2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 19

William Wilberforce der Sklavenfreund 19


In seinem häuslichen Leben erlitt jetzt Wilberforce einen empfindlichen
Verlust durch den Tod seiner ältesten Tochter Barbara. Dieselbe
war schon im Jahre vorher kurz nach der Verheiratung des ältesten
Bruders und um eben die Zeit, da Isaak Milner starb, schwer erkrankt
gewesen, hatte sich aber unter der sorgfältigen, zärtlichen Pflege,
welche ihr Vater und Mutter bei Tag und Nacht selbst gewidmet
hatten, wieder soweit erholt, daß man sie dem Leben gewonnen glauben
durfte. Doch jetzt im Jahre 1821 trat ein Rückfall ein, welchem
ihre geschwächten Kräfte nicht gewachsen waren. Der Tod knickte die
liebliche Menschenblume, die sich im Lichte des wahren Christentums zu
herrlicher Blüte entfaltet hatte.
 
»Ich werde nie«, so schrieb Wilberforce an einen Freund, »die
Zärtlichkeit, den Glauben, die Liebe und die Andacht vergessen, mit
welcher sie, nachdem sich auf ihren Wunsch alle Übrigen entfernt
hatten, ihr letztes hörbares Gebet für sich und für uns sprach.
Gehalten durch eine demütige Hoffnung auf die Gnade Gottes in ihrem
Erlöser und Fürsprecher, war sie fähig, ihre Leiden mit Geduld und
Ergebung zu tragen und eine Fassung zu bewahren, über welche sie sich
selber wunderte. An dem Todestage selbst bat sie, man möge ihren Arzt
fragen, ob noch Hoffnung auf Besserung sei, »aber wenn nicht«, fügte
sie hinzu, »so ist alles gut«. -- Sie starb wie jemand, der einschläft,
kaum ein Laut, nicht der geringste Kampf. Ich bin in der Dankbarkeit
gegen den Geber alles Guten fast verpflichtet, meine Freunde
aufzufordern, daß sie sich mit mir als über ein Zeugnis der göttlichen
Gnade freuen. Das Bewußtsein, daß es unserm Kinde wohl ist, ist für uns
ein Stärkungsmittel von unschätzbarer Wirksamkeit.«
 
Die Gedanken und Gefühle, welche Wilberforce am Begräbnistage des
geliebten Kindes seinem Tagebuche anvertraute, sind zu bezeichnend für
sein inneres Leben, zu bezeichnend besonders für die innige Dankbarkeit
gegen Gott, welche sein Herz erfüllte, als daß wir uns enthalten
könnten, sie wenigstens teilweise hier mitzuteilen. Es war ein
ungewöhnlich kalter Wintertag, an welchem das Begräbnis stattfand, und
Wilberforce mußte sich, so schwer es ihm auch wurde, in Rücksicht auf
seine schwache Gesundheit enthalten, den Sarg zum Grabe zu geleiten.
Aber klagte und weinte er nur daheim? Nein, im Gegenteile.
 
»Ich sah den Sarg«, schreibt er. »Wie eitel der Zierrat, wenn man
daran denkt, in welchem Zustand der Erniedrigung sich der Körper
befindet, der im Sarge liegt! Bald nachdem der Leichenwagen und unsere
lieben Freunde fort waren, bin ich in mein kleines Zimmer gegangen, und
hier beschäftige ich mich nun mit Schreiben und mit Gebet, indem ich
Gott für seine wunderbare Güte gegen mich preise und meine äußerste
Unwürdigkeit beklage. Denn wahrlich, blicke ich auf mein vergangenes
Leben zurück und übersehe es; vergleiche ich besonders die zahlreichen,
fast unzähligen Beweise von Gottes Freundlichkeit gegen mich damit, wie
ich sie vergolten habe: so bin ich überwältigt und kann mit Wahrheit
dem Zöllner nachsprechen: »Gott sei mir Sünder gnädig!« -- Es ist eine
besondere Güte gegen mich, und die fast einzigartigen Vorzüge, die ich
genossen habe, was mich so mit Demütigung und Scham erfüllt. Meine
Tage erscheinen wenig, wenn ich zurückschaue, aber sie sind eher alles
andere gewesen, als böse. Ich bin in allerlei Weise gesegnet worden,
und zwar auf bleibende Weise, besonders dadurch, daß ich ein heiteres
Gemüt und so reichliche Glücksgüter empfing. -- Ich bin so frühe für
Hull ins Parlament gekommen, dann für Yorkshire sechsmal erwählt worden
und hörte nur auf, für diese Grafschaft Parlamentsglied zu sein, weil
ich selbst diese Stellung aufgab. Ich bin zum Werkzeuge erwählt worden,
die Abschaffung des Sklavenhandels vorzubringen; ich habe mächtig
der Sache des Christentums in Indien helfen können; ich bin nie in
üblen Ruf gebracht, sondern immer bei allen öffentlichen Geschäften
unterstützt worden. Ich entging der Lebensgefahr durch eine plötzliche
Beihülfe der Vorsehung. Man hat mich nie beschimpft, weil ich mich
weigerte, mich zu duellieren. -- Ich habe mich so spät, 37 Jahre alt,
verheiratet und doch eine der liebevollsten Frauen gefunden. Ich habe
6 Kinder gehabt, welche alle auf das äußerste an mir hangen. Obgleich
uns unsere teure Barbara entrissen ist, so haben doch im ganzen wenige
Menschen solchen Grund zur Dankbarkeit wegen der Kinder, die immer
lauter Liebe gegen mich waren. -- Kein Mensch hat wohl je so viele
liebe Freunde gehabt; sie überwältigen mich ganz mit ihrer Güte und
zeigen, daß es weise war, Freundschaften mit Männern meines Ranges zu
pflegen, vor allem religiöse Menschen zu Freunden zu wählen. Die Großen
und Edlen behandeln mich jetzt alle mit Achtung, weil sie sehen, daß
ich unabhängig von ihnen bin, und einige, glaube ich, fühlen eine wahre
Anhänglichkeit an mich. -- Ferner habe ich Gaben genug, um mir Ansehen
zu erwerben, wie durch die natürliche Gabe, öffentlich zu reden, obwohl
mich mein Augenübel leider beim Studieren wie beim Schreiben hindert.
-- Ferner bin ich zu einem Werkzeuge gemacht worden, viel geistliches
Gute durch mein Werk über das Christentum zu stiften. Wie viele haben
mir mitgeteilt, es sei für sie das Mittel gewesen, daß sie sich Gott
zugewendet haben!«
 
Aber wie weit entfernt ist Wilberforce von Stolz und Selbstüberhebung
bei dieser Aufzählung der ihm verliehenen Gaben und der von ihm
geübten Wirksamkeit! Wie sieht er vielmehr alles als Gnadengaben und
Gnadenwirkungen von oben herab an und gibt in tiefster Demut dem Herrn
allein die Ehre dafür!
 
»Und das alles,« so bekennt er, »dauert nun schon so lange, obgleich
ich Gott so viele Ursache gegeben habe, es mir zu nehmen! Diese zu
nennen, gehört nicht hierher, aber mein Herz weiß und fühlt sie und
wird sie hoffentlich immer fühlen. Es ist aber eine große Gnade, daß
Gott mich befähigt hat, einen reinen gleichmäßigen äußeren Wandel zu
führen, sodaß ich meinem christlichen Bekenntnisse niemals Schande
gemacht habe. Lobe den Herrn, meine Seele! Und nun, Herr, will ich mich
noch feierlicher und entschlossener Dir weihen, und wünsche, noch mehr,
als ich es je gethan habe, meine Fähigkeiten zu Deiner Ehre und in
Deinem Dienste anzuwenden.«
 
Gewiß eine eigentümliche Totenfeier am Begräbnistage eines lieben
Kindes! Aber wer könnte zweifeln, daß es dadurch dem tiefbetrübten
Vater möglich wurde, seinen großen menschlichen Schmerz unter die Füße
zu treten und sich zu dem Worte Hiobs aufzuschwingen: »Der Herr hat's
gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt!?«
 
 
 
 
IX.
 
 
Wie an dieser Tochter, so durfte Wilberforce aber auch an seinen
übrigen Kindern hohe, heilige Vaterfreude erleben und die
gottgesegneten Früchte einer Erziehung einernten, die von der größten
Weisheit und Liebe geleitet war und besonders bei den höchsten,
heiligsten Herzensangelegenheiten stets aus die größte Aufrichtigkeit
und Wahrhaftigkeit drang.
 
Er wollte nicht, daß seine Söhne in seine eigenen Fußstapfen treten
und sich auch zu Männern des Parlaments heranbilden sollten. Er kannte
dazu die Versuchlichkeit der öffentlichen Thätigkeit und die Gefahren,
welche dieselben für das innere Leben hat, viel zu gut aus eigener
Erfahrung. Vielmehr war es sein inniger Wunsch, daß sich seine Söhne,
soweit sie sich dazu eigneten, dem Dienste der Kirche widmeten, und er
durfte auch die große Freude erleben, daß sie diesen heiligen Beruf
mit innerer Zustimmung und voller Herzensfreudigkeit ergriffen.
 
Wie sehr er darauf bedacht war, daß ihnen die rechte innere Weihe für
diesen Beruf zu teil werde, daß sie vor allem rechte Männer des Gebets
würden, wie er selbst zu seinem eigenen täglich verspürten Segen durch
Gottes Gnade einer geworden war, mag folgende Stelle aus einem Briefe
an einen seiner Söhne zeigen, der in Cambridge seinen Studien oblag:
 
»O mein teuerster Sohn,« schreibt er, »was gäbe ich darum, Dich als
ein Licht in der Welt zu sehen! Der Gedanke daran lockt mir Thränen in
die Augen und macht mich fast unfähig, fortzuschreiben. Mein teuerster
Sohn, stecke dein Ziel hoch, strebe danach, ein Christ zu werden im
vollsten Sinne des Wortes! Wie wenig weißt Du, zu welchem Dienste Dich
Gott berufen kann! Die Jünglinge unserer Tage sind nicht in Gefahr, dem
Feuer und Schwerte ausgesetzt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu
werden; aber die Folge dieser Sicherheit ist, daß sie sich auch nicht
auf die mildere Form der Verfolgung vorbereiten, welche zu erdulden sie
vielleicht berufen werden. Aber alles ist möglich durch's Gebet, möchte
ich sagen, und warum auch nicht? Denn daß es allmächtig ist, liegt in
der gnädigen Ordnung Gottes, des Gottes voll Liebe und Treue. O darum
bete, bete, bete, mein teuerster Sohn. Aber bedenke auch wohl, daß Du
Deinen inneren Zustand nicht nach Deinem Gebete beurteilen darfst,
sondern nach dessen Wirkung auf Deinen Charakter, Dein Gemüt und Deinen
Wandel!«
 
Gott schenkte Wilberforce das große Glück und die hohe Freude, daß
sein zweiter und dritter Sohn sich zu ernsten, tüchtigen Geistlichen
entwickelten und es wurde ihm vergönnt, sie beide noch vor seinem
Tode in Amt und Würden zu sehen und mit eigenen Augen wahrzunehmen,
daß sie ihr heiliges Amt ganz in dem Geiste führten, wie er es für
nötig hielt, und mit der Treue und Gewissenhaftigkeit, für die sie in
ihrem Vater das beste, leuchtendste Vorbild hatten. Der eine von ihnen
wurde Vikar in East Forleigh in der Grafschaft Kent, der andere Rektor
in Brighstone auf der Insel Wight. Für diejenigen Leser, welche mit
den kirchlichen Verhältnissen in England weniger vertraut sind, sei
dazu bemerkt, daß das Amt eines Vikars ebenso wie das eines Rektors
ziemlich gleichbedeutend mit dem Amte unserer Pfarrer ist, nur mit dem
Unterschiede, daß der Rektor seine eigene Gemeinde hat, während der
Vikar eine der vielen Pfarreien, die den hohen englischen Geistlichen
übertragen zu werden pflegen, verwaltet, jedoch ebenfalls ganz
selbstständig.
 
Seinen ältesten Sohn mußte Wilberforce sich der Landwirtschaft widmen
lassen; denn seine schwächliche Gesundheit, besonders eine schwache
Brust machten ihn für das Pfarramt untüchtig. Dagegen trat der jüngste
wieder in die Fußstapfen seiner beiden vor ihm stehenden Brüder, und
auch ihn durfte Wilberforce, ehedenn er starb, auf dem besten Wege
sehen, ein treuer Diener der Kirche zu werden.
 
Je mehr Wilberforce die Schwächen des Alters bei sich eintreten sah
-- und sie traten bei seinem schwächlichen Körper ungewöhnlich frühe
ein -- desto mehr enthielt er sich längerer Reden im Parlamente, die
er vielmehr seinen jüngeren Freunden überließ. Allein um so kräftiger
und auf noch weitere Kreise wirkte er dafür durch Schriften, welche er
verfaßte.
 
So gab er im Februar 1823 wieder eine Schrift über die Sklavensache
heraus, worin er, gestützt auf die reichen Erfahrungen eines fast
35jährigen Kampfes in dieser Sache, die grausame Behandlungsweise
beleuchtete, welche die Neger noch immer in der Sklaverei zu erdulden
hatten, aber auch zugleich schlagend nachwies, wie nötig es sei,
für den religiösen Unterricht der Sklaven zu sorgen, ihnen zu einem
gesicherten Familienleben zu verhelfen und so ihrer Freilassung
vorzuarbeiten, die ja doch einmal kommen werde und müsse.
 
Der Erzbischof von Dublin war von dieser Schrift so begeistert, daß er
ausdrücklich Wilberforce seinen Dank bezeugte und ihm sagte: »Dieser
Zusatz zu den edlen Anstrengungen, welche Sie mit solcher Ausdauer für
jenen so grausam behandelten Teil der gemeinsamen Kinder des Einen
großen Vaters gemacht haben, wird von dem Segen begleitet sein, der
solchen Arbeiten christlicher Liebe niemals ausbleibt.«
 
Ja ein westindischer Sklavenhalter fühlte sich beim Durchlesen der
Schrift so ergriffen von ihrem Inhalte, daß er erklärte, wenn es auch
sein ganzes Vermögen kosten sollte, dieses willig hingeben zu wollen,
damit seine armen Neger nicht allein zur Freiheit der Europäer, sondern
auch zur Freiheit der Christen gebracht würden.

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