2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 20

William Wilberforce der Sklavenfreund 20



Nachdem Wilberforce am 19. März 1823 eine aus der Sekte der Quäker
hervorgegangene Bittschrift um Aufhebung des Sklavenhandels ins
Parlament eingebracht und warm befürwortet hatte, schlug sein
Freund Buxton, der jetzt die gemeinsame Sache im Parlamente führte,
einen Beschluß vor, die Sklaverei überhaupt für unvereinbar mit dem
Christentum, wie auch mit der englischen Verfassung zu erklären, ohne
daß er jedoch die Annahme dieses Beschlusses durchsetzen konnte. Es war
indessen damit der offene Kampf gegen die Sklaverei überhaupt und für
die völlige Aufhebung derselben im Parlamente begonnen.
 
Als im weiteren Verlaufe des Jahres 1823 die Minister, um doch
ihrerseits etwas zu thun und ihren guten Willen zu beweisen, das Los
der Sklaven mildern zu helfen, das Verbot erließen, daß die Aufseher
der Negersklaven in den westindischen Kolonien fortan die gewaltige
Peitsche nicht mehr immer bei sich trügen, von der die Sklavenhalter
behauptet hatten, daß sie nicht sowohl zu grausamen Züchtigungen
gebraucht würde, als vielmehr nur das Zeichen sei, woran die Neger ihre
Aufseher erkannten, war in den Kolonien wieder ein Sklavenaufstand
ausgebrochen. Die Sklaven hatten nämlich von diesem Verbote gehört
und warteten vergeblich darauf, daß es auch beachtet würde; denn die
Regierungen der Kolonien wagten nicht, dasselbe zu veröffentlichen. Die
Sklaven sahen nun natürlich ihre Herren, die Pflanzer als diejenigen
an, welche die wohlmeinenden Absichten des englischen Ministeriums für
sie hintertrieben, hatten auch wohl das Verbot der Peitsche, welche für
sie das große Zeichen der Sklaverei war, irrtümlich so aufgefaßt, als
ob damit die ganze Sklaverei verboten sei, und erhoben sich deshalb
gegen die Pflanzer in einem Aufstande, worin etliche Weiße das Leben
verloren.
 
Wilberforce, befürchtend, daß dadurch die Sklavensache wieder in
Nachteil käme, konnte es sich trotz seiner Körperschwachheit nicht
versagen, als Redner aufzutreten und tadelte das Verbot der Peitsche
als eine unvorsichtige Maßregel, wodurch bei den gänzlich daraus
unvorbereiteten Schwarzen unbegründete und zu weit gehende Hoffnungen
erweckt worden seien, die fast mit Notwendigkeit zu dem Aufstande
hätten führen müssen. Er erklärte alle halbe Maßregeln dieser
Art für nutzlos, ja gefährlich und forderte das Parlament in der
eindringlichsten Weise auf, schleunig und fest vorzugehen.
 
»Ich fürchte«, sagte er, »wenn die Neger an der Hülfe durch das
englische Parlament verzweifeln, so werden sie ihre Sache in die eigene
Hand nehmen und immer wieder aufs neue versuchen, ihre Befreiung auf
gewaltsamem Wege selber herbeizuführen.«
 
Trotzdem, daß er sich durch diese Rede eine heftige Lungenentzündung
zugezogen hatte, trat er doch, kaum genesen, noch einmal im Parlamente
auf, um die Behauptung der Sklavenhalter zu entkräften, daß die
Freilassung der Sklaven, die jetzt gefordert werde, für sie das
unausbleibliche Verderben sein würde, und wiederholte die von ihm
ausgesprochene Befürchtung, die soeben mit seinen eigenen Worten
erwähnt wurde.
 
»Möge es Gott gefallen«, so schloß er, »meine Befürchtungen zu schanden
zu machen und den Ausgang günstiger zu gestalten, als ich befürchte!«
 
Dies waren die letzten Worte, welche er im Parlamente über seine Sache
redete, denn die eben erst überstandene Krankheit machte es ihm zur
unbestreitbaren Gewißheit, daß er jetzt seine öffentliche Wirksamkeit
als Parlamentsredner gänzlich aufgeben müsse. Als ihn auf einer
kleinen Reise zum Besuche eines Freundes ein wiederholter Anfall der
Lungenentzündung heimsuchte, verließ er London und zog sich auf einen
stillen Landsitz zurück, um fortan seine noch übrige Lebenskraft ganz
der Schriftstellerei und seiner Familie zu widmen.
 
Vergebens setzten ihm diejenigen seiner Freunde, welche seine
persönlichen Verhältnisse nicht genug kannten, zu, diesen Schritt
nicht zu thun; vergebens bot man ihm an, ihm zu einem Sitze im
Oberhause zu verhelfen, um nur ihn und seine reiche Erfahrung in den
Dingen des öffentlichen Lebens nicht ganz entbehren zu müssen: wie er
es früher als heilige Pflicht erkannt hatte, seine ganze Kraft an die
übernommene Thätigkeit zu setzen, so erkannte er es jetzt, wo diese
Kraft in sichtlicher Abnahme begriffen war, ebensowohl als heilige
Pflicht, zurückzutreten und jüngeren, rüstigeren Kräften das Feld zu
räumen.
 
»Ich habe schon lange beabsichtigt«, schrieb er in sein Tagebuch am 1.
Februar 1825, »mich zurückzuziehen, sobald die Zeit dieses Parlaments
zu Ende wäre; daher ist nur zu überlegen, ob ich es jetzt thun soll,
oder am Schlusse der nächsten Sitzung. Die Frage ist also, ob eine
beschränkte Teilnahme an dieser Sitzung mir soviel Aussicht zur
Wirksamkeit gibt, um mich zu einem Verbleiben im Parlamente bis zu
dessen Ende zu berechtigen. Der Arzt scheint es nicht für notwendig
zu halten, mir die Teilnahme gänzlich zu untersagen, aber er äußerte
die Furcht, daß ich, wenn eine Krankheit eintreten sollte, nicht Kraft
genug haben würde, sie zu überstehen. Hätte ich nun keine andere Bahn
für meine Thätigkeit, so möchte es, oder vielmehr: würde es unrecht
sein, es nicht auf die Gefahr ankommen zu lassen. Aber erstens hoffe
ich, meine Feder mit Vorteil anwenden zu können, wenn ich mich in das
Privatleben zurückgezogen habe, und zweitens ist mein Leben gerade
jetzt von besonderem Werte für meine Familie. Alle meine Kinder stehen
in solchen Lebensabschnitten und Verhältnissen, welche es dem Anscheine
nach äußerst wünschenswert machen, daß ich ihnen noch erhalten werde.
Man entbehrt mich jetzt nicht sehr im Parlamente; unsere Sache hat
mächtige Verteidiger, welche ihre Stellungen eingenommen haben. Das
Beispiel eines Mannes, welcher sich zurückzieht, wenn er fühlt, daß
seine körperlichen und geistigen Kräfte schwächer werden, kann nützlich
erscheinen. Das Publikum ist so sehr daran gewöhnt, Männer einen lang
fortdauernden Sitz im Parlamente zur Erlangung eines höheren Ranges
benützen zu sehen, daß ein entgegengesetztes Beispiel um so nötiger
ist und von einem Solchen gezeigt werden muß, welcher bekennt, nach
christlichen Grundsätzen zu handeln.«
 
Wie man über die Wirksamkeit dachte, welche Wilberforce im Parlamente
und auf das Parlament geübt hatte, mag folgende Stelle aus einem
Freundesbriefe zeigen:
 
»Mit vielem Bedauern, obgleich, wie ich sagen kann, nicht mit
großer Verwunderung höre ich von Ihrer Absicht, sich vom Parlamente
zurückzuziehen. Es wird ein schmerzlicher Verlust für ihre zahlreichen
Freunde und für den Staat sein, aber es ist wohl ein weiser Entschluß
in Beziehung auf Sie selbst. Es muß Ihnen die Bemerkung sehr zur
Zufriedenheit gereichen, daß der sittliche Ton des Unterhauses sowohl
wie der Nation im allgemeinen viel höher ist, als da Sie zuerst in das
öffentliche Leben eintraten. Es kann kein Zweifel sein, daß Gott Sie zu
dem geehrten Werkzeuge gemacht hat, viel zu dieser großen Verbesserung
beizutragen. Es gibt, hoffe ich, einige viel versprechende junge
Männer, die auftreten werden; aber ach! jetzt keinen, welcher Ihren
Platz einnehmen könnte. Ich wollte es gäbe mehrere Elisas, auf welche
Ihr Mandat fiele (NB. man vergleiche 2. Könige 2, 13--15). Das Gebet
von Tausenden wird Ihnen in das Privatleben folgen, und das meinige
wird fortwährend darauf gerichtet sein, daß Ihr wertvolles Leben bis
zu den spätesten Zeiträumen als ein Segen für Ihre Familie, für die
Kirche Gottes und für die Welt möge erhalten bleiben!«
 
Wilberforce beschloß nun, London ganz zu verlassen und kaufte sich ein
Gut, 10 Meilen nördlich von der Stadt, Highwood Hill genannt, um hier
fortan in aller Stille und Ruhe bis an das Ende seiner Tage zu leben.
Er hatte jedoch auch hier nicht in dem Maße, wie er es gehofft hatte,
völlige Freiheit, über seine Zeit zu verfügen. Dazu gab es zu viele
Freunde, von denen er sich nicht nicht ganz zurückziehen wollte, und
die ihn, auch wenn er dies gewollt hätte, ihrerseits nicht losgelassen
hätten, mit denen also ein fortgesetzter Briefwechsel unterhalten
sein wollte; dazu gab es zu viele Gelegenheiten, mit Rat und That
einzutreten, wo es sich um die Förderung des Reiches Gottes handelte,
denen er sich nicht entziehen konnte und wollte.
 
So suchte er, als man in London eine Schule für höheren Unterricht
der Handwerker, also etwa eine Schule nach Art unserer heutigen
»Fortbildungsschulen«, einrichten wollte, seinen Einfluß dahin geltend
zu machen, daß ja auch der Unterricht in der Religion in den Lehrplan
aufgenommen würde, weil es unverantwortlich sei, daß man die Jugend in
dieser höchsten und wichtigsten Sache ohne Unterricht lassen wolle.
 
Nicht minder bemühte er sich darum, daß an der Universität zu London,
die jetzt neu gegründet werden sollte, ein besonderer Lehrstuhl für
Vorlesungen über die Religion errichtet werde, welche jeder Student
besuchen müsse, zog aber die Unterschrift seines Namens, welche er
unter eine zu diesem Zwecke abgefaßte Bittschrift gesetzt hatte, wieder
zurück, als man den Besuch der fraglichen Vorlesungen in das Belieben
jedes einzelnen Studenten setzen wollte.
 
Begreiflicherweise aber war und blieb seine ganze, volle Teilnahme nach
wie vor der Sklavensache zugewendet. Wenn es sich um diese handelte,
ließ er sich sogar bewegen, in öffentlichen Versammlungen den Vorsitz
zu führen, was er sonst überall ablehnte. Nur wollte er nichts von
»Frauen-Vereinen« zur Unterdrückung der Sklaverei hören, wie man sie
jetzt von verschiedenen Seiten her ins Leben zu rufen suchte. Sein
klares, nüchternes Urteil entschied sich dafür, daß es der Frau zwar
wohl anstehe, wenn sie im stillen für die gute Sache wirke, »aber«,
so sagte er, »wenn Frauen öffentliche Versammlungen veranstalten,
Schriften veröffentlichen, von Haus zu Haus gehen, um Bittschriften
zustande zu bringen, so sind das Beschäftigungen, die mir unpassend
erscheinen für den weiblichen Charakter, wie er uns in der heiligen
Schrift gezeichnet worden ist.«
 
Trotz seiner 68 Jahre und seiner hinfälligen Gesundheit unternahm
Wilberforce im Jahre 1827 eine längere Reise in das nördliche England,
besonders durch die Grafschaft Yorkshire. Er wollte vor seinem Tode
noch einmal die Gegend besuchen, welcher er seine beste Lebenszeit und
-kraft gewidmet hatte und noch einmal den vielen Freunden, die er dort
besaß, die Hand zum Abschiede drücken, auch wohl da und dort noch ein
gutes heilsames Wort anbringen. Aber er fand von vielen seiner dortigen
Freunde nur die Gräber und schrieb deshalb voll Wehmut an seine
langjährige, nun 82 Jahre alte Freundin Hannah More: »Meine Freunde
fallen täglich um mich her, die Begleiter meiner Jugend, damals weit
stärker und weit gesunder als ich, sind fort, während ich noch bleibe.
Was für eine Spanne Zeit uns auch übrig sein mag, möchten wir beide die
noch kommenden Tage zur Vorbereitung auf den letzten verwenden.«
 
Und das that er seinerseits treulich während der Jahre, die er nun
in Ruhe und Gleichförmigkeit auf seinem Highwood Hill verlebte.
Nicht als ob er sich jetzt von allem geselligen Leben vollständig
zurückgezogen und jenem trüben, finsteren Geiste gänzlicher Weltflucht
sich überlassen hätte, den so viele fälschlich für die höchste Blüte
des wahren Christentums ansehen, weil sie selber noch nichts wissen
von wahrem Frieden und wahrer Freude im heiligen Geiste, die es
möglich machen, das Apostelwort zu befolgen: seid allezeit fröhlich.
Nein Wilberforce liebte auch jetzt noch ein heiteres, geselliges
Leben und fand seine Freude daran, wußte aber freilich die geselligen
Unterhaltungen auch so zu führen, daß sie für das innere Leben
jedes Teilnehmers daran förderlich werden mußten, indem er aus den
Erfahrungen seines reichen Lebens wie ein guter Haushalter altes und
neues hervorbrachte. Übrigens war seine Zeiteinteilung eine durchaus
geregelte und seine ganze Lebensweise eine durchaus einfache, seinen
Jahren angemessene.
 
Bald nach 7 Uhr morgens pflegte er im Sommer wie im Winter aufzustehen,
und dann über eine Stunde auf seinem Zimmer mit Selbstbetrachtung,
Gebet und Lesen des göttlichen Wortes zuzubringen. Während er sich für
den Tag ankleidete, ließ er sich vorlesen, um ja keine Zeit für den
Geist unbenutzt zu lassen. Um halb 10 Uhr traf er mit den seinigen
zur Familienandacht zusammen. Diese selber abzuhalten, ließ er sich
nicht nehmen, auch wenn seine Gesundheit nicht die beste war. Er las
dann einen Abschnitt aus der heiligen Schrift vor, gewöhnlich aus dem
Neuen Testamente, erklärte ihn mit heiligem Ernste und mit Worten, die
vom heiligen Geiste gelehrt waren, und schärfte ihn mit wunderbarer
Beredtsamkeit ein.
 
Nach dieser Andacht, die etwa eine halbe Stunde dauerte, ging er,
wenn es das Wetter irgendwie erlaubte, in den Garten, um sich an den
Schönheiten der Natur zu erfreuen und sich die dafür so empfängliche
Seele noch mehr zum Preise des Schöpfers stimmen zu lassen. Das
Frühstück pflegte er auch jetzt spät einzunehmen, wie er sich
schon längst gewöhnt hatte, um eine möglichst lange, ungestörte
Arbeitszeit vor demselben zu haben. Aber desto länger verweilte er
dann am Frühstückstische und ließ hier seine reiche, köstliche Gabe
der Unterhaltung oft so in Fluß kommen, daß es 12 Uhr wurde, ehe er
aufstand, besonders wenn er Besuch von lieben Freunden hatte, mit
welchen er sich innerlich eins wußte und über die höchsten Lebensfragen
frei und offen besprechen konnte.

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