2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 11

William Wilberforce der Sklavenfreund 11


Ja, als sich ihm in London die Überzeugung aufdrängte, daß sich
die Verhältnisse des Landes in einem noch viel schlimmeren und
gefährlicheren Zustande befänden, als er bei seiner Abreise befürchtet
hatte, in einem Zustande, der für ihn selber Gefahren herbeiführen
konnte, wenn er sich wieder voll und ganz an dem öffentlichen Leben
beteiligte, entschloß er sich sogar dazu, wenn auch erst nach schwerem
innerem Kampfe, seine Braut ihres Wortes zu entbinden, um sie nicht
in die ihm drohenden Gefahren und Schicksale mit hineinzuziehen.
Indessen nahm er schon nach zwei Tagen diesen ihm durch die erste
augenblickliche Bestürzung eingegebenen Vorschlag wieder zurück im
festen Vertrauen auf die Güte und Fürsorge Gottes, die ihn bisher in
gefährlichen Lagen stets so treu und gnädig bewahrt habe und auch
fernerhin bewahren werde.
 
Die ernsten Zeitumstände, welche zu Zornesgerichten Gottes über das
Land zu werden drohten, gaben Wilberforce den Mut, am 15. Mai wiederum
die Sklavensache im Parlamente vorzubringen, weil er hoffen durfte,
die ernste Hinweisung auf die drohenden Gottesgerichte würde auch die
verstocktesten Gegner herumbringen, daß sie nicht länger gegen etwas
widerstrebten, was diese Gerichte geradezu herausfordere. Aber er
erntete nur Spott und Hohn wegen seiner unaufhörlichen Belästigungen
des Parlaments, und mußte den Schmerz erleben, daß man sich mit 82
gegen 74 Stimmen für die Beibehaltung des Sklavenhandels entschied,
also nicht einmal die früheren Beschlüsse beachtete, worin doch die
Abschaffung dieses Handels als etwas, das kommen werde und müsse,
hingestellt worden war.
 
Schmerzlich bewegt kehrte er, als seine Anwesenheit in London nicht
mehr so dringend nötig erschien, nach Bath zurück und feierte erst am
30. Mai in aller Stille seine Hochzeit. Nach einem kurzen Besuche bei
seiner Freundin Hannah More, welcher er seine erwählte Lebensgefährtin
glaubte vorstellen zu müssen, weil sie an seinem Wohl und Wehe so
warmen Anteil nahm, kehrte er dann wieder nach London zurück, um
den Sitzungen des Parlamentes bis zu ihrem Schlusse beizuwohnen,
und es wo möglich durchzusetzen, daß bei den in Aussicht stehenden
Friedensverhandlungen mit Frankreich für die Abschaffung des
Sklavenhandels etwas gewonnen würde.
 
Er nahm jedoch seine Frau mit sich und mietete für sie ein Landgut in
der Nähe von London, wo er dann, nachdem die Tagesarbeit im Parlamente
gethan war, im Glücke und Frieden des eigenen Hauses sich erholen
konnte. Was ihm diesen Aufenthalt besonders lieb machte, war das, daß
er ganz nahe bei dem Landsitze seines Freundes Eliot lag, des Schwagers
von Minister Pitt, mit dem er schon seit Jahren auf das Engste
verbunden war.
 
Welch köstliche Tage er hier im Genusse der innigsten Freundschaft und
des jungen, ehelichen Glückes verleben durfte, beweisen eine Reihe von
Briefen, die er an auswärtige Freunde schrieb, und worin er die Gnade
Gottes pries, die ihm alles gegeben habe, was der Mensch auf Erden
zum Glücke bedürfe. Allein es sollte auch bei ihm so gehen, wie es ja
der Herr bei den Seinigen so oft fügt, daß auf die Tage des sonnigen
Glückes bald wieder trübe und dunkele Schmerzenstage folgen, und das
prophetische Wort, womit einer seiner Freunde ihm geantwortet hatte:
»ich fürchte, daß es kaum zur menschlichen Natur stimmt, lange so
glücklich zu sein,« sollte nur zu schnell Wahrheit werden.
 
Denn nicht allein, daß der von ihm hochgeschätzte Gatte seiner
Schwester, der Prediger Clarke in Hull plötzlich und unerwartet vom
Tode weggerafft wurde; auch sein innig geliebter Freund Eliot mußte
denselben Weg gehen. Und wenn es für Wilberforce ein großer Trost
gewesen war, daß seine alte Mutter und seine verwittwete Schwester an
dem Nachfolger Clarkes, dem Bruder seines langjährigen Freundes Milner
eine kräftige Stütze gefunden hatten, so wurde ihm auch dieser Trost
bald wieder geraubt, da Joseph Milner schon nach ganz kurzer Zeit starb.
 
Diese drei rasch aufeinander folgenden Todesfälle beugten Wilberforce
tief nieder. Aber er verstand es auch, dieselben sich zum innerlichen
Segen werden zu lassen. Wie eindringlich schrieb er in sein Tagebuch,
»lehren auch diese Ereignisse, daß die uns zugemessene Zeit kurz ist! O
möchte ich lernen und weise sein!«
 
Und siehe, kaum hatte er diese Verluste einigermaßen überwunden, da
traf ihn ein neuer Schlag, der sein gefühlvolles Herz tief verwundete.
Nach kurzer Krankheit starb nämlich in Hull auch seine eigene Mutter,
die ihm von Jahr zu Jahr lieber geworden war, je mehr sie sich, durch
das Vorbild des frommen Sohnes angeregt, dem wahren Christentum
zugewandt hatte und je mehr dadurch der innere Einklang zwischen Mutter
und Sohn gewachsen war, der früher gefehlt hatte. Welch ein Trost
war es für Wilberforce, sich an ihrem Sarge der festen Zuversicht
überlassen zu können, daß ihr Ende ein seliges gewesen sei!
 
Von ihrem Begräbnisse zurückgekehrt, durfte er es aber auch erfahren,
daß Gottes Liebe in die Schmerzenstage des Lebens immer auch
Freudenstunden einflicht, die das gebeugte Herz stärken und aufrichten
sollen. Seine Gattin schenkte ihm nämlich jetzt im Sommer 1798 den
ersten Sohn. Wie freudig jubelte er dafür in seinem Tagebuche Gott
dem Herrn seinen Dank aus und wie inbrünstig betete er um Kraft und
Beistand von oben, daß es ihm gelingen möge, das Kind zu einem rechten
Christenmenschen zu erziehen!
 
Mit der Sklavensache gab es auch in der Parlamentssitzung von 1798
keinen Fortgang. Wilberforce brachte zwar seinen Antrag auf Verbot
des Sklavenhandels getreulich wieder ein trotz des ärgerlichen
Kopfschüttelns vieler Parlamentsmitglieder, die dieses ewig
wiederkehrenden Antrags überdrüssig waren; aber wiederum fiel derselbe
durch, wenn er auch nur mit der kleinen Mehrheit von 4 Stimmen
abgelehnt wurde. Zwar gelang es den Gegnern nicht, irgend etwas
vorzubringen, was die Beweise entkräften konnte, die Wilberforce
für die beim Sklavenhandel vorkommenden entsetzlichen Grausamkeiten
beibrachte, aber sie warfen ein und fanden für diesen Einwurf viele
gläubige Abnehmer, daß der Sklavenhandel, wenn er gesetzlich verboten
würde, dennoch nicht ganz aufhören, sondern in ungesetzlicher Weise
fortgetrieben werden würde, und daß dann voraussichtlich unter dem
Schleier des Geheimnisses noch viel größere Grausamkeiten vorkommen
würden.
 
Wollte es mit der Sklavensache noch immer keinen Fortgang gewinnen, so
suchte Wilberforce dem Drange seiner thätigen Menschenliebe in allerlei
anderer Weise zu genügen und suchte überall die Not auf, um sie nach
Kräften zu lindern. Wir wissen, daß er im Jahre 1789 über 2000 Pfund
Sterling, also über 40,000 Mark zu wohlthätigen Zwecken verwandte, eine
Summe, bei welcher er gewiß nicht ängstlich berechnet hatte, ob sie
nicht seine Vermögensverhältnisse überstiege. Dabei gab Wilberforce
nie blindlings sein Geld weg, sondern prüfte immer erst sorgfältig,
ob seine Unterstützungen auch nicht an Unwürdige weggeworfen seien.
Es war also seine Wohlthätigkeit etwas mehr, als das blos äußerliche
Sichloskaufen von einer Verpflichtung, die er sich durch seinen
Reichtum auferlegt fühlte, sie war ein wirkliches Üben brüderlicher
Liebe mit der Vorsicht und Weisheit, ohne welche die Wohlthätigkeit
zur nutzlosen Verschwendung werden kann, ja zu einem verderblichen
Förderungsmittel der Trägheit und des Lasters.
 
Die günstige Aufnahme, welche sein Buch überall gefunden hatte und
die ihm noch fortwährend zukommenden Zeugnisse von den segensreichen
Wirkungen, die dasselbe übte, ließen ihn erkennen, daß ihm auch ein
geistiges Pfund anvertraut sei, welches er ebensowohl wie das äußere
seines Reichtums zum Wohle seiner Nebenmenschen zu verwenden habe.
Da ihm nun zum Schreiben eines weiteren größeren Buches immer mehr
die nötige Ruhe und freie Zeit gebrach, so beschloß er, in Verbindung
mit mehreren gleichgesinnten Freunden eine religiöse Zeitschrift
herauszugeben, welche dem überhandnehmenden Unglauben besonders in den
mittleren Ständen einen Damm entgegensetzen sollte. Die erste Nummer
dieser Zeitschrift, welche den Titel: »Der christliche Beobachter«
führen sollte, erschien jedoch erst im Januar 1801.
 
Auch die Ansiedelung auf Sierra Leone machte ihm in dieser Zeit
viel zu schaffen, da dieselbe gerade damals mit besonders großen
Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und doch bestehen bleiben und
sich im Segen entwickeln mußte, wenn die Behauptung, daß die Neger
keine bildungsfähigen Menschen seien, auf welche die Freunde
des Sklavenhandels sich besonders stützten, in ihrer völligen
Grundlosigkeit hingestellt, und diesen ihre beste, wirksamste Waffe
entrissen werden sollte.
 
Der glorreiche Sieg zur See, in welchem der englische Admiral Nelson am
1. August 1798 bei Abukir fast die ganze französische Flotte vernichtet
hatte und der in ganz England mit unsäglichem Jubel begrüßt worden
war, gab Wilberforce neuen Mut, trotz aller erlittenen Niederlagen,
auch in der Parlamentssitzung von 1799 wieder gegen den Sklavenhandel
aufzutreten. Hatte doch der fromme Seeheld Nelson zur herzlichen Freude
unseres Wilberforce in seinem Berichte ausdrücklich darauf hingewiesen,
wieviel Dank das englische Volk für diesen Sieg seinem Gotte schuldig
sei! Mußte es da nicht von durchschlagender Wirkung sein, wenn nun
Wilberforce seinerseits mit seiner feurigen Beredsamkeit mahnte, diesen
Dank durch Abstellung des Sklavenhandels thatsächlich darzubringen und
nicht durch Verhärtung in einem anerkannten und zweifellosen Unrecht
den Zorn Gottes über das Land zu reizen? -- Aber siehe, auch diesmal
wieder fielen die warmen, begeisterten Worte, womit er seinen Antrag
verfocht, auf unfruchtbaren Boden, sein Antrag fiel durch.
 
Die tiefe Niedergeschlagenheit, in welche er wegen dieses neuen
unerwarteten Mißerfolgs verfiel, brachte ihn auch körperlich
sehr herunter. Ein heftiges Fieber befiel ihn und hinderte ihn,
die Parlamentssitzung zu besuchen, welche auf den 24. September
ausgeschrieben war, um die Entsendung eines Heeres nach den
Niederlanden zu beraten, wo dasselbe gemeinschaftlich mit den Russen
die Franzosen bekämpfen sollte.
 
Da auch seine Gattin, die am 21. Juni von einem Töchterlein entbunden
worden war, der Ruhe bedurfte, so mietete sich Wilberforce in der Nähe
von Bath, dessen unruhiges Badeleben ihm nicht zusagte, eine Wohnung
auf dem Lande und brachte dort vier Monate im Genusse eines ruhigen,
ungestörten Familienlebens zu. Aber Arbeit machte er sich auch hier,
weil er ohne solche nicht leben konnte. Die stillen Sonntage auf dem
Lande, deren Köstlichkeit und Segen niemand besser zu würdigen wußte,
als er, mahnten ihn, für die Förderung einer rechten Sonntagsheiligung
thätig zu sein. Das war zwar nicht erst eine neue Thätigkeit. Denn
er hatte schon das Parlament aufgefordert, gesetzlich gegen jede
Entheiligung des Sonntages einzuschreiten, und als er das nicht
durchsetzen konnte, wenigstens auf eigene Hand eine ganze Anzahl von
Parlamentsgliedern zusammengebracht, die sich freiwillig verbanden,
für eine rechte Sonntagsheiligung zu wirken und dabei selbst mit gutem
Beispiel voranzugehen. Er hatte auch durch Verwendung seines Einflusses
bei den Ministern eine Verfügung erwirkt, wonach niemand mehr gegen
sein Gewissen durch Geld- und Freiheitsstrafen gezwungen werden durfte,
sich an militärischen Übungen zu beteiligen, welche am Sonntage
stattfanden, wie dies an vielen Orten geschah.

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