2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 12

William Wilberforce der Sklavenfreund 12


Aber mußten nicht die stillen gesegneten Sonntage hier auf dem Lande
ihm ein unwiderstehlicher Antrieb werden, in der Nähe und in der Ferne,
durch Wort und Schrift darauf hinzuwirken, daß solch eine gesegnete
Sonntagsfeier allenthalben möglich werde und auch allenthalben zu
stande käme?
 
Im Januar 1800 kehrte Wilberforce neu gestärkt nach London zurück
und trat sofort wieder mit frischer Kraft in die parlamentarische
Thätigkeit ein. Es handelte sich jetzt in der That um den Frieden
mit Frankreich, über welchen von seiten Napoleons Unterhandlungen
eingeleitet worden waren. Allein die von demselben vorgeschlagenen
Friedensbedingungen waren der Art, daß selbst der friedliebende
Wilberforce dazu raten mußte, sie zu verwerfen, und das Ministerium,
welches gleicher Ansicht mit ihm war, kräftig unterstützte. »Wer heute
meine Rede hörte,« sagte er selbst, »mußte mich für einen größeren
Freund des Krieges halten, als ich es in Wahrheit bin.«
 
Ein sehr erfreuliches Ereignis war es für Wilberforce, daß sein Freund
Stephen, sein treuer Gefährte im Kampfe gegen den Sklavenhandel, dessen
Scheußlichkeiten er bei einem langen Aufenthalte in Westindien durch
eigenen Augenschein kennen gelernt hatte, seiner verwittweten Schwester
die Hand reichte und dadurch eine noch nähere Verbindung mit ihm
schloß, als sie bisher schon durch ihre Kampfgenossenschaft bestanden
hatte.
 
Aber bald fiel auch wieder ein düsterer Schatten in sein Leben, der
um ein Haar zu einer völligen Trübsalsfinsternis geworden wäre. Denn
bald nach der Rückkehr aus dem Seebade Bognor, wo er sich eine Zeit
lang nach dem Parlamentsschlusse mit seiner Familie aufgehalten hatte,
verfiel seine geliebte Gattin in eine schwere Krankheit, welche das
Schlimmste befürchten ließ. Wie es dabei in seinem Inneren aussah, mag
ein Brief beweisen, den er am 27. September an Hannah More schrieb.
 
»Mein teure Freundin,« heißt es darin, »Sie sollen nicht
durch eine andere Feder erfahren, daß es Gott gefallen, meine
teuerste Frau mit einem gefährlichen Fieber heimzusuchen. Man
sagt mir, daß der endliche Ausgang der Krankheit wahrscheinlich
nicht bald entschieden sein werde, daß ich aber nach der
Heftigkeit des Beginnens Ursache habe, alles zu fürchten, wenn
auch nicht jede Hoffnung aufzugeben. Aber ach, meine teuere
Freundin, was für ein unaussprechlicher Segen ist es für mich,
daß ich in Demut hoffen kann, der Tod werde für meine arme
Gattin die Versetzung sein aus einer Welt der Sünde und der
Sorge in das Land vollkommener Heiligkeit und nie endender
Seligkeit! Wie tröstend ist der Gedanke, daß ihre Leiden ihr
nicht allein zugeteilt, sondern auch zugemessen sind durch ein
Wesen voll unendlicher Weisheit und Güte, welches sie liebt,
wie ich hoffe, mehr als ein teures Kind von einem irdischen
Vater geliebt ist! Ich weiß, Sie alle werden für mich fühlen,
für mich und meine arme Leidende beten. Ich bin noch nicht
genug an das Krankenbett gewöhnt; es ist äußerst angreifend
für mich, ihre Heftigkeit und wirre Unruhe zu bemerken,
ja bisweilen ihr Phantasieren zu hören, während damit ihr
gewöhnlicher freundlicher Blick und ihre sanfte Ruhe verbunden
ist. Möchten wir alle bereit sein und endlich alle in der
Herrlichkeit zusammentreffen, jetzt aber wachen und beten und
nüchtern sein und danach trachten, einzugehen; dann werden wir
gewiß einst nicht ausgeschlossen werden. Ich pflege auch sonst
solche Worte zu reden wie diese, und, wie ich hoffe, aus dem
Herzen. Aber wieviel kräftiger prägen sie sich dem Geiste ein
bei dem Anblick des Todes, wie ich ihn habe! Gott segne Sie
alle! Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns Allen!
Für immer Ihr W. Wilberforce.«
 
Und weiter schreibt er in dieser Zeit: »Welch unaussprechliche
Tröstung und Erleichterung ist es, in solch einem Augenblick die volle
Zuversicht zu hegen, daß meine teuerste Gattin ihren Frieden mit Gott
gemacht hat und für die furchtbare Vorladung nicht unvorbereitet ist!
Ich danke Gott, daß ich im stande bin, mich seiner Züchtigung (welche
leider nur zu sehr verdient ist) ohne Murren zu unterwerfen, und,
wie ich demütig hoffe, mit Ergebung, ich möchte sagen: mit frohem,
dankbarem Sinne gegen seinen heiligen Willen. Er weiß am besten, was
uns gut ist, und wenn unsere Leiden hier, indem sie uns aus der
Trägheit erwecken und uns näher zum Himmel drängen, in irgend einem
Grade dazu dienen, das Glück der Ewigkeit zu erhöhen, so mögen wir wohl
in der triumphierenden Sprache des Apostels ausrufen: »Unsere Trübsal,
die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige über alle Maßen
wichtige Herrlichkeit!« -- Mein teures Weib hat stets phantasiert, seit
wir wußten, daß ihre Krankheit gefährlich sei. Wie wenig hätten wir für
ihren Seelenzustand thun können, wenn er früher vernachlässigt worden
wäre und wir nun erst gewünscht hätten, sie zum Tode vorzubereiten!
Welch praktische Lehre für uns alle!«
 
Welch tiefen Blick eröffnen uns diese Worte, die doch gewiß der
unmittelbarste Erguß der Gedanken und Gefühle waren, in ein Herz voll
des lautersten, aufrichtigsten Christentums, in ein Herz, das gelernt
hatte, sich ganz im Glauben dem Herrn anzuvertrauen, in ein Herz, das
für den Menschen nichts Höheres kannte, als den Gewinn des ewigen
Lebens!
 
Die züchtigende Hand des Herrn ließ es indessen bei Wilberforce nicht
zum Äußersten kommen. Sein Flehen wurde erhört, die Krankheit wendete
sich zum Besseren. Am 20. Oktober konnte er frohlockend und dankend
melden, daß ihm sein geliebtes Weib erhalten sei und allmählich die
Gesundheit und frühere Kraft wiedererlange. Wenn er sich aber dabei
gleichsam in demselben Atem selbst anklagt, daß die ernsten Gefühle in
den Augenblicken des Leidens hernach, wenn dasselbe durch Gottes Gnade
vorüber sei, so bald wieder sich abschwächten und dahinschwänden, so
beweist dies, wie sehr er gewohnt war, auch auf die leisesten Regungen
seines Herzens zu achten und wie ihm äußere Erlebnisse in Freude und
Leid niemals den heilsamen Blick in das eigene Herz trüben konnten.
 
Die Hoffnung, welche Wilberforce gehegt hatte, daß er, wenn der Friede
mit Frankreich, nach welchem jetzt ganz England seufzte, geschlossen
werden würde, es werde durchsetzen können, daß die Abschaffung des
Sklavenhandels unter die Friedensbedingungen aufgenommen würde, erwies
sich als eine trügerische. Wiewohl sich Pitt mit ihm vereinigte, schlug
dieser Plan fehl. Da wegen der wichtigen Arbeiten, die dem Parlamente
vorlagen, auch ein neuer Antrag wegen des Sklavenhandels keine Aussicht
hatte, nur zur Beratung zu kommen, mußte sich Wilberforce darauf
beschränken, durch seinen Schwager Stephen kleinere Flugschriften gegen
den Sklavenhandel abfassen zu lassen, die dann in Massen unter das Volk
geworfen wurden, um bei diesem das Interesse für die Sklavensache,
welches unter den kriegerischen Unruhen und dem Drucke einer großen
Teuerung fast erloschen sein mußte, wieder neu zu beleben.
 
Am 25. April 1802 war denn endlich zu Amiens der Friede mit Frankreich
zu stande gekommen, und da Wilberforce wieder aufs neue als Vertreter
für die Grafschaft York ins Parlament gewählt worden war, sprach er
sich voll heiligen Eifers dafür aus, es sei nötig, die goldene Zeit
des Friedens dazu zu verwenden, daß der sittliche Zustand des Landes
gebessert werde, daß die Kinder der geringeren Stände in tugendhafter
Sitte und zur Anhänglichkeit an die bürgerlichen und religiösen
Einrichtungen des Landes erzogen würden, daß für die niedrigen Klassen
der Steuerdruck ermäßigt und an Stelle der aufrührerischen Ansichten
und Neigungen ein rechter Gemeingeist bei dem Volke geweckt und
gepflegt würde.
 
Man erklärte freilich solche Reden im Parlamente kurzweg für baren
Unsinn, aber Wilberforce ließ sich durch solche beleidigende Urteile
den Mund nicht zubinden und kam immer wieder von neuem in seinen Reden
auf diese Forderungen zurück.
 
Leider schien der Friede, den Wilberforce in solch heilsamer Weise
benutzt haben wollte, nicht von langer Dauer sein zu sollen.
Gegenseitige Beschwerden über Nichterfüllung der Bedingungen des
Friedens von Amiens flogen über den Kanal hinüber, und es wurde bald
klar, daß es zu einem Bruche mit dem französischen Gewalthaber, mit
Napoleon kommen müsse, der auch England gerne unter sein Scepter
gebeugt gesehen hätte.
 
Bei dieser unsicheren Lage der äußeren Verhältnisse, welche die ganze
Aufmerksamkeit und Sorge des Parlaments in Anspruch nahmen, hielt es
Wilberforce für völlig aussichtslos, und nur dazu geeignet, den Unmut
der Volksvertreter zu erregen, wenn er auch jetzt wieder seine alten
Anträge erneuert hätte.
 
Um aber nicht ganz unthätig in seiner großen Sache zu bleiben,
entschloß er sich, wie es sein Schwager Stephen schon früher gethan
hatte, eine Flugschrift zu schreiben, worin der ganze bisherige
Gang der Verhandlungen über die Sklavensache klar und übersichtlich
dargelegt wäre. Hatte doch seit dem Jahre 1792 eine sorgfältige und
gründliche Verhandlung über diese Sache kaum mehr stattgefunden,
und da fast die Hälfte der Volksvertreter, die damals im Parlamente
gesessen hatten, durch neue ersetzt waren, so gab es unter diesen gewiß
viele, denen jede nähere Bekanntschaft mit den bereits gepflogenen
Verhandlungen und besonders mit den für die Schändlichkeit des
Sklavenhandels beigebrachten Beweisen und Zeugnissen mangelte.
 
Wilberforce begab sich nun sogleich an diese Schrift und arbeitete
den ganzen Januar 1803 so angestrengt und anhaltend, daß er sich eine
Krankheit zuzog, die ihn längere Zeit an das Lager fesselte.
 
Kaum genesen beteiligte er sich mit feurigem Eifer im April 1803 an der
Gründung der englischen Bibelgesellschaft, die noch heute in reichem
Segen wirkt und schon viele Millionen Bibeln in hunderten von Sprachen
nach allen Weltenden verbreitet hat.
 
Nichts desto weniger ließ er über solchen Friedensarbeiten die äußere
Lage des Vaterlandes nicht aus den Augen und half mit aller Macht
darauf dringen, daß das Land in den gehörigen Verteidigungszustand
gesetzt werde. Denn, wenn der Krieg mit Frankreich wirklich wieder
ausbrach, so lag die Befürchtung nahe, Napoleon würde wenigstens
den Versuch machen, mit einem Heere in England zu landen. Indessen,
so lange der Krieg nicht wirklich erklärt sei, riet Wilberforce zum
Frieden, wenn auch für denselben Opfer sollten gebracht werden müssen.
Er glaubte fürchten zu müssen, daß Gott in einem neuen, leichtsinnig
begonnenen Kriege seine Zornesgerichte über England werde kommen lassen.
 
Als aber am 15. Mai 1803 der englische Gesandte Paris verlassen
hatte und ihm am 18. die Kriegserklärung Napoleons auf dem Fuße
folgte, forderte Wilberforce zu festen, kräftigen Schritten auf und
sprach dafür trotz seines kränklichen Zustandes mit aller Wärme und
Entschiedenheit, welche ihm die Vaterlandsliebe eingab.

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