2016년 7월 29일 금요일

Das Heim und die Welt 39

Das Heim und die Welt 39


Ich war der einzige, der ihr von allen Verwandten auf der Welt geblieben
war, und die arme unglückliche, verwitwete und kinderlose Frau hegte
diese Verwandtschaft mit aller Zärtlichkeit, die sie in ihrem Herzen
aufgespeichert hatte. Wie tief sie unsre beabsichtigte Trennung
empfunden hatte, fühlte ich erst, als ich zwischen ihren umhergestreuten
Koffern und Bündeln stand.
 
Ich erkannte mit einem Blick, daß die kleinen Zwistigkeiten wegen
Geldangelegenheiten, die sie oft mit Bimala hatte, nicht niederm
Eigennutz entsprangen, sondern sie fühlte, daß diese andere Frau, die
von Gott weiß woher kam, ihre Ansprüche an den einzigen Verwandten, der
ihr geblieben war, zurückdrängte und das Band zwischen ihm und ihr
lockerte! Sie war bei jedem Schritt verletzt worden und hatte doch kein
Recht, sich zu beklagen.
 
Und Bimala? Auch sie fühlte, daß die Ansprüche der Bara Rani an mich
sich nicht nur auf unsre Verwandtschaft gründeten, sondern ihren
tieferen Grund hatten, und sie war eifersüchtig auf dies Verhältnis
zwischen uns, das in unsre Kindheit zurückreichte.
 
Nun schlug mein Herz heftig gegen die Tür meiner Brust. Ich sank auf
einen der Koffer nieder und sagte: »Ach, Schwester Rani, wie glücklich
wäre ich, wenn die alten Zeiten, wo wir uns zuerst in diesem unserm
alten Hause sahen, wiederkehren wollten!«
 
»Nein, lieber Bruder,« erwiderte sie mit einem Seufzer, »ich möchte mein
Leben nicht noch einmal leben, -- nicht als Frau! Laß das, was ich zu
tragen gehabt habe, nur mit dieser einen Existenz zu Ende sein! Ich
könnte es nicht noch einmal ertragen.«
 
Ich sagte zu ihr: »Die Freiheit, zu der wir durch Leid gelangen, ist
größer als das Leid.«
 
»Das mag bei euch Männern so sein. Die Freiheit ist für euch. Aber wir
Frauen möchten andere fesseln oder möchten noch lieber selbst von ihnen
gefesselt werden. Nein, nein, Bruder, du wirst dich aus unsern Netzen
nicht losmachen können. Wenn du denn deine Flügel ausbreiten und
wegfliegen mußt, so mußt du mich mit dir nehmen; wir wollen nicht
zurückbleiben. Darum habe ich all dies schwere Gepäck zusammengetragen.
Man darf euch Männer nicht mit zu leichter Ladung laufen lassen.«
 
»Ich fühle das Gewicht deiner Worte,« sagte ich lachend, »und wenn wir
Männer nicht über die Lasten, die ihr uns auferlegt, klagen, so
geschieht es, weil ihr Frauen uns so freigebig belohnt für das, was ihr
uns zu tragen gebt.«
 
»Ihr tragt es,« sagte sie, »weil die Last aus so vielen kleinen Dingen
besteht. Immer, wenn ihr eins davon zurückweisen wollt, so führt es zu
seinen Gunsten an, daß es so leicht ist. Und so drücken wir euch mit all
den leichten Dingen zu Boden... Wann reisen wir ab?«
 
»Der Zug fährt heute abend um halb zwölf. Wir haben reichlich Zeit.«
 
»Nun sei ein einziges Mal in deinem Leben artig und höre auf das, was
ich sage! Schlaf dich heute nachmittag ordentlich aus! Du weißt, du
kannst im Zuge nie schlafen. Du bist so herunter, daß du jeden
Augenblick zusammenklappen kannst. Komm, nimm erst dein Bad.«
 
Als wir nach meinem Zimmer gingen, kam Khema, das Mädchen, herauf. Sie
zupfte verlegen an ihrem Schleier und sagte in leisem, entschuldigendem
Ton, daß der Polizei-Inspektor mit einem Gefangenen gekommen sei und den
Maharadscha zu sprechen wünsche.
 
»Ist der Maharadscha ein Dieb oder ein Räuber,« fuhr die Bara Rani auf,
»daß die Polizei beständig hinter ihm her sein muß? Geh und sag' dem
Inspektor, daß der Maharadscha beim Baden ist!«
 
»Laß mich nur mal sehen, was los ist,« bat ich. »Es kann etwas
Dringendes sein.«
 
»Nein, nein,« beharrte meine Schwägerin. »Unsre Tschota Rani hat gestern
abend eine Unmenge Kuchen gebacken. Ich werde dem Inspektor ein paar
schicken, damit er ruhig bleibt, bis du fertig bist.« Damit schob sie
mich in mein Zimmer und schloß die Tür hinter mir zu.
 
Ich hatte nicht die Kraft, mich solcher Tyrannei zu widersetzen, -- sie
ist so selten in dieser Welt. Mochte der Inspektor sich die Zeit mit
Kuchenessen vertreiben. Was machte es, wenn die Pflicht einmal ruhte?
 
Die Polizei war diese letzten Tage eifrig am Werke gewesen, bald diesen,
bald jenen zu verhaften. Jeden Tag wurde irgendein Unschuldiger zur
Erheiterung der Angestellten in mein Geschäftszimmer geführt. Ich
vermutete, daß sie jetzt wieder so ein unglückliches Opfer
herangeschleppt hatten. Aber warum sollte der Inspektor allein sich an
Kuchen gütlich tun? Das war nicht in der Ordnung. Ich stieß heftig gegen
die Tür.
 
»Wenn du toll werden willst, gieß dir schnell etwas Wasser über den Kopf
-- das wird dich abkühlen,« sagte meine Schwägerin vom Korridor aus.
 
»Schicke Kuchen für zwei hinunter«, rief ich. »Der, den man als Dieb
eingebracht hat, verdient sie vielleicht noch mehr. Laß ihm eine
tüchtige Portion geben!«
 
Ich beeilte mich mit meinem Bad. Als ich herauskam, saß Bimala draußen
vor der Tür auf dem Boden[43]. War es möglich, daß dies meine alte
stolze, verwöhnte Bimala war?
 
Welche Gunst konnte sie erbitten wollen, als sie da so vor meiner Tür
saß? Als ich stutzte und stehenblieb, stand sie auf und sagte leise mit
niedergeschlagenen Augen: »Ich möchte dich sprechen.«
 
»So komm herein«, sagte ich.
 
»Aber hast du gerade etwas Besonderes vor?«
 
»Ja, aber das macht nichts. Ich möchte hören ...«
 
»Nein, besorge das erst! Wir sprechen dann heute mittag, wenn du
gegessen hast.«
 
Ich ging in mein Zimmer, wo der Polizei-Inspektor seinen Teller ganz
leer gegessen hatte.
 
Aber sein Begleiter war noch mit Essen beschäftigt.
 
»Halloh!« rief ich überrascht aus. »Du, Amulja?«
 
»Ja, ich«, sagte Amulja, den Mund voll Kuchen. »Das war ein richtiger
Festschmaus. Und wenn's Ihnen recht ist, nehme ich den Rest mit.« Damit
band er die übrigen Kuchen in sein Taschentuch.
 
»Was bedeutet dies?« fragte ich, mit einem erstaunten Blick auf den
Inspektor.
 
Der Mann lachte. »Wir sind in bezug auf den Dieb noch ebenso klug,«
sagte er, »inzwischen wird das Geheimnis des Diebstahls immer dunkler.«
Damit zog er ein eingewickeltes Bündel hervor, das sich, als er es
aufband, als ein Päckchen Banknoten entpuppte. »Hier, Maharadscha,«
sagte der Inspektor, »sind Ihre sechstausend Rupien.«
 
»Wo hat man sie gefunden?«
 
»In Amulja Babus Händen. Er kam gestern abend zu Ihrem Verwalter in
Tschakna und sagte ihm, daß das Geld sich gefunden habe. Der Verwalter
war anscheinend in noch größerer Bestürzung über die Wiedererlangung des
Geldes, als er über den Raub gewesen war. Er fürchtete, man könne ihn im
Verdacht haben, erst die Banknoten beiseite gebracht und nun, aus Angst,
daß es herauskäme, sich dies Ammenmärchen ausgedacht zu haben. Er bat
Amulja, noch etwas zu warten, er wolle ihm eine Erfrischung bringen,
und kam geradeswegs zum Polizeiamt. Ich brach sofort auf, nahm Amulja
mit mir und habe den ganzen Morgen versucht, etwas aus ihm
herauszubringen. Er will nicht sagen, wo er das Geld bekommen hat. Ich
warnte ihn, er würde solange in Haft bleiben, bis er es sagte. In dem
Fall, meinte er, würde er lügen müssen. Gut, sagte ich, das solle er nur
tun. Dann sagte er aus, er habe das Geld unter einem Busch gefunden. Ich
machte darauf ihn aufmerksam, daß das Lügen so leicht nicht sei. Unter
welchem Busch er es denn gefunden habe? Und an welchem Ort? Was hatte er
da zu tun? -- Über das alles würde er seine Aussagen machen müssen.
Seien Sie unbesorgt,sagte er, ich habe ja noch Zeit genug, mir das
alles auszudenken.«
 
»Aber, Inspektor,« sagte ich, »warum belästigen Sie einen achtbaren
jungen Menschen wie Amulja Babu?«
 
»Ich habe nicht den Wunsch, ihn zu belästigen«, sagte der Inspektor. »Er
ist nicht nur aus guter Familie, sondern noch dazu der Sohn meines
Schulfreundes, Nibaran Babu. Ich will Ihnen genau sagen, Maharadscha,
wie die Sache liegt. Amulja kennt den Dieb, aber will ihn schützen,
indem er den Verdacht auf sich lenkt. Solche Bravourstückchen sehen ihm
gerade ähnlich. Ich will Ihnen mal was sagen, junger Mann,« wandte er
sich an Amulja, »ich war auch einmal achtzehn und Student in Ripon
College. Ich wäre beinahe ins Gefängnis gekommen, weil ich versuchte,
einen Droschkenkutscher gegen einen Polizisten in Schutz zu nehmen. Ich
kam mit genauer Not davon.«
 
»Maharadscha,« fuhr er dann zu mir gewandt fort, »der wirkliche Dieb
wird nun wahrscheinlich entkommen, aber ich glaube, ich weiß, wer hinter
der ganzen Sache steckt.«
 
»Wer denn?« fragte ich.
 
»Jener Verwalter, im Einverständnis mit dem Wächter Kasim.«
 
Als der Inspektor endlich fortgegangen war, nachdem er mir seine
Hypothese lang und breit auseinandergesetzt hatte, sagte ich zu Amulja:
»Wenn du mir sagst, wer das Geld genommen hat, verspreche ich dir, daß
niemandem ein Leid geschehen soll.«
 
»Ich habe es getan«, sagte er.
 
»Aber wie ist es möglich? Wie war denn das mit der ganzen Schar
bewaffneter Männer?...«
 
»Das war ich, ganz allein!«
 
Was Amulja mir nun erzählte, war in der Tat eine seltsame Geschichte.
Der Verwalter war gerade mit seinem Abendbrot fertig und dabei, sich auf
der Veranda den Mund zu spülen. Es war ziemlich dunkel. Amulja hatte in
jeder Tasche einen Revolver, von denen einer mit Platzpatronen, der
andre mit Kugeln geladen war. Vor dem Gesicht hatte er eine Maske. Er
hielt dem Verwalter plötzlich eine Blendlaterne vors Gesicht und gab
einen blinden Schuß ab. Der Mann fiel in Ohnmacht. Ein paar von den
Wächtern, die dienstfrei waren, kamen herzugelaufen, aber sobald Amulja
auch auf sie einen blinden Schuß abgab, verloren sie keine Zeit, sich in
Sicherheit zu bringen. Dann kam Kasim, der Dienst hatte, mit einem
dicken Knüppel herbeigestürzt. Diesmal feuerte Amulja einen scharfen
Schuß ab, wobei er nach Kasims Beinen zielte, und als dieser fühlte, daß
er getroffen war, brach er zusammen und fiel zu Boden. Amulja zwang dann
den zitternden Verwalter, der inzwischen zur Besinnung gekommen war, den
Geldschrank zu öffnen und ihm 6000 Rupien einzuhändigen. Darauf nahm er
eins von den Dienstpferden, galoppierte ein paar Meilen, ließ dann das
Pferd frei laufen und kam ruhig zu Fuß hierher zurück.

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