2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 16

William Wilberforce der Sklavenfreund 16


Inzwischen richtete Wilberforce, der nicht ruhen konnte, seine Blicke
von Westindien nach Ostindien hinüber, für das er ja schon einmal
seine Thätigkeit eingesetzt hatte, um dazu zu helfen, daß den dortigen
Eingeborenen in reicherem Maße das Christentum gebracht werde, als es
die sogenannte »ostindische Kompagnie« gethan haben wollte, die dort
drüben fast unabhängig von der Regierung des englischen Mutterlandes
die Kolonieen beherrschte.
 
Im Jahre 1813 erlosch nämlich einmal wieder der jener Kompagnie von
England bewilligte Freibrief, laut dessen sie nicht blos den ganzen
Handel mit England und allen anderen Ländern betrieb, sondern auch
so ziemlich nach freiem Ermessen und Gutdünken wirtschaften konnte
und dafür nur eine bestimmte Abgabe an die englische Regierung
entrichtete. Viele Stimmen sprachen sich nun dafür aus, daß der
Freibrief in seiner bisherigen Ausdehnung nicht mehr ausgestellt und
dadurch jene Kompagnie zu einer beherrschenden Macht im Staate gemacht
werden dürfe. Dies glaubte Wilberforce benutzen zu müssen, um einen
Druck auf die ostindische Kompagnie auszuüben, daß sie, wie es auch
sonst mit ihrem Freibriefe ergehen möge, wenigstens genötigt würde,
die Hemmnisse zu beseitigen, welche sie bisher der Ausbreitung des
Christentums in den Weg gelegt hatte. Er brachte die Angelegenheit
im Parlamente zur Sprache, unterstützt von 900 Bittschriften, die er
aus allen Teilen Englands zusammengebracht hatte. Er bot wieder seine
ganze Beredtsamkeit auf und erreichte es zu seiner großen Freude auch
wirklich, daß sich die große Mehrzahl des Parlaments zu Beschlüssen
vereinigte, in Folge deren der Missionsarbeit in Ostindien kein
Hindernis mehr bereitet werden konnte.
 
Auch in seiner Sklavensache durfte er einen erfreulichen Fortschritt
verzeichnen. Es war ihm nämlich schon lange ein Dorn im Auge gewesen,
daß auf der einzigen Besitzung Schwedens in Westindien, auf der kleinen
Insel St. Barthelemy, ein bedeutender Sklavenmarkt bestand, auf dem
sich die westindischen Pflanzer trotz der Wachsamkeit der englischen
Kriegsschiffe leicht mit Sklaven versorgen konnten, solange nicht
die oben erwähnte Maßregel, die Sklaven aufzuzeichnen, allgemein
durchgeführt war.
 
Als nun Schweden, das auf Napoleons Befehl an England hatte den Krieg
erklären müssen, aber unter diesem Kriegszustande selbst am meisten
litt, nach Napoleons Niederlage in Rußland sich zum Anschlusse an
die gegen Napoleon verbündeten europäischen Mächte entschloß und mit
England seinen Frieden zu machen suchte, drang Wilberforce bei den
Ministern darauf, daß in die Friedensbedingungen, die England stellte,
auch die aufgenommen würde, daß Schweden den Sklavenhandel aufgeben
und aufheben müsse. Es wurde ihm willfahrt, und als erst Schweden sich
in Folge dessen zur Aufhebung des Sklavenhandels herbeigelassen hatte,
folgte ihm auch Dänemark bald freiwillig darin nach.
 
Auch vom Festlande herüber kamen verheißungsvolle Nachrichten, welche
ein baldiges Ende von Napoleons Gewaltherrschaft und einen dauernden
Frieden in Aussicht stellten, bei dessen Schließung etwas für die
Sklavensache Ersprießliches durchzusetzen möglich schien. Und als
das Gehoffte geschehen war, als Napoleon entthront und von seinen
Marschällen aufgegeben, auf der Insel Elba saß, wie frohlockend schrieb
da Wilberforce an seine alte Freundin Hannah More! Hatte er doch
allezeit den Corsen für eine Gottesgeißel gehalten, die der Herr, wenn
er sie zur Züchtigung der Völker gebraucht hätte, wieder wegwerfen
würde. »So hat denn,« schrieb er jetzt, »die Dynastie Buonaparte
aufgehört, zu regieren, wie Freund Talleyrand uns benachrichtigt;
das hat Gott gethan! Wie sehr wünschte ich nur, daß mein armer alter
Freund Pitt noch lebte, um Zeuge von dieser Entwickelung des 25 Jahre
dauernden Dramas zu sein!« -- Wie ergriff er aber auch sofort die
Gelegenheit, aus der völlig veränderten Lage Frankreichs für die
Sklavensache Nutzen zu ziehen!
 
Kaum hatte Ludwig XVIII. wieder seinen Einzug in Paris gehalten und
den französischen Thron bestiegen, als er seinen Schwager Stephen
veranlaßte, ein Schreiben an denselben zu richten und ihm ehrerbietig
vorzustellen, wie nun, wo England und Amerika, Schweden und Dänemark
den schändlichen Sklavenhandel abgestellt hätten und selbst Portugal
seine Grausamkeit und Ungerechtigkeit nicht mehr in Abrede stellte, ja
sich zu allmählicher Aufhebung desselben verstehen wolle, Frankreich
nicht zurückbleiben dürfe, da ohnehin während der langen Kriegszeit
ihm dieser Handel so gut wie verloren gegangen wäre und eine
gesetzliche Abschaffung desselben keine Interessen seiner Bewohner
schädigen könnte.
 
Wilberforce selbst aber entschloß sich, an den Kaiser von Rußland zu
schreiben, als an den mächtigsten unter den verbündeten Monarchen, und
ihn um seine Mitwirkung zur völligen Abschaffung des Sklavenhandels
zu bitten. Dieser Brief war ihm so wichtig, daß er, was er sonst nie
that, selbst einen Sonntag darauf verwendete, freilich nicht ohne sich
nachher ernstlich selbst darüber zu strafen.
 
Am Schlusse dieses Briefes hieß es: »Aber obgleich die Schuld und die
Schande dieses schrecklichen Handels Großbritannien nicht mehr trifft,
so besteht er selbst doch noch, und in der Hoffnung, Sire, daß Sie
Ihren mächtigen Einfluß zur Unterdrückung desselben anwenden, rufe ich
Sie im Namen der Religion, der Gerechtigkeit und Menschlichkeit an,
Ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten. Dem göttlichen Segen vertraue
ich diese Zeilen an. Möge das allmächtige Wesen, dem Sie, wie ich die
Zuversicht hege, anhangen und dienen, welches Sie zum Hauptleiter bei
der Befreiung des europäischen Festlandes von den Banden erhoben hat,
in denen es durch eine geheimnißvolle Vorsehung so lange gehalten
war, Sie zu dem geehrten Werkzeuge machen, durch welches es auch an
Afrika seine gnädigen Absichten vollführt! Mögen Sie leben, Sire,
ein Zeuge des gesegneten Erfolgs dieser Ihrer Wohlthaten, durch
welche christliches Licht, sittliche Besserung und gesellschaftliches
Wohlergehen über die in Nacht liegenden Gegenden kommen! Mögen Sie
hören, wie die schwarzen Kinder nach der Schrift ihre Hände erheben
zu dem allein wahren Gotte und nicht zeitlichen allein, sondern auch
ewigen Segen herabrufen auf das Haupt Alexanders, des Kaisers der
Russen, als des größten unter ihren irdischen Wohlthätern!«
 
Wilberforce wollte durchaus, daß bei den Verhandlungen wegen des
Pariser Friedens (Mai 1814) von seiten Englands die Forderung erhoben
würde, daß die von ihm eroberten französischen Kolonieen nur unter
der Bedingung zurückgegeben werden könnten, daß Frankreich sich zur
Abschaffung des Sklavenhandels verstünde. Er setzte alles in Bewegung,
um darauf hinzuwirken. Er wollte anfangs sogar selber in eigener
Person nach Paris reisen und dort seinen Einfluß geltend machen, zog
es jedoch endlich vor, zu Hause zu bleiben, weil ihm das Parlament ein
geeigneterer Schauplatz für sein Wirken zu sein schien.
 
Aber obwohl der frühere Leiter der Sierra Leone-Gesellschaft, der zu
den eifrigsten Gegnern des Sklavenhandels gehörte, an seiner Stelle
hinüberging und seinen Einfluß auf den englischen Bevollmächtigten
in vollem Maße geltend machte, konnte dieser doch nur erreichen, daß
Frankreich die Wiedererlangung seiner sämtlichen Kolonieen durch
das unbestimmte Versprechen bezahlte, den Sklavenhandel binnen 5
Jahren aufheben zu wollen. Der französische Hochmut, so tief er auch
gedemütigt worden war, sträubte sich etwas anzunehmen, was von dem
gehaßten England ausging und wie ein Befehl desselben aussehen konnte,
und der englische Bevollmächtigte trug wohl diesem Hochmute zu sehr
Rechnung.
 
Wilberforce war auf das bitterste enttäuscht, gab sich aber sofort
daran, zu retten, was noch zu retten war. Er mühte sich ab, recht
viele Bittschriften herbeizuschaffen, in welchen das Volk sein
Bedauern ausspreche über die Wendung, welche die Sklavensache jetzt
genommen habe, und sich sogar zu weiteren Opfern an Kolonieen bereit
erklärte, um Frankreich die ihm bewilligten 5 Jahre Sklavenhandel
damit abzukaufen, aber auch ernstlich darauf dränge, daß, wenn sich
eine Verkürzung dieses Zeitraums nicht erreichen ließe, durch eine
allgemeine Übereinkunft aller europäischen Staaten der Sklavenhandel
nach Ablauf dieser 5 Jahre für Seeraub erklärt und in der Behandlung
diesem gleichgestellt werde.
 
Diese Bittschriften, deren wirklich 800 zusammen kamen mit beinahe
einer Million Unterschriften, und deren Übergabe an das Parlament
Wilberforce, als »dem Vater unserer großen Sache« anvertraut
wurden, sollten dazu führen, daß das Parlament eine Adresse an den
Prinz-Regenten richte, worin die Bitte und der Wunsch Ausdruck fänden,
der englische Bevollmächtigte für den bevorstehenden Wiener Kongreß
möge beauftragt werden, fester und entschiedener, als es beim Pariser
Friedensschlusse geschehen sei, in der Sklavenfrage aufzutreten.
 
Wirklich gelang es auch der Beredtsamkeit, mit welcher Wilberforce die
Sache im Parlamente vortrug, zu bewirken, daß eine solche Adresse an
den Prinz-Regenten beschlossen wurde. »Wenn alle jetzt Lebenden«, sagte
er unter Anderem, »ihre Häupter zur Ruhe gelegt haben, und die Thaten,
welche jetzt so mächtig alle Gefühle aufregen, durch die Feder des
kalten, unparteiischen Geschichtschreibers berichtet werden; wenn man
sehen wird, daß eine solche Gelegenheit wie die jetzige verloren wurde;
daß die erste Handlung des wieder eingesetzten Königs von Frankreich
die Wiederherstellung eines Handels in Knechtschaft und Blut war: was
für ein Urteil wird sich dann bilden von den Anstrengungen, welche
England gemacht, oder von dem Einflusse, welchen es auf ein Volk unter
so gewichtigen Verpflichtungen geäußert hat? Gewiß, man wird weder vom
britischen Einflusse, noch von französischer Dankbarkeit eine hohe
Meinung gewinnen!«
 
Als im Juli 1814 der Kaiser von Rußland und der König von Preußen,
von ihren siegreichen Heerführern begleitet, einen Besuch in London
abstatteten, hatte Wilberforce bei dem Kaiser Alexander mehrmals
Audienz und wurde stets von ihm auf das huldvollste empfangen, ja
erhielt die Erlaubnis, sich noch weiter schriftlich an ihn zu wenden,
wenn er es für gut hielte.
 
Auch Friedrich Wilhelm III. wünschte Wilberforce kennen zu lernen und
wurde so von ihm eingenommen, daß er ihm zum Andenken ein kostbares
Porzellan-Service schenkte.
 
Der alte Blücher, der einer von Wilberforce geleiteten Versammlung
beiwohnte, worin beraten werden sollte, wie man helfen könne, die
Leiden lindern, welche der Krieg über Deutschland gebracht, erhielt
von dem heiligen Eifer, mit welchem Wilberforce für die Notleidenden
redete, einen so tiefen lebhaften Eindruck, daß er sich nachher
demselben vorstellen ließ und sich in sehr herzlicher Weise mit ihm
unterhielt, allerdings vermittels eines Dolmetschers, da er der
englischen Sprache ebensowenig mächtig war, wie Wilberforce der
deutschen.
 
Selbst von den Kosaken, die in Begleitung der Monarchen mit nach
England gekommen waren, erzählt Wilberforce, daß sie obwohl sonst scheu
gegen Jedermann, sich doch gegen ihn stets freundlich bewiesen hätten.
Vielleicht hatten sie mitangesehen oder erfahren, daß nicht blos ihr
Kaiser mit ihm freundlich gewesen, sondern auch der von ihnen so hoch
geehrte »Marschall Vorwärts.

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