2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 15

William Wilberforce der Sklavenfreund 15


Seinen bisherigen Wählern wollte es freilich gar nicht einleuchten,
daß sie den Mann verlieren sollten, der so lange mit hingebender Treue
ihre Interessen im Parlamente vertreten hatte, und dessen Namen im
ganzen Lande einen so hellen, guten Klang besaß; es bedurfte einer
wiederholten bestimmten Erklärung von seiner Seite, daß er die ihm
angetragene Wahl für den Flecken Bramber annehmen wolle, ehe sie an
die Festigkeit seines Entschlusses glaubten. Aber als sie nicht mehr
zweifeln konnten und ihn schweren Herzens aufgeben mußten, ehrten sie
seine Verdienste um sie mit einer warmen anerkennenden Dankadresse.
 
Daß Wilberforce dem Parlamente seine Thätigkeit nicht ganz entzog,
wurde selbst von Solchen, die bisher seine Gegner gewesen waren,
anerkannt und mit Freuden begrüßt.
 
 
 
 
VII.
 
 
Die freie Zeit, welche Wilberforce dadurch gewann, daß er nicht mehr
soviel mit der Vertretung seines Wahlbezirks zu thun hatte, verwendete
er außer für die Sklavensache, von welcher er täglich neu die Erfahrung
machte, wieviel dabei noch zu thun sei, in der That jetzt in der
gewissenhaftesten Weise für die Erziehung seiner Kinder. Er ließ sich
dabei von der erfahrenen Kinderfreundin und Jugendlehrerin beraten, mit
der er in so genauer, freundlicher Beziehung stand, von Hannah More.
 
Sooft die Kinder, welche schon so weit erwachsen waren, daß sie
auswärtige Schulen besuchten, nach Hause kamen, suchte er sich ihnen
ganz zu widmen und ihnen durch Liebe und Freundlichkeit das Elternhaus
recht teuer zu machen. War er mit ihnen auf dem Lande, so nahm er trotz
seiner 50 Jahre lustig an ihren Spielen teil und entwickelte dabei
einen solchen Eifer, daß er einmal wegen einer Verletzung am Beine, die
er beim Ballspiel davongetragen hatte, mehrere Wochen das Zimmer hüten
mußte.
 
Dazwischen las er mit ihnen unterhaltende und belehrende Schriften,
aber nicht ohne dieselben vorher auf ihren Inhalt genau angesehen zu
haben, und würzte oder vervollständigte das Gelesene durch Mitteilungen
aus seiner eigenen reichen Lebenserfahrung. Vornehmlich suchte er bei
ihnen, soweit es ihrem Lebensalter angemessen war, eine rechte Liebe
zu dem Worte Gottes zu erwecken, indem er es nicht allein täglich in
den Familienandachten vorlas, sondern auch Besprechungen daran knüpfte
und es in recht verständlicher, kindlicher Weise auslegte. Dabei war
aber, wie schon bemerkt worden ist, seine ängstlichste Aufmerksamkeit
darauf gerichtet, daß seine Kinder in der Wahrheit blieben und daß kein
gemachtes Wesen bei ihnen aufkam. Mit dem bittersten Ernste strafte er
alles, was nur an das Gebiet des geistlichen Geschwätzes anzustreifen
schien, und mahnte unablässig zur Nüchternheit und Aufrichtigkeit.
 
Noch ernster nahm er es damit, als er erfuhr, daß der Sohn eines
Freundes auf böse Wege geriet und ein trauriges Ende nahm, weil er im
elterlichen Hause durch unaufhörliche Beschäftigung mit religiösen
Dingen einen vollständigen Widerwillen gegen alle Religion gefaßt hatte
und sich, sowie er dem elterlichen Hause entwachsen war, ganz und gar
dem Unglauben und der Freigeisterei in die Arme geworfen hatte.
 
Gern gestattete er seinen Kindern harmlose Lebensfreuden und
Erheiterungen, ja suchte ihnen selber solche in jeder möglichen Form
zu bereiten. Überhaupt huldigte er bei der religiösen Erziehung seiner
Kinder dem unzweifelhaft richtigen Grundsatze: »Sprich mehr zu Gott
über deine Kinder, als zu deinen Kindern über Gott!«
 
Wie treulich er das erstere that, mag eine Stelle aus seinem Tagebuche
zeigen, worin er sich selbst anklagend sagt: »Ich bin mir der
Unzulänglichkeit meiner Kräfte in allem, was die Erziehung meiner
Kinder betrifft, wohl bewußt, hoffe aber in Demut und Zuversicht,
daß ich in Wahrheit sagen kann: die geistlichen Angelegenheiten
meiner Kinder sind das Hauptziel meines Strebens. Es kommt mir mehr
darauf an, sie als wahre Christen, denn als große Gelehrte oder sonst
ausgezeichnete Leute zu sehen. Ich bitte Gott ernstlich um Weisheit
für mich und um reichliche Gnade für meine Kinder, und bin dabei fest
entschlossen, alle meine Maßregeln genau zu überlegen und dann erst
zu handeln. In Beziehung auf den Erfolg bin ich dann auf Grund der
Verheißungen in der Schrift guten Mutes.«
 
Um erkennen zu lassen, in welch herzlicher, kindlicher Weise
Wilberforce mit seinen Kindern zu verkehren verstand, lassen wir hier
einen Brief folgen, den er bei einer längeren Abwesenheit von Hause an
einen seiner jüngeren Söhne richtete, und der zugleich darthut, daß er
auch bei den dringendsten Geschäften doch Zeit zu gewinnen wußte, um
sich mit seinen Kindern brieflich zu unterhalten.
 
»Mein teuerster Sohn!« schreibt er, »es gefällt mir gar
nicht, daß Du das einzige von meinen Kindern bist, welches
während meiner Abwesenheit nicht an mich geschrieben hat
und daß Du das einzige sein solltest, an welches ich nicht
schriebe. Daher ergreife ich meine Feder, wenn auch nur für
sehr wenige Augenblicke, um Dir zu versichern, daß ich nicht
vermute, Dein Schweigen sei aus einem Mangel an Zuneigung
entsprungen, sowenig als das meinige aus derselben Quelle
herzuleiten ist. Es giebt einen gewissen bösen Geist, genannt
»Aufschub«, welcher ein Schloß in der Luft zu Sandgate (NB.
dem augenblicklichen Aufenthaltsorte der Familie) sowohl, wie
an vielen anderen Plätzen bewohnt. Ich vermute, daß Du eines
Tages, vielleicht an dem Schwanz Deines Drachen, aufgefahren
bist und Dich in diesem Schlosse niedergelassen hast, worin es
sehr große weite Zimmer mit herrlichen Aussichten nach allen
Richtungen giebt. Wahrscheinlich wirst Du diese Wohnung nicht
verlassen wollen, bis Du hörst, daß ich auf dem Wege nach
Sandgate bin. Du könntest dort den »Morgen-Mann« (d. h. der
alles auf morgen verschiebt) treffen, und ich hoffe, Du wirst
von ihm verlangen, den Rest der unterhaltenden Geschichte
zu hören, von welcher Miß Edgeworth einen Teil erzählt hat,
obgleich ich fürchte, er wird zu sehr nach dem Geiste des
Platzes handeln, als daß er nicht einen Teil der Geschichte
noch unerzählt lassen sollte -- bis morgen. Doch ich treibe
Scherze und bin doch diesen Morgen ungewöhnlich in meiner Zeit
beengt. Ich will darum, mein teuerstes Kind, Dich nur noch
ernstlich vor dem Aufschub warnen, als einem der gefährlichsten
Feinde einer nützlichen Wirksamkeit, und Dir versichern, daß
ich bin heute, morgen und immer, solange ich lebe
 
Dein Dich liebender Vater W. Wilberforce.«
 
Wie er aber mit seinen Kindern zu scherzen verstand, ließ es
Wilberforce im Verkehre mit ihnen auch nicht am heiligsten Ernste
fehlen. Das zeigt der Schluß eines Briefes, den er an seinen ältesten
17jährigen Sohn richtete, und darin es heißt:
 
»Da ich alle meine Zeit aufgewendet und auch die Deinige
in Anspruch genommen habe, so muß ich zum Schlusse eilen,
aber nicht ohne in wenigen Worten meinem teuern William zu
versichern, wie oft ich an ihn denke, wie oft ich für ihn
bete. O mein teuerster Sohn, ich beschwöre Dich ernstlich,
Dich nicht verführen zu lassen zur Vernachlässigung, Abkürzung
oder Übereilung Deiner Morgengebete. Vor allen Dingen hüte
Dich, Gott in Deinem Kämmerlein zu vernachlässigen. Nichts ist
gefährlicher für das Leben und die Macht der Religion, nichts
veranlaßt gewisser Gott, seine Gnade zu entziehen. Lebe wohl,
mein geliebter William, mein Erstgeborner, und o mein teuerster
Sohn, halte im Gedächtnis, was für eine Quelle der Freude oder
des Grams Du Deiner Dich liebenden Mutter sein kannst und
Deinem Dich liebenden Vater und Freunde
 
W. Wilberforce.
 
Derartige Briefe wechselte der Vater wenigstens einmal wöchentlich mit
seinen Kindern, und um nie daran gehindert zu sein, führte er stets
Schreibgeräte bei sich, und schrieb nicht selten aus den Häusern seiner
Freunde, bei denen er eingetreten war.
 
Wenn wir bisher nur seiner eigenen Bemühungen um seine Kinder gedacht
haben, so soll damit aber keineswegs angedeutet sein, als ob er dabei
nicht in voller Gemeinschaft und in vollem Einklange mit seiner Gattin
gehandelt habe. Im Gegenteile waren beide Eltern stets vereint in
liebender Fürsorge für die Kinder. Dafür mag nachfolgende Stelle
Zeugnis geben, die einem Briefe entnommen ist, den Wilberforce an seine
Frau schrieb:
 
»Möge Gott Dich segnen, und wenn es so sein Wille ist, möchten wir noch
lange einander erhalten werden! Ich hege die lebendige Überzeugung, daß
dies sehr auf dem Verhalten unserer Kinder beruht. Wie ich oft gesagt
habe, laß es für uns ein Grund sein, danach zu trachten, daß wir selbst
in der Gnade wachsen. Denn je mehr wir selbst die Gunst des Himmels zu
erlangen suchen, um mich so auszudrücken, desto sicherer werden wir,
was wir ja inbrünstig erbitten, das Heil unserer Kinder fördern. O daß
ich nur noch sehen könnte, wie sie ihre Herzen Gott darbringen! Ich
denke, dann könnte ich mich freudig zur Ruhe legen.«
 
Über solch treuer Fürsorge für seine Kinder vergaß jedoch Wilberforce
seine Sklavensache durchaus nicht, sondern benutzte die größere
Freiheit von eigentlichen Berufsgeschäften, die er jetzt genoß, dazu,
diese Sache auf immer weitere und höhere Bahnen zu bringen. Er wußte ja
freilich wohl, daß ein Werk, das zu seiner Vorbereitung allein soviele
Jahre erfordert hatte, und so schweren, heißen Kampf, nicht in kurzer
Zeit vollendet dastehen könne, und deshalb steuerte er geduldig und
beharrlich, Schritt um Schritt dem Endziele zu, das aber jetzt nicht
mehr blos die Aufhebung des Sklavenhandels für ihn war, sondern die
gänzliche Abschaffung der Sklaverei.
 
Einstweilen konnte er sich nicht darüber täuschen, daß der
Sklavenhandel ruhig seinen Gang fortging, daß selbst englische
Schiffe trotz des bestehenden gesetzlichen Verbots ihn fortsetzen.
In Voraussicht dessen hatte er schon sogleich nach seinem Siege im
Parlamente darauf gedrungen, daß englische Kriegsschiffe an die
afrikanischen Küsten beordert würden, um dort zu kreuzen, jedes
englische Sklavenschiff wenigstens wegzunehmen und die darauf
befindlichen Neger wieder in Freiheit zu setzen.
 
Jetzt unterstützte er eifrig den Vorschlag, freie Arbeiter in die
westindischen Kolonien überzuführen, welche dort gegen bestimmten Lohn
auf den Plantagen arbeiteten.
 
Vor Allem aber kam es darauf an, sorgfältig darüber zu wachen, und
die geeigneten Maßregeln zu treffen, daß nicht, sei es heimlich durch
englische, sei es öffentlich durch spanische, französische oder
portugiesische Schiffe immer neue Neger in jene Kolonien eingeführt
würden. Deshalb sollten die Namen sämtlicher Negersklaven, die sich
dort bereits befänden, in öffentliche Listen eingetragen, und jeder
Pflanzer bestraft werden, der bei einer eintretenden Untersuchung im
Besitze eines nicht eingetragenen Sklaven befunden würde.
 
Das wäre denn freilich ein gewaltiger Eingriff gewesen in die Rechte
der einzelnen Kolonien und ihrer Regierungen, welche ziemlich
selbständig wirtschafteten, und es stand zu befürchten, daß eine
gewaltige Aufregung in allen Kolonien die Folge wäre. Daher glaubte
man am besten zu thun, wenn man zuerst auf der Insel Trinidad, der
südlichsten der kleinen Antillen vor dem Meerbusen von Paria, einen
Versuch mit der Einregistrierung der Sklaven machte. Denn diese Insel,
welche die Engländer von den Spaniern erobert hatten und welche 1802
im Frieden von Amiens förmlich an sie abgetreten worden war, hatte
noch keine so selbständige Regierung, daß man auf dieselbe besondere
Rücksichten hätte nehmen müssen.
 
Der Minister Perçeval, welcher seit 1807 das Ministerium leitete
und Wilberforce in seinen Bestrebungen gerne unterstützte, erließ
auch wirklich den Befehl, daß die Registrierung der Negersklaven auf
Trinidad sofort zu geschehen habe, und war auch weiter durchaus nicht
abgeneigt, diese Maßregel, wenn sie sich hier als wirksam zur Hemmung
des Sklavenhandels bewähre, auf die übrigen westindischen Kolonieen
Englands auszudehnen.
 
Aber der wohlwollende, christlich gesinnte Mann fiel am 11. Mai 1812
als das Opfer eines Wahnsinnigen, der ihn erschoß, tief betrauert von
Wilberforce, der an ihm eine kräftige Stütze verlor und nun vorläufig
wenig Aussicht hatte, daß die allgemeine Aufzeichnung der Sklaven in
den Kolonieen zu stande komme. Nur in der »afrikanischen Stiftung«
behielt man die Sache fest im Auge und zog sorgfältige Erkundigungen
ein darüber, welche Wirkung die auf Trinidad ausgeführte Maßregel habe.

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