren nie aus dem Wege, aber er nimmt sie nicht um
seinetwillen an, sondern um unser aller Ehre willen. Die größte Waffe
derer, die die Welt beherrschen, sagt Sandip Babu, ist der Zauber ihres
äußern Prunkes. Das Gelübde der Armut würde nicht nur Kasteiung, es
würde Selbstmord für sie bedeuten.«
 
In diesem Augenblick trat Sandip geräuschlos ein. Ich warf hastig meinen
Schal über den Schmuckkasten.
 
»Ist das tête-à-tête noch nicht beendet?« fragte er in spöttischem Ton.
 
»Ja, wir sind ganz fertig«, sagte Amulja entschuldigend. »Es war nichts
Besonderes.«
 
»Nein, Amulja,« sagte ich, »wir sind noch nicht ganz fertig.«
 
»Dann muß Sandip wohl noch einmal abtreten?« sagte Sandip.
 
»Bitte.«
 
»Und was sein Wiederauftreten anbelangt...«
 
»Heute nicht. Ich habe keine Zeit.«
 
»Ach so!« sagte Sandip mit blitzenden Augen. »Keine Zeit zu vergeuden!
Nur für tête-à-têtes.«
 
Eifersucht! Wenn das starke Geschlecht Schwäche zeigt, so kann das
schwächere es sich nicht versagen, die Siegestrommel zu schlagen. Daher
wiederholte ich fest: »Ich habe wirklich keine Zeit.«
 
Sandip ging mit finsterm Gesicht hinaus. Amulja war ganz verstört.
»Schwester Rani«, sagte er in bittendem Ton, »Sandip Babu ist böse.«
 
»Er hat weder Ursache noch Recht, böse zu sein«, sagte ich heftig. »Laß
mich dich vor einer Sache warnen. Du darfst Sandip Babu nichts von dem
Verkauf meiner Schmucksachen sagen, -- bei deinem Leben nicht!«
 
»Nein, ich werde es nicht tun.«
 
»Dann warte lieber nicht mehr! Du mußt noch heute mit dem Abendzug
fahren.«
 
Amulja und ich verließen zusammen das Zimmer. Als wir hinaustraten auf
die Veranda, stand Sandip da. Ich merkte, daß er Amulja auflauerte. Um
ihn zu hindern, mußte ich ihn mit Beschlag belegen.
 
»Was ist es, was Sie mir sagen wollten, Sandip Babu?« fragte ich.
 
»Ich habe nichts Besonderes zu sagen -- ich wollte nur etwas plaudern.
Und da Sie keine Zeit haben...«
 
»Einen kleinen Augenblick habe ich noch für Sie.«
 
Inzwischen war Amulja fortgegangen. Als wir eintraten, fragte Sandip:
 
»Was war das für ein Kasten, den Amulja mitnahm?«
 
Der Kasten war also seinen Augen nicht entgangen.
 
Ich blieb fest. »Wenn ich es Ihnen hätte sagen können, so hätte ich ihn
ihm in Ihrer Gegenwart übergeben.«
 
»Sie denken also, Amulja wird es mir nicht sagen?«
 
»Nein, das wird er nicht tun.«
 
Sandip konnte seinen Zorn nicht länger verbergen. »Sie glauben, Sie
werden die Oberhand über mich gewinnen?« fuhr er auf. »Das wird nie
geschehen. Dieser Amulja würde glücklich sterben, wenn ich mich
herabließe, ihn mit meinen Füßen zu zertreten. Solange ich lebe, werde
ich es nicht dulden, daß Sie ihn sich zu Füßen zwingen.«
 
O, über die Schwachen! Endlich ist es Sandip klar geworden, daß er
schwach ist mir gegenüber. Daher dieser plötzliche Zornesausbruch. Er
hat eingesehen, daß er gegen die Macht, die mir gegeben ist, mit seiner
bloßen Kraft nichts ausrichtet. Mit einem Blick kann ich seine stärksten
Befestigungen zertrümmern. Nun muß er schlechterdings seine Zuflucht zum
Poltern nehmen. Ich antwortete nur mit einem verächtlichen Lächeln.
Endlich bin ich über ihn hinausgewachsen. Ich darf diese überlegene
Stellung nicht verlieren, darf nicht wieder tiefer hinabsteigen. In all
meiner Erniedrigung muß mir dieser kleine Rest von Würde bleiben!
 
»Ich weiß,« sagte Sandip nach einer Pause, »daß es Ihr Schmuckkasten
war.«
 
»Sie können raten, was Sie wollen,« sagte ich, »von mir werden Sie
nichts erfahren.«
 
»So vertrauen Sie also Amulja mehr als mir? Wissen Sie denn nicht, daß
der Junge der Schatten meines Schattens, das Echo meines Echos ist? Daß
er nichts ist, wenn ich nicht an seiner Seite bin?«
 
»Wo er nicht Ihr Echo ist, ist er er selbst, Amulja. Und dieser Amulja
ist es, dem ich mehr traue als Ihrem Echo!«
 
»Sie dürfen nicht vergessen, daß Sie durch ein Versprechen gebunden
sind, all Ihren Schmuck für den Dienst der Göttin zu opfern. Dies Opfer
ist tatsächlich schon dargebracht.«
 
»Der Schmuck, den die Götter mir lassen, soll den Göttern geopfert
werden. Aber wie kann ich den den Göttern opfern, der mir gestohlen
ist?«
 
»Nun hören Sie, es nützt Ihnen nichts, daß Sie versuchen, mir auf diese
Weise zu entkommen. Jetzt bedarf es rücksichtsloser Arbeit. Wenn diese
Arbeit getan ist, können Sie nach Herzenslust Ihre weiblichen Listen
üben, und ich will Ihnen bei dieser Kurzweil helfen.«
 
Von dem Augenblick an, wo ich meinem Gatten das Geld gestohlen und es
Sandip gegeben hatte, war die Musik zwischen uns verstummt. Dadurch, daß
ich mich weggeworfen hatte, hatte ich nicht nur all meinen eignen Wert
zerstört, sondern auch Sandips Macht hatte ihren vollen Spielraum
eingebüßt. Man kann seine Schützenkunst nicht an einem Gegenstand üben,
der in greifbarer Nähe ist. Und so hat Sandip sein heroisches Aussehen
verloren. Seine Rede hat einen Ton von kleinlicher Streitsucht bekommen.
 
Sandip richtete seine glänzenden Augen voll auf mein Gesicht, bis sie
wie der durstige Mittagshimmel glühten. Ein paarmal machte er eine
Bewegung, als ob er aufspringen und sich auf mich stürzen wollte. Ein
Schwindel ergriff mich, meine Pulse stockten, es sauste mir in den
Ohren, ich fühlte, wenn ich jetzt dablieb, würde ich verloren sein.
Meine ganze Kraft zusammenraffend, riß ich mich vom Stuhl auf und eilte
zur Tür.
 
Aus Sandips trockner Kehle kam ein erstickter Ruf: »Wohin wollen Sie
fliehen, Königin?« Im nächsten Augenblick sprang er mit einem Satz auf,
um mich festzuhalten. Jedoch beim Laut von Schritten draußen vor der Tür
wich er schnell zurück und sank in seinen Stuhl. Ich stand vor dem
Bücherregal still und starrte die Titel an.
 
Als mein Gatte eintrat, rief Sandip aus: »Sag einmal, Nikhil, hast du
nicht Browning da unter deinen Büchern? Ich erzählte unsrer
Bienenkönigin eben von unserm Universitätsklub. Weißt du noch, wie wir
über die Übersetzung jener Verse von Browning stritten? Erinnerst du
dich nicht mehr daran?
 
Warum blickte sie mich an,
Wenn ich sie nicht lieben sollte?
Gibt es nicht genug der Männer,
-- Denn so nennen sie sich auch wohl --
Die schon morgen kaum noch wissen,
Wenn sie ihre ganze Seele
Heute ihnen offenbarte!
Doch daß ich aus anderm Stoffe,
Wußte sie, als ihre Augen
Über jene Schar hingleitend
Plötzlich an mir haften blieben[36].

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