2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 13

William Wilberforce der Sklavenfreund 13


Ein neues Ministerium, welches Pitt auf Befehl des Königs bildete,
weil das bisherige sich für die bestehenden Verhältnisse zu schwach
gezeigt hatte, zählte zu seinen Mitgliedern mehrere warme Freunde der
Sklavensache, und Wilberforce konnte es deshalb nicht lassen, diesen
günstigen Umstand zu benutzen und seinen Antrag auf Abschaffung des
Sklavenhandels im Parlamente einzubringen, so unruhig auch die Zeiten
waren.
 
Er hatte auch die Freude, daß derselbe im Unterhause bei jeder der
drei Beratungen oder »Lesungen« angenommen wurde; allein das Oberhaus,
dem der Antrag jetzt vorgelegt werden mußte, entschied sich dafür, ihn
in Anbetracht der jetzigen Zeitverhältnisse für die nächste Sitzung
zurückzulegen. Es sollte aber ein Erlaß des Ministeriums erscheinen,
durch welchen einstweilen dem Sklavenhandel Einhalt gethan würde.
 
Indessen dieser Erlaß ließ ein ganzes Jahr auf sich warten, und als
das Parlament sich wieder versammelte, wurde nicht etwa die günstige
Entscheidung vom vorigen Jahre wiederholt und bestätigt, sondern wider
alles Erwarten umgestoßen. Wilberforce blieb mit seinem Antrage in der
Minderheit.
 
So nahe am Ziele gewesen zu sein nach 17jähriger Thätigkeit, und nun
doch wieder eine völlige Vereitelung seiner so gegründeten Hoffnung
erleben zu müssen, war für Wilberforce ein tiefer, brennender Schmerz.
Er schrieb in sein Tagebuch die klagenden Worte: »Nie habe ich bei
irgend einer Gelegenheit im Parlamente soviel empfunden. Als ich in der
Nacht aufgewacht war, konnte ich nicht wieder einschlafen. Die armen
Schwarzen kamen mir nicht aus dem Sinne und die Schuld unseres sündigen
Vaterlandes.«
 
Aber nun die Hoffnung auf ein schließliches Gelingen seiner Arbeit ganz
aufzugeben, war nicht die Sache eines Wilberforce. Dazu war seine
Überzeugung, daß sein Werk aus Gott sei und dasselbe durch Menschen
nicht gedämpft werden könne, viel zu tief und fest gegründet.
 
»Herr Wilberforce,« sagte ihm jemand, »Sie sollten nicht erwarten,
eine derartige Maßregel durchzusetzen. Sie haben wohl Geschick, eine
Sache zu betreiben, und dies ist eine sehr achtbare Beschäftigung für
Sie; aber wir beide haben genug vom Leben gesehen, um zu wissen, daß
Menschen sich nicht dazu bringen lassen, nach allgemeinen Grundsätzen
zu handeln, wo ihre Interessen im Spiele sind.«
 
Und was antwortete Wilberforce?
 
»Ich hoffe es dennoch durchzusetzen, und was noch mehr ist: ich hege
die Zuversicht, daß ich es bald durchsetze. Ich habe die allmähliche
Veränderung bemerkt, welche seit einiger Zeit in den Gesinnungen der
Menschen vorgegangen ist, und wenn auch die Maßregel noch ein oder zwei
Jahre hingezogen werden mag, so bin ich doch überzeugt, daß sie binnen
kurzem zu stande kommt.«
 
Pitt erließ jetzt endlich die versprochenen Befehle zur Hemmung des
Sklavenhandels, aber sie erwiesen sich als zu unbestimmt abgefaßt,
um irgend welchen Erfolg haben zu können, und Pitt wurde deshalb
angegangen, sie zu ändern. Er that dies auch nach starkem Drängen
und am 13.September 1805 wurde der geänderte Erlaß denn endlich
veröffentlicht.
 
Es war einer der letzten, welcher von Pitt ausging. Denn derselbe
wurde bald darauf ernstlich krank, und wenn ihn auch die Freude über
den Seesieg Nelsons bei Trafalgar (21. Oktober 1805), wobei dieser
große Seeheld zwar selber das Leben verlor, aber auch die französische
Seemacht so gut wie völlig vernichtet wurde, wieder ein wenig stärkte
und ausrichtete, so beugte ihn doch die traurige Nachricht von der
Niederlage der englischen Bundesgenossen, der Russen und Österreicher,
bei Austerlitz (2. Dezember) aufs tiefste nieder und übte einen so
nachteiligen Einfluß auf seinen durch heftige Gichtschmerzen und
Verdauungsstörungen geschwächten Körper, daß er am 23. Januar 1806
starb, wie Wilberforce sagte: »an gebrochenem Herzen, vom Feinde
ebensowohl getötet wie Admiral Nelson.«
 
Tief bewegt folgte Wilberforce dem Sarge des Mannes, der 25 Jahre lang
die Angelegenheiten seines Vaterlandes geleitet hatte und ihm, wenn
auch vielleicht wegen des großen Standesunterschiedes nicht gerade
im vollsten und schönsten Sinne des Wortes Freund geworden war, wozu
überdies die volle innere Übereinstimmung fehlte in den höchsten
und wichtigsten Lebensfragen, so doch die vollste Hochachtung und
Anhänglichkeit abgewonnen hatte.
 
Dem neuen Ministerium, welches jetzt gebildet wurde, gehörten zum
größten Teile Männer an, die zu den eifrigsten und lebendigsten
Gegnern des Sklavenhandels zählen. Wie hob das wieder den Mut und die
Freudigkeit des edlen Sklavenfreundes, und wie beeilte er sich nun
sogleich wieder, die günstige Wendung der Dinge auszunutzen!
 
Ein Vorschlag, den Sklavenhandel nach fremden Kolonieen zu verbieten,
wurde zum Vorläufer des weitergehenden auf völlige Abschaffung und
Unterdrückung dieses Handels gemacht und erhielt im Mai 1806 die
Zustimmung sowohl des Unter- wie des Oberhauses. Auch der weitere
Vorschlag, daß sich das Parlament zu baldiger gänzlicher Abschaffung
des Sklavenhandels verpflichten sollte, wurde im Unterhause mit großer
Mehrheit von 100 gegen 14, im Oberhause mit 42 gegen 21 Stimmen
angenommen. Ebenso wurde eine von Wilberforce beantragte Adresse an
den König beschlossen, worin dieser gebeten wurde dahin zu wirken, daß
auch die übrigen Mächte Europas den Sklavenhandel aufheben möchten.
 
Aber würde nicht, so mußte Wilberforce nun rechnen, die Sklavenhalter
und Sklavenhändler jetzt, wo an der völligen Aufhebung des
Sklavenhandels kaum mehr zu zweifeln schien, die ihnen noch gelassene
Frist benutzen, um gerade jetzt diesen Handel in verstärktem Maße zu
betreiben?
 
Von diesem Gedanken geleitet, brachte er noch einmal vor Schluß der
Sitzung einen Gesetzesvorschlag ein, welcher verbot, daß Schiffe, die
bis jetzt nicht zum Sklavenhandel gebraucht worden seien, nunmehr
dazu verwendet würden, und siehe auch dieser Vorschlag fand zu seiner
unsäglichen Freude die Zustimmung beider Häuser.
 
Allein es war für Wilberforce auf Grund der bisher gemachten
Erfahrungen doch noch keine volle Sicherheit vorhanden, daß der lange
und heiß ersehnte Sieg in seiner heiligen Sache nun endlich errungen
sei, und er bot deshalb gerade jetzt seine ganze Kraft auf, ihr, soviel
an ihm lag, zum völligen Siege zu verhelfen. Mit seinen Freunden
bereitete er sich sorgfältig darauf vor, ein günstiges Zeugenverhör
herbeiführen zu können, wenn allenfalls das Oberhaus noch einmal ein
solches verlangen sollte. Er ging auch mit allem Eifer daran, seine
vorhin erwähnte Flugschrift fertig zu machen, um dieselbe vor dem
Zusammentreten des Oberhauses allen Mitgliedern desselben zusenden zu
können und vollendete dieselbe durch rastloses Arbeiten so frühe, daß
sie am letzten Januar 1807 ausgegeben werden konnte.
 
Um ihn zu solchem Eifer aufzustacheln, hätte es indessen so ehrender
Zeugnisse keineswegs bedurft, wie ihm ein solches bereits im Juni 1806
durch eine Edinburger Zeitung ausgestellt worden war. Dort war nämlich
zu lesen gewesen: »Wir wollen unsere Dankbarkeit dem Manne bezeugen,
der diesen glorreichen Kampf begonnen und durchgeführt hat. Er hat dem
Ausgange desselben alle seine Tage und alle seine Talente geweiht.
Er hat sich jeglicher Belohnung für seine Anstrengungen entzogen,
außer dem zufriedenstellenden Bewußtsein, seinen Mitgeschöpfen gutes
erwiesen zu haben. Er hat der Menschheit gewidmet, was andere den
Parteirücksichten geopfert haben, und den Ruhm, im Gedächtnisse einer
dankbaren Welt fortzuleben den glänzenden Belohnungen des Ehrgeizes
vorgezogen. Wir betrachten mit inniger Freude diesen ausgezeichneten
Mann, wie er nahe vor seinem endlichen Triumphe sich befindet in der
größten Schlacht, in der je menschliche Wesen fochten und in einer
Sache, welche wir für einen Gegenstand des gerechten Neides der
Ehrgeizigsten unter den Sterblichen halten.«
 
Der Stachel, den Wilberforce im eigenen Herzen trug, der Stachel
der Liebe zu den armen Schwarzen und die Überzeugung, von Gott zur
Linderung ihrer Leiden berufen zu sein, war mächtiger als alle solche
ehrenden Worte.
 
Am 3. Februar 1807 kam die Sklavensache zur Verhandlung im Oberhause
und beschäftigte dasselbe die ganze Nacht hindurch bis Morgens 5 Uhr.
Aber obwohl zwei Minister, ja selbst Prinzen des Königlichen Hauses
dagegen auftraten, erklärten sich doch schließlich 100 Stimmen für die
Abschaffung des Sklavenhandels, und nur 34 dagegen.
 
Nun fehlte nur noch eine günstige Entscheidung des Unterhauses, in
welchem die Sache am 23. Februar vorgebracht werden sollte.
 
Aber wie bangte nun unserem Wilberforce vor dieser entscheidenden
Sitzung! Hatte er es doch schon einmal erleben müssen, daß es trotz
der günstigsten, fast zweifellosen Aussichten zuletzt doch noch übel
gegangen war! Wie eifrig betete er, daß Gott alles zum Besten wenden
möge und stellte ihm in Demut alles anheim!
 
Am 15. Februar schrieb er in sein Tagebuch: »Was für eine schreckliche
Zeit ist das! Die Entscheidung der großen Frage nähert sich. Möge Gott,
der die Herzen aller in seiner Gewalt hat, sie wenden wie im Oberhause!
Möge er mich mit einem einfältigen Auge und Herzen ausrüsten, daß ich
nur wünsche, Ihm zu gefallen, meinen Mitmenschen gutes zu erweisen und
meinem angebeteten Erlöser meine Dankbarkeit zu bezeugen!«
 
Und am 22. Februar, am Vorabende des Tages, der die Entscheidung
bringen sollte, schrieb er ebenso demütig: »Gewiß nie hatte ich mehr
Ursache zur Dankbarkeit als jetzt, da ich den großen Gegenstand
meines Lebens zu Ende führe, auf welchen eine gnädige Vorsehung meine
Gedanken vor 26 oder 27 Jahren und meine Thätigkeit seit 1787 oder 1788
gerichtet hat. O Herr, laß mich dich preisen von ganzem Herzen; denn
nie war jemand so sehr in der Schuld gegen dich. Wohin ich auch blicke,
sehe ich mich mit Segnungen überhäuft. O möge meine Dankbarkeit nur
einigermaßen im Verhältnisse zu denselben stehen!«
 
Bei den Verhandlungen des folgenden Tages war es nur ein einziger
westindischer Pflanzer und Sklavenhalter, der gegen das Gesetz sprach,
aber durch eine glänzende Rede, die Wilberforce hielt und in der er
noch einmal die ganze Fülle seiner Beweise für die Schändlichkeit des
Sklavenhandels entwickelte, sofort zum Schweigen gebracht wurde. Von
dieser Rede begeistert rief der Generalprokurator Romilly aus: »Was
ist das Gefühl der Größe, das ein Kaiser der Franzosen, ein Napoleon,
hat gegen das Hochgefühl dieses Privatmannes, der heute sein Haupt aufs
Kissen legen darf mit dem Gedanken: der Sklavenhandel ist nicht mehr!«
 
Ein Sturm des Beifalls brach los, wie ihn die Parlamentsräume noch
nie gehört haben mochten. Alle die ernste würdevolle Zurückhaltung,
die sonst in diesen Räumen üblich war und jede laute Beifallsäußerung
verbot, war völlig vergessen, und als es zur Abstimmung kam,
erklärten sich 283 Stimmen für, und nur 16 gegen die Abschaffung des
Sklavenhandels.
 
Wie in einem Triumphzuge wurde Wilberforce von seinen Freunden
nach Hause geleitet, und von allen Seiten regnete es gleichsam
Beglückwünschungen für ihn. Er aber ging in sein Kämmerlein und schrieb
mit betendem Aufblicke nach oben in sein Tagebuch: »O wieviel Dank
bin ich dem Geber alles Guten dafür schuldig, daß er mich in seiner
gnädigen Fürsorge zu der großen Sache geführt hat, welche endlich nach
fast 19jähriger Anstrengung Erfolg gehabt hat!«
 
Nachdem das Gesetz wegen einiger Veränderungen, die daran gemacht
worden waren, noch einmal durch das Oberhaus gegangen war und auch
in der geänderten Fassung dessen Zustimmung erhalten hatte, erhielt
es am 25. März 1807 auch die Königliche Bestätigung und damit volle
Gesetzeskraft.
 
Das Ministerium, welchem es Wilberforce zu verdanken hatte, daß er
endlich mit seinen unaufhörlichen Anträgen durchgedrungen war, wurde
bald darauf zu seinem großen Leidwesen von dem Könige entlassen;
dadurch wurde aber auch eine Auflösung des Parlaments herbeigeführt,
und es mußte zu neuen Wahlen geschritten werden.
 
Hier zeigte es sich nun so recht handgreiflich, mit welcher Liebe
seine Wähler in der Grafschaft York an ihrem bisherigen Vertreter
Wilberforce hingen. Es war nämlich ein angesehener Mann, Lord Milton,
als Mitbewerber um die Vertretung der Grafschaft aufgetreten, dem es
ein Geringes war, die großen Kosten zu bestreiten, welche eine Wahl ins
Parlament für den Gewählten mit sich führte. Es galt nämlich für ihn,
allen Wählern, welche ihm seine Stimme geben sollten, die Kosten der
Reise nach dem Wahlorte zu vergüten und das verursachte besonders in
einer so weitausgedehnten Grafschaft, wie die Grafschaft York, höchst
bedeutende Ausgaben. Traten mehrere Bewerber um die Stimmen der Wähler
auf, so hatte in der Regel, wenn es sich nicht gerade um besondere
Parteiinteressen handelte, derjenige die meiste Aussicht, gewählt zu
werden, welcher sich bei Vergütung der Reisekosten am freigebigsten
zeigte und den Ersatz so bemaß, daß auch wohl nach gemachter Reise noch
etwas Erkleckliches in der Tasche blieb.

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