2016년 7월 29일 금요일

Das Heim und die Welt 33

Das Heim und die Welt 33


Aber merken Sie denn nicht, Maharadscha, was die Ursache von allem
ist?« fuhr der englisch geschulte Pächter fort. »Dies ist alles nur
dadurch möglich geworden, daß der Mohammedaner sich sicher fühlt, selbst
wenn er das Gesetz bricht. Haben Sie nicht von dem Fall Patschurs
gehört?«
 
»Warum ist es möglich,« fragte ich, »die Mohammedaner so als Werkzeuge
gegen uns zu gebrauchen? Haben wir sie nicht durch unsere eigne
Unduldsamkeit dazu gemacht? Auf diese Weise straft uns jetzt die
Vorsehung, denn das Maß unsrer Sünde ist voll, und sie wird nun an uns
heimgesucht.«
 
»Nun gut, wenn dem so ist, so mag sie an uns heimgesucht werden. Aber
die Rache wird kommen. Wir sehen das untergraben, was die größte Stärke
unsrer Obrigkeit ausmachte, ihre Treue gegen ihre eignen Gesetze. Einst
waren sie wirkliche Könige, die des Rechtes walteten; jetzt werden sie
selbst Gesetzbrüchige und also nicht besser als Räuber. Die Geschichte
mag anders urteilen; aber unser Herz wird sie immer so richten...«
 
Die Verleumdungen gegen mich, die sich durch die Zeitungen verbreiten,
machen mich berüchtigt. Ich höre, daß man auf dem Verbrennungsplatz der
Tschakravartis unten am Fluß mein Bild mit aller Feierlichkeit und
großer Begeisterung verbrannt hat, und daß man andre Beschimpfungen
plant. Der Anlaß war, daß sie mich aufgefordert hatten, mich als
Aktionär bei der Gründung einer Baumwollspinnerei zu beteiligen. Ich
mußte ihnen sagen, daß ich nicht so sehr den Verlust meines eigenen
Geldes fürchtete, als mich mitschuldig zu machen am Verlust so vieler
armer Aktionäre.
 
»Sollen wir annehmen, Maharadscha,« sagten meine Besucher, »daß das
Wohl des Landes Ihnen gleichgültig ist?«
 
»Industrie kann das Wohl des Landes fördern,« versetzte ich, »aber der
bloße Wunsch, daß das Wohl des Landes gefördert werde, garantiert der
Industrie noch keinen Erfolg. Selbst als wir mit kühlem Kopf daran
gingen, wollte unsere Industrie nicht blühen. Haben wir irgend welchen
Grund, zu glauben, daß sie es jetzt tun würde, nur weil wir toll
geworden sind?«
 
»Warum sagen Sie nicht einfach, daß Sie Ihr Geld nicht wagen wollen?«
 
»Ich will mein Geld hineinstecken, wenn ich sehe, daß es Ihnen um die
Industrie selbst zu tun ist. Aber wenn Sie ein Feuer angezündet haben,
so ist damit noch nicht gesagt, daß Sie nun auch die Speise haben, die
damit gekocht werden soll.«
 
 
XIII
 
Was ist das? Unser Unterschatzamt in Tschakna ist geplündert! Eine
Geldsendung von 7500 Rupien sollte nach dem Hauptamt geschickt werden.
Der dortige Schatzmeister hatte die Barschaft beim Staatsschatzamt in
kleine Bankscheine eingewechselt, um sie bequemer tragen zu können, und
hielt sie in Paketen bereit. Mitten in der Nacht brach eine bewaffnete
Bande ins Zimmer ein und verwundete Kasim, den Wächter. Das merkwürdige
bei der Sache ist, daß sie nur 6000 Rupien genommen und das übrige auf
dem Boden ausgestreut haben, obgleich sie das ebenso leicht hätten
mitnehmen können. Jedenfalls ist der Beutezug der Banditen zu Ende, und
die Polizei beginnt ihren Beutezug. An Frieden ist jetzt nicht mehr zu
denken.
 
Als ich nach Hause kam, war die Nachricht mir schon vorausgeeilt. »Das
ist ja schrecklich, Bruder«, rief die Bara Rani. »Was sollen wir nur
tun?«
 
Ich nahm die Sache leicht, um sie zu beruhigen.
 
»Etwas ist uns geblieben«, sagte ich lächelnd. »Wir werden schon
irgendwie durchkommen.«
 
»Scherze nicht darüber, lieber Bruder. Warum sind sie alle so böse auf
dich? Kannst du ihnen denn nicht den Willen tun? Warum bringst du einen
jeden gegen dich auf?«
 
»Ich kann das Land nicht zugrunde gehen lassen, um sie zufrieden zu
stellen.«
 
»Wie entsetzlich war doch die Sache, die sie da auf dem
Verbrennungsplatz angestellt haben! Es ist eine Schande, daß man dich so
behandelt. Die Tschota Rani ist dank ihrer englischen Bildung über alle
Furcht erhaben, aber ich hatte nicht eher Ruhe, als bis ich nach dem
Priester geschickt hatte, daß er das Unheil abwendete. Tu's mir zuliebe
und reise nach Kalkutta, mein Liebling. Ich zittere, wenn ich denke, was
sie dir antun können, wenn du noch länger hier bleibst.«
 
Die aufrichtige Besorgtheit meiner Schwägerin rührte mich tief.
 
»Und Bruder,« fuhr sie fort, »habe ich dich nicht gewarnt, du solltest
lieber nicht soviel Geld in deinem Zimmer aufbewahren? Sie können jeden
Tag Wind davon bekommen. Es ist nicht wegen des Geldes -- aber wer
weiß...«
 
Um sie zu beruhigen, versprach ich, das Geld sofort nach dem Schatzamt
zu bringen und es dann mit der nächsten Gelegenheit nach Kalkutta zu
schicken. Wir gingen zusammen nach meinem Schlafzimmer. Die Tür zum
Ankleidezimmer war geschlossen. Als ich klopfte, rief Bimala drinnen:
»Ich ziehe mich an.«
 
»Nun, wie kommt es denn, daß die Tschota Rani sich so früh am Tage
anzieht?« rief meine Schwägerin. »Da ist wohl wieder eine ihrer Bande
Mataram-Versammlungen. Räuberkönigin,« rief sie Bimala scherzend zu,
»zählst du da drinnen deine Beute?«
 
»Ich sehe nachher nach dem Geld«, sagte ich und ging hinaus nach meinem
Geschäftszimmer.
 
Ich fand den Polizeiinspektor auf mich warten. »Haben Sie irgendeine
Spur von den Banditen?« fragte ich.
 
»Ich habe einen Verdacht.«
 
»Auf wen?«
 
»Auf Kasim, den Wächter.«
 
»Kasim? Aber wurde der nicht verwundet?«
 
»Nicht der Rede wert. Eine Fleischwunde am Bein, die er sich
wahrscheinlich selbst beigebracht hat.«
 
»Aber ich kann mich nicht entschließen, das von ihm zu glauben. Er ist
ein so treuer Diener.«
 
»Sie mögen ihn für treu gehalten haben, aber das hindert nicht, daß er
ein Dieb ist. Habe ich nicht erlebt, wie Menschen, denen man zwanzig
Jahre lang getraut hatte, plötzlich...«
 
»Selbst wenn es so wäre, so könnte ich ihn doch nicht ins Gefängnis
schicken. Aber warum sollte er den übrigen Teil des Geldes haben
umherliegen lassen?«
 
»Um den Verdacht von sich abzulenken. Was Sie auch sagen mögen,
Maharadscha, er ist ein alter Praktikus in solchen Schlichen. Er ist
zwar zu seiner Dienstzeit immer am Platz, aber ich bin sicher, daß er
bei allen Räubereien in der Nachbarschaft die Hand im Spiele hat.«
 
Und nun zählte mir der Inspektor die verschiedenen Methoden auf, wodurch
es möglich sei, an einem Raubanfall zwanzig bis dreißig Meilen weit fort
teilzunehmen und doch zur rechten Zeit wieder im Dienst zu sein.
 
»Haben Sie Kasim mitgebracht?« fragte ich.
 
»Nein,« war die Antwort, »er ist in Untersuchungshaft. Die Polizei ist
jetzt verpflichtet, die Untersuchung einzuleiten.«
 
»Ich möchte ihn sehen«, sagte ich.
 
Als ich in seine Zelle kam, fiel er mir weinend zu Füßen.
 
»Ich schwöre Ihnen bei Gott,« rief er, »daß ich es nicht getan habe.«
 
»Ich zweifle nicht an dir, Kasim«, beruhigte ich ihn. »Fürchte nichts.
Man kann dir nichts tun, wenn du unschuldig bist.«
 
Kasim war jedoch nicht imstande, einen zusammenhängenden Bericht von dem
Vorfall zu geben. Er übertrieb augenscheinlich. Vier- bis fünfhundert
Mann, große Gewehre, zahllose Schwerter spielten eine Rolle in seiner
Erzählung. Daran war entweder sein aufgeregter Zustand schuld, oder der
Wunsch, sich zu rechtfertigen, weil er sich so leicht hatte besiegen
lassen. Er behauptete, daß Harisch Kundu dahinterstecke; er war sogar
sicher, die Stimme Ekrams, seines Hauptpächters gehört zu haben.
 
»Nun höre einmal, Kasim,« mußte ich ihn warnen, »zieh du nicht mit
solchen Geschichten andere Leute in den Handel! Du hast nicht Harisch
Kundu oder irgend jemand anders anzuklagen.«
 
 
XIV
 
Als ich nach Hause ging, bat ich meinen Lehrer, mit zu mir
herüberzukommen. Er schüttelte ernst den Kopf. »Ich sehe nicht, wie
dies gut enden soll«, sagte er. »Die Leute ersticken ihr Gewissen und
setzen das Vaterland an seine Stelle. Alle Sünden des Landes werden
jetzt in ihrer ganzen nackten Häßlichkeit hervorbrechen.«
 
»Wer, meinen Sie, könnte...«
 
»Frage mich nicht! Aber die Sünde nimmt überhand. Schicke sie alle fort,
auf jeden Fall fort von hier!«
 
»Ich habe ihnen noch einen Tag gelassen. Sie werden übermorgen
fortgehen.«
 
»Und noch eins. Bringe Bimala nach Kalkutta! Sie bekommt hier ein zu
einseitiges Bild von der Welt draußen, sie kann die Menschen und Dinge
nicht in ihren richtigen Verhältnissen sehen. Zeige ihr die Welt -- die
Menschen und ihre Arbeit, -- gib ihr einen weiten Blick!«
 
»Das eben gedachte ich auch zu tun.«
 
»Nun, so schiebe es nicht auf! Ich sage dir, Nikhil, alle Rassen der
Welt müssen mit vereinten Kräften an der Geschichte der Menschheit
bauen, und solange sie noch ihr Gewissen um der Politik willen
verkaufen und ihr Vaterland zum Götzenbild machen, haben sie ihr Ziel
noch nicht erkannt. Ich weiß, daß Europa dies im Grunde nicht zugibt,
aber in diesem Punkte hat es kein Recht, unsern Lehrmeister zu spielen.
Die Menschen, die für die Wahrheit sterben, sind unsterblich; und wenn
ein ganzes Volk für die Wahrheit stirbt, so wird es auch in der
Geschichte der Menschheit Unsterblichkeit erringen. Möge hier in unserm
Indien unter dem Hohngelächter der Hölle das Gefühl für diese Wahrheit
lebendig werden! Welch furchtbare Sündenseuche ist aus fremden Ländern in unser Land geschleppt...

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