2016년 7월 29일 금요일

Das Heim und die Welt 32

Das Heim und die Welt 32


Ich brachte die Übersetzung ins Bengalische irgendwie zustande, aber das
Ergebnis war kaum ein bleibender Gewinn für die bengalische Literatur.
Ich habe einmal allen Ernstes geglaubt, ich sei auf dem Wege, ein
Dichter zu werden, aber die Vorsehung war gütig genug, mich vor solchem
Unheil zu bewahren. Erinnerst du dich an den alten Dakschina? Wenn er
nicht Salzinspektor geworden wäre, wäre er Dichter geworden. Ich weiß
noch heute, wie er... Nein, Bienenkönigin, es hat keinen Zweck, das
Regal zu durchstöbern. Nikhil hat seit seiner Heirat aufgehört, Gedichte
zu lesen, -- vielleicht hat er seitdem kein Bedürfnis mehr nach Poesie.
Aber ich glaube, das Fieber des Dichtens, wie es im Sanskrit heißt,
ist im Begriff, mich wieder anzufallen.«
 
»Ich bin gekommen, um dich zu warnen, Sandip«, sagte mein Gatte.
 
»Vor solchem Fieberanfall?«
 
Mein Gatte beachtete diesen Versuch zu scherzen nicht.
 
»Seit einiger Zeit«, fuhr er fort, »sind mohammedanische Priester am
Werk, die Muselmänner dieser Gegend aufzuwiegeln. Sie sind alle gegen
dich aufgebracht und können dich jeden Augenblick angreifen.«
 
»Kommst du, um mir zur Flucht zu raten?«
 
»Ich komme, um dir die Mitteilung zu machen, nicht, dir meinen Rat
anzubieten.«
 
»Wenn diese Besitzungen mir gehörten, so wären es die Priester, die
diese Warnung brauchten. Wenn du, statt zu versuchen, mich
einzuschüchtern, ihnen eine Probe deiner Energie gegeben hättest, das
wäre deiner und meiner würdiger gewesen. Weißt du, daß deine Schwäche
auch die Zemindars der Nachbarschaft ansteckt?«
 
»Ich habe dir meinen Rat nicht angeboten, Sandip. Ich wollte, du
behieltest deinen auch für dich. Er ist außerdem ganz überflüssig. Und
noch etwas anderes möchte ich dir sagen. Du und deine Anhänger haben im
geheimen meine Leute bedrückt und geplagt. Das kann ich nicht länger
dulden. Daher muß ich dich bitten, mein Gebiet zu verlassen.«
 
»Aus Furcht vor den Muselmännern, oder willst du mir noch eine andre
Furcht einjagen?«
 
»Es gibt eine Furcht, die nur die Feigen nicht kennen. Im Namen dieser
Furcht sage ich dir, Sandip, daß du fort mußt. In fünf Tagen werde ich
nach Kalkutta reisen. Ich möchte, daß du mich begleitest. Du kannst
natürlich in meinem Hause dort wohnen, dagegen habe ich nichts.«
 
»Gut, ich habe also noch fünf Tage Zeit. Inzwischen will ich Ihnen,
Bienenkönigin, deren Stock ich nun verlassen muß, mein Abschiedslied
summen. O, du Dichter des modernen Bengalen! Öffne mir deine Tore weit
und laß mich deine Verse plündern! Eigentlich bist du der Dieb, denn es
ist mein Lied, das du dir zu eigen gemacht hast, -- aber mag es
meinetwegen deinen Namen tragen, es gehört doch mir.« Damit stimmte er
mit seiner rauhen, etwas unsichern Baßstimme ein Lied nach der
Bhairavi-Weise an:
 
Im Lenze deines Königtums, Geliebte,
Da jagten sich Begegnen und Trennen in endlosem Spiel,
Und Blumen erblühten auf der Spur der alten, die im Schatten welkten
und starben.
Im Lenze deines Königtums, Geliebte,
Da erquoll jeder Begegnung mit dir ein Dankeslied.
Doch hat nicht auch mein Abschied dir eine Gabe zu bieten?
Ein zartes Hoffnungsblümchen, das ich heimlich im Schatten deines
Blumengartens hegte:
Mögen des Juliregens kühle Schauer
Süß lindern deines Junis Glut!
 
Seine Kühnheit kennt keine Schranken, -- sie ist unverhüllt und nackt
wie das Feuer. Man kommt gar nicht dazu, ihr Halt zu gebieten,
ebensowenig wie man einen Donnerkeil aufhalten kann. Der Blitz flammt
plötzlich auf, allen Widerstand verspottend.
 
Ich verließ das Zimmer. Als ich über die Veranda nach den innern
Gemächern ging, stand Amulja plötzlich vor mir.
 
»Fürchten Sie nichts, Schwester Rani«, sagte er. »Ich reise heute abend
und werde nicht erfolglos zurückkehren.«
 
»Amulja,« sagte ich, ihm fest in sein von jugendlichem Eifer glühendes
Antlitz blickend, »ich fürchte nichts für mich, doch möge es nie dahin
kommen, daß ich nichts mehr für dich zu fürchten brauche.«
 
Amulja wandte sich, um fortzugehen, doch bevor er mir aus den Augen war,
rief ich ihn zurück und fragte: »Hast du eine Mutter, Amulja?«
 
»Ja.«
 
»Und eine Schwester?«
 
»Nein, ich bin das einzige Kind meiner Mutter. Mein Vater starb, als ich
noch ganz klein war.«
 
»Dann geh zurück zu deiner Mutter, Amulja!«
 
»Aber, Schwester Rani, jetzt habe ich beides, Mutter und Schwester.«
 
»So komm heute abend, bevor du abreisest, Amulja, und iß mit mir!«
 
»Dazu wird keine Zeit sein. Lassen Sie mich etwas Speise für unterwegs
mitnehmen, die Sie durch Ihre Berührung geweiht haben!«
 
»Was magst du besonders gern, Amulja?«
 
»Wenn ich bei meiner Mutter gewesen wäre, hätte sie mir eine Menge
Pousch-Kuchen gebacken. Backen Sie mir welche mit Ihren eignen Händen,
Schwester Rani!«
 
 
Fußnoten:
 
[35] Bruder von Rama, dem Helden des Ramajana, dessen Treue
gegen seinen Bruder und dessen Gattin Sita sprichwörtlich geworden ist.
 
[36] Die erste Strophe aus dem Gedicht Christina (Dramatic
Lyrics).
 
 
 
 
ZEHNTES KAPITEL
 
 
NIKHILS ERZÄHLUNG
 
XII
 
Ich hörte von meinem Lehrer, daß Sandip mit Harisch Kundu gemeinsame
Sache gemacht hätte und daß eine große Feier stattfinden sollte zu Ehren
der dämonenvernichtenden Göttin. Harisch Kundu erpreßte die Mittel dazu
von seinen Pächtern. Die gelehrten Brahmanen Kaviratna und Vidjavagisch
waren beauftragt, eine kunstvolle doppelsinnige Hymne zu verfassen.
 
Mein Lehrer hatte eben mit Sandip ein Wortgefecht darüber. »Auch bei den
Göttern gibt es eine Entwicklung«, sagte Sandip. »Der Enkel muß die
Götter, die sein Großvater schuf, nach seinem eignen Geschmack
ummodeln, sonst bleibt er ein Atheist. Meine Sendung ist es, die alten
Gottheiten der neuen Zeit anzupassen. Ich bin zum Erlöser der Götter
geboren, der sie von der Knechtschaft der Vergangenheit frei macht.«
 
Ich habe von unsrer Kindheit an gesehen, welch ein Ideengaukler Sandip
ist. Er hat kein Interesse daran, die Wahrheit zu entdecken, aber es
erfreut sein Herz, wenn er an ihr seinen Witz üben kann. Wenn er unter
den Wilden Afrikas geboren wäre, so hätte er eine schöne Zeit damit
zugebracht, ein Argument nach dem andern zu erfinden, um zu beweisen,
daß der Kannibalismus das beste Mittel ist, eine wahre Gemeinschaft
zwischen Mensch und Mensch herzustellen. Aber die, die sich mit Betrug
abgeben, betrügen schließlich sich selbst, und ich bin fest überzeugt,
daß Sandip, jedesmal, wenn er sich einen neuen Trugschluß ausgedacht
hat, sich einredet, er habe die Wahrheit gefunden, wie widerspruchsvoll
auch seine Schlüsse unter sich sein mögen.
 
Doch ich werde mich jedenfalls nicht dazu hergeben, die Fabrikation
solcher Rauschmittel in meinem Lande zu fördern. Die jungen Leute, die
bereit sind, sich in den Dienst ihres Vaterlandes zu stellen, dürfen
sich nicht an den Rausch gewöhnen. Wer andre durch Rauschmittel zur
Vollbringung eines Werkes treibt, sündigt an ihrer Seele.
 
Ich sah mich genötigt, Sandip in Bimalas Gegenwart zu sagen, daß er fort
müsse. Vielleicht werden beide mir falsche Beweggründe unterschieben.
Aber ich muß mich frei machen, auch von der Furcht mißverstanden zu
werden. Mag selbst Bimala mich mißverstehen...
 
Es kommen immer mehr mohammedanische Priester von Dacca herüber. Die
Muselmänner auf unserm Gebiet hatten mit der Zeit eine fast ebenso große
Abneigung gegen das Töten von Kühen bekommen wie die Hindus. Aber jetzt
tauchen hier und da Fälle auf, wo sie Kühe schlachten. Ich hörte zuerst
davon durch ein paar von meinen mohammedanischen Pächtern, die ihrem
Abscheu darüber Ausdruck gaben. Ich sah, daß wir hier in eine schwierige
Lage gerieten. Bisher waren ihre religiösen Gründe nur ein Vorwand, aber
dieser Vorwand wird zu wirklichem Fanatismus werden, sobald sie
Widerstand finden. Darin zeigt sich gerade der Scharfsinn dieser
Maßregel.
 
Ich ließ einige von meinen Hauptpächtern, die Hindus waren, rufen und
versuchte, ihnen die Sache im rechten Lichte darzustellen. »Wir können
selbst unerschütterlich an unsern Überzeugungen festhalten,« sagte ich,
»aber wir haben keine Macht über die Überzeugungen anderer. Wenn auch
viele unter uns der Wischnu-Religion angehören, so bringen doch die
Schakti-Gläubigen unter uns nichtsdestoweniger ihre Tieropfer dar.
Dagegen läßt sich nichts tun. Und ebenso müssen wir nun auch die
Mohammedaner gewähren lassen. Daher bitte ich euch, haltet euch von
allen Gewalttätigkeiten zurück!«
 
»Maharadscha,« erwiderten sie, »es ist so lange her, seit man von
solchem Frevel gehört hat.«
 
»Das kommt daher,« sagte ich, »weil sie sich aus eignem Antrieb dessen
enthielten. Laßt uns jetzt so verhalten, daß sie es von selbst wieder
tun. Aber wenn wir den Frieden brechen, bringen wir sie nicht dazu.«
 
»Nein, Maharadscha,« drängten sie, »jene guten alten Zeiten sind vorbei.
Dieser Frevel wird nicht aufhören, wenn Sie ihn nicht mit starker Hand
unterdrücken.«
 
»Unterdrückung«, erwiderte ich, »wird nicht nur das Küheschlachten nicht
verhindern können; sie kann dahin führen, daß auch Menschen
hingeschlachtet werden.«
 
Einer von ihnen hatte eine englische Schule besucht. Er hatte gelernt,
die Schlagworte des Tages nachzusprechen. »Es ist nicht nur eine Frage
der Strenggläubigkeit«, wandte er ein. »Unser Land ist im wesentlichen
ein ackerbautreibendes, und die Kühe sind...«
 
»Die Büffel in diesem Lande«, unterbrach ich ihn, »geben auch Milch und
werden zum Pflügen gebraucht. Und solange wir, ihre abgehauenen Köpfe
auf den Schultern und mit ihrem Blut befleckt, in unsern Tempeln rasende
Tänze aufführen, wird die Religion nur unserer spotten, wenn wir mit den
Mohammedanern in ihrem Namen streiten, und bei dem Streit um die
Wahrheit bleibt der Streit die einzige Wahrheit. Wenn nur die Kuh und
nicht der Büffel dem Schlachtmesser heilig sein soll, so ist dies Buchstabendienst, aber nicht Religion.

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