2016년 7월 29일 금요일

Das Heim und die Welt 35

Das Heim und die Welt 35


Amulja,« fuhr er fort, »ich habe deine Koffer und Sachen nach deiner
Wohnung bringen lassen. Ich will nichts mehr in meinem Zimmer haben, was
dir gehört.« Nach diesem letzten Pfeilschuß eilte Sandip hinaus und warf
die Tür hinter sich zu.
 
 
XIX
 
»Ich habe keine Ruhe gehabt, Amulja,« sagte ich, »seit ich dich
wegschickte, um die Schmucksachen zu verkaufen.«
 
»Warum, Schwester Rani?«
 
»Ich fürchtete, du könntest damit in Gefahr geraten, man könnte dich für
einen Dieb halten. Ich möchte lieber die 6000 Rupien gar nicht haben.
Jetzt mußt du noch etwas anderes mir zuliebe tun, du mußt gleich nach
Hause gehen zu deiner Mutter.«
 
Amulja zog ein kleines Päckchen hervor und sagte: »Aber Schwester, ich
habe die 6000.«
 
»Wo hast du sie her?«
 
»Ich versuchte alles mögliche, um Gold zu bekommen,« fuhr er fort, ohne
meine Frage zu beantworten, »aber es gelang mir nicht. So mußte ich das
Geld in Banknoten bringen.«
 
»Sag' mir aufrichtig, Amulja, schwöre mir, wo hast du das Geld her?«
 
»Das will ich Ihnen nicht sagen.«
 
Es wurde mir dunkel vor den Augen. »Was hast du Schreckliches getan?«
rief ich. »Ist es denn...«
 
»Ich weiß, Sie werden sagen, daß ich auf ungerechte Weise zu diesem
Gelde kam. Gut, ich gebe es zu. Aber ich habe den vollen Preis für meine
Schuld bezahlt. Daher ist das Geld jetzt mein.«
 
Ich wollte nicht mehr wissen. Das Blut erstarrte mir in den Adern.
 
»Schaffe es fort, Amulja«, flehte ich. »Bringe es wieder dahin, wo du es
hergenommen hast!«
 
»Das würde in der Tat schwer sein!«
 
»Es ist nicht schwer, lieber Bruder. Es war ein verhängnisvoller
Augenblick, als du mich zuerst sahst. Selbst Sandip hat dir nicht so
viel schaden können wie ich.«
 
Bei Sandips Namen fuhr er auf wie von einer Viper gestochen.
 
»Sandip!« rief er. »Durch Sie habe ich erst erkannt, was für ein Mensch
er ist. Wissen Sie, Schwester, daß er keinen Heller von dem Gold, das
er Ihnen abnahm, ausgegeben hat? Er schloß sich, nachdem er von Ihnen
gegangen war, in seinem Zimmer ein und weidete sich an dem Anblick
des Goldes, das er vor sich auf dem Fußboden ausbreitete. Dies ist
nicht Gold,rief er aus, dies sind die Blütenblätter der göttlichen
Lotusblume der Macht; es sind Kristall gewordene Melodien aus den
Flöten, die im Paradiese des Reichtums erklingen! Ich kann es nicht
übers Herz bringen, sie zu wechseln, denn es ist, als sehnten sie sich,
die Erfüllung ihres Daseins zu finden als Schmuck um den Hals der
Schönheit. Amulja, mein Junge, blick' sie nicht mit deinem leiblichen
Auge an, sie sind das Lächeln Lakschmis, der bezaubernde Strahlenkranz
von Indras Gattin. Nein, nein, ich kann sie nicht dem Tölpel von
Verwalter überlassen. Ich bin sicher, Amulja, er hat uns belogen. Die
Polizei ist dem Manne, der das Boot versenkte, gar nicht auf der Spur.
Der Verwalter will nur etwas für sich dabei herausschlagen. Wir müssen
versuchen, die verhängnisvollen Briefe von ihm wiederzubekommen.«
 
»Ich fragte ihn, wie wir das anfangen sollten; er gebot mir, Drohungen
oder Gewalt anzuwenden. Ich war bereit, wenn er das Geld zurückgeben
wollte. Das könnten wir später erwägen war die Antwort. Ich will Ihnen
die Einzelheiten ersparen, Schwester, wie ich es endlich fertig brachte,
den Menschen so zu ängstigen, daß er die Briefe herausgab, die ich
verbrannte, es ist eine lange Geschichte. Am selben Abend noch kam ich
zu Sandip und sagte: Jetzt sind wir in Sicherheit. Geben Sie mir das
Gold, daß ich es morgen meiner Schwester, der Maharani zurückgebe!Er
aber rief: Was ist das für eine Narrheit von dir? Du wirst bald vor dem
Sari deiner geliebten Schwester vom ganzen Vaterlande nichts mehr
sehen. Sag' Bande Mataram und banne den bösen Geist!«
 
»Sie kennen die Gewalt von Sandips Zauber, Schwester Rani. Das Gold
blieb in seinen Händen. Und ich verbrachte die lange dunkle Nacht auf
den Badestufen des Sees und murmelte: Bande Mataram.«
 
»Als Sie mir dann Ihre Juwelen zum Verkauf übergaben, ging ich noch
einmal zu Sandip. Ich konnte merken, daß er böse auf mich war. Aber er
versuchte, es nicht zu zeigen. Wenn du sie noch in irgendeinem Koffer
von mir aufbewahrt findest, magst du sie nehmen, sagte er und warf
mir die Schlüssel zu. Sie waren nirgends zu sehen. Sagen Sie mir, wo
sie sind, sagte ich. Ich werde es tun, wenn du von deiner Narrheit
geheilt bist, jetzt nicht, erwiderte er.«
 
»Als ich sah, daß er sich nicht bewegen ließ, mußte ich auf andre Mittel
sinnen. Ich versuchte das Gold gegen die 6000 Rupien in Banknoten von
ihm einzutauschen. Du sollst sie haben, sagte er und verschwand in
seinem Schlafzimmer, während ich draußen wartete. Dort erbrach er
meinen Koffer und ging durch eine andre Tür mit Ihrem Schmuckkasten
geradewegs zu Ihnen. Er wollte nicht, daß ich ihn Ihnen brächte, und nun
wagt er, ihn seine Gabe zu nennen. Wie kann ich sagen, wieviel er mir
geraubt hat! Niemals werde ich ihm verzeihen!«
 
»Aber eins ist gewiß, Schwester, die Macht, die er über mich hatte, ist
gänzlich gebrochen. Und Sie sind es, die sie gebrochen hat!«
 
»Lieber Bruder,« sagte ich, »wenn das wahr ist, so habe ich nicht
umsonst gelebt. Aber es bleibt noch mehr zu tun, Amulja. Es ist nicht
genug, daß der Zauber gebrochen ist. Seine häßlichen Spuren müssen
getilgt werden. Zögre nicht länger, geh' sogleich und bringe das Geld
dahin zurück, wo du es hergenommen hast! Kannst du es nicht tun, mein
Liebling?«
 
»Mit Ihrem Segen ist alles möglich, Schwester Rani!«
 
»Bedenke, daß es sich nicht um deine, sondern auch um meine Sühne
handelt. Ich bin eine Frau; die Außenwelt ist mir verschlossen, sonst
ginge ich selbst. Daß ich die Last meiner Sünde auf dich wälzen muß,
ist meine härteste Strafe.«
 
»Sagen Sie das nicht, Schwester! Der Weg, den ich ging, war nicht Ihr
Weg. Er lockte mich wegen seiner Gefahren und Schwierigkeiten. Jetzt, da
Ihr Weg mich ruft, mag er tausendmal schwieriger und gefährlicher sein,
Ihr Segen wird mir zum Ziel helfen. Es ist also Ihr Befehl, daß dies
Geld wieder an seinen Platz gebracht werde?«
 
»Nicht mein Befehl, mein Bruder, sondern ein Befehl von oben.«
 
»Davon weiß ich nichts. Für mich genügt es, wenn der Befehl von Ihren
Lippen kommt. Und, Schwester, ich hatte doch eine Einladung von Ihnen?
Um die darf ich nicht kommen. Sie müssen mir, bevor ich gehe, Ihr
prasad[37] geben. Dann werde ich, wenn es irgend möglich ist, noch vor
Abend meinen Auftrag erfüllen.«
 
Die Tränen traten mir in die Augen, als ich mit einem Versuch zu lächeln
sagte: »So sei es.«
 
 
Fußnoten:
 
[37] Speise, die durch die Berührung eines verehrten Menschen
geweiht ist.
 
 
 
 
ELFTES KAPITEL
 
 
BIMALAS ERZÄHLUNG
 
XX
 
Sobald Amulja hinaus war, sank mir der Mut. Auf welch gefährliches
Abenteuer hatte ich diesen einzigen Sohn seiner Mutter ausgesandt? O
Gott, warum mußte meine Sühne so weite Kreise ziehen! Konnte ich nicht
allein büßen, ohne daß so viel andere meine Strafe teilten? O, laß nicht
dies unschuldige Kind deinem Zorn zum Opfer fallen!
 
Ich rief ihn zurück, -- »Amulja!«
 
Meine Stimme klang so schwach, sie erreichte ihn nicht mehr.
 
Ich ging zur Tür und rief noch einmal: »Amulja!«
 
Er war fort.
 
»Wer ist da?«
 
»Ja, Maharani?«
 
»Geh' und sag' Amulja Babu, daß ich ihn zu sprechen wünsche!«
 
Was nun geschah, konnte ich nicht genau feststellen, -- vielleicht war
dem Manne Amuljas Name fremd, -- er kehrte unmittelbar darauf mit Sandip
zurück.
 
»Im selben Augenblick, als Sie mich fortschickten,« sagte er eintretend,
»hatte ich eine Ahnung, daß Sie mich zurückrufen würden. Die
Anziehungskraft desselben Mondes bewirkt beides, Ebbe und Flut. Ich war
so sicher, daß Sie mich würden rufen lassen, daß ich tatsächlich draußen
im Korridor wartete. Sobald ich Ihren Boten von Ihrem Zimmer her kommen
sah, sagte ich: Ja, ja, ich komme, ich komme sogleich!bevor er nur
ein Wort äußern konnte. Das überraschte Gesicht dieses Hinterländers
hätten Sie sehen sollen! Er starrte mich mit offnem Munde an, als ob er
dächte, ich könne zaubern.«
 
»Alle Kämpfe in der Welt, Bienenkönigin,« fuhr Sandip in seiner Rede
fort, »sind in Wahrheit Kämpfe zwischen hypnotischen Kräften. Zauber
gegen Zauber geübt, -- geräuschlose Waffen, die auf unsichtbare Schilde
stoßen. In Ihnen habe ich endlich einen ebenbürtigen Gegner gefunden.
Ich weiß, Ihr Köcher ist gefüllt, Sie Meisterin im Streite! Sie sind die
Einzige in der Welt, die es fertig gebracht hat, Sandip fortzuschicken
und zurückzurufen, je nach Ihrem holden Willen. Nun liegt das Wild zu
Ihren Füßen. Was wollen Sie jetzt mit ihm tun? Wollen Sie ihm den
Gnadenstoß versetzen oder es in Ihrem Käfig gefangen halten? Doch ich
muß Sie vorher warnen, Königin, es wird Ihnen ebenso schwer werden, das
Tier auf der Stelle zu töten, wie es einzusperren. Jedenfalls sollten Sie keine Zeit verlieren, Ihre Zauberwaffen zu gebrauchen.

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