2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 17

William Wilberforce der Sklavenfreund 17


Aber was half es viel, daß Wilberforce bei all' diesen Gelegenheiten,
den Mächtigen der Erde nahezukommen, darauf bedacht nahm, wo es nur
irgend anging, ein gutes Wort für seine Herzenssache einzulegen? Was
half's, daß er sich wegen derselben mit den angesehensten Männern
Frankreichs in Briefwechsel einließ? Was half's, daß der englische
Bevollmächtigte beim Wiener Kongreß die bündigsten Anweisungen erhalten
hatte von seiten des Prinz-Regenten, die Sklavensache mit aller
Entschiedenheit so wie es Wilberforce wünschte, zu betreiben? -- Der
Erfolg all dieser Bemühungen war nur ein sehr geringer. Es wurde nur
erreicht, daß der Sklavenhandel auf einen ganz bestimmten Teil der
afrikanischen Küste beschränkt werden sollte. Denn außer dem Könige
Ludwig XVIII. waren unter den höher gestellten Männern Frankreichs nur
sehr wenige, die sich für die völlige Aufhebung des Sklavenhandels
hatten gewinnen lassen. Daß diese Angelegenheit gerade von England so
nachdrücklich betont, so kräftig betrieben wurde, gereichte ihr am
allerwenigsten zur Empfehlung bei den Franzosen. Wie freudig man auch
in Frankreich aufatmete, daß nun der Druck, welchen der Mann von Elba
geübt hatte, aufhörte, es verdroß dennoch den französischen Hochmut im
stillen, daß sich England allein unter den von ihm bekämpften Mächten
unter diesen Druck nicht hatte beugen lassen.
 
Wer hätte aber denken sollen, daß das, was auf dem Wege friedlicher
Unterhandlungen nicht hatte erreicht werden können, mit einem Male
durch einen Machtspruch dessen hinausgeführt werden würde, der so lange
nicht nur seinem eigenen, sondern auch fremden Völkern das Joch der
Knechtschaft aufgedrückt hatte?
 
Am 1. März 1815 kehrte Napoleon von Elba zurück nach Frankreich,
und wenn auch er sogleich von allen Monarchen Europas in die Acht
erklärt wurde, war doch der Glanz seines Namens für die Eitelkeit der
Franzosen so berückend, daß alle gegen ihn gesendeten Truppen des
Königs dem gefeierten Feldherrn zufielen, und daß er ohne Widerstand
den von dem geflüchteten Ludwig XVIII. verlassenen Thron Frankreichs
wieder einnehmen konnte. Und -- wer hätte sich nicht darüber wundern
sollen? -- eine seiner ersten Regierungshandlungen war die, daß er die
gänzliche Aufhebung des Sklavenhandels verordnete, und zwar für sofort,
ohne daß er sich an die im Pariser Frieden festgesetzte fünfzehnjährige
Frist kehrte.
 
Allerdings dauerte ja die ganze wiederhergestellte Kaiserliche
Herrlichkeit nicht länger als 100 Tage und wurde bei Waterloo und bei
Belle-Alliance durch die Anstrengungen Blüchers und Wellingtons ohne
jegliche Hoffnung auf Wiederauferstehung begraben; aber als Ludwig
XVIII. wieder auf den Thron Frankreichs zurückgekehrt war, mußte es als
eine Unmöglichkeit erscheinen, jenen Machtspruch Napoleons gegen den
Sklavenhandel wieder aufzuheben.
 
Wilberforce freute sich selbstredend dieses erfolgreichen Machtspruchs
von Herzen, wenn er auch deshalb von dem gefallenen Tyrannen keine
bessere Meinung bekam. Er urteilte nach wie vor über ihn als eine
Zuchtrute Gottes für die Völker Europas und drückte sich dahin aus,
als er von seiner Wiederkunft von der Insel Elba hörte: »Er führt
unbewußt den göttlichen Willen aus, und es ist wahrscheinlich, daß
die Leiden, welche er früher über die Nationen Europas gebracht
hat, die beabsichtigte Wirkung der Demütigung und Besserung nicht
hervorbrachten; deshalb ist es ihm erlaubt worden, noch einmal
aufzutreten und die Summe des menschlichen Elends zu mehren.«
 
Es war gleichsam eine prophetische Anwandelung, die Wilberforce am
18. Juni, dem Tage der Schlacht bei Belle-Alliance zu seinen Kindern
sprechen ließ, als er sie bei dem Kirchgange auf dem stillen Dorfe, wo
er sich gerade mit ihnen befand, auf die Schönheit der Natur aufmerksam
machte: »Vielleicht bestehen in diesem Augenblicke, da wir so in
Frieden zum Hause Gottes gehen, unsere braven Soldaten einen heftigen
Kampf in Belgien. O wie dankbar sollten wir für alle Güte Gottes gegen
uns sein!«
 
Nach London zurückgekehrt, erfuhr er, daß sein »vielleicht« zur
Wahrheit geworden war, und zwar aus sicherster Quelle. Denn ein
Adjutant, den Blücher eigens herübergesandt hatte, brachte dem
Prinz-Regenten die Freudenkunde von dem großen Siege, den die Engländer
und Preußen nach heißem Kampfe erfochten hätten.
 
»Hat Ihnen der Marschall Blücher noch einen anderen Auftrag gegeben?«
fragte der Prinz-Regent den willkommenen Boten.
 
»Ja,« antwortete dieser, »er hat mir aufgetragen, Herrn Wilberforce von
allem, was vorgegangen ist, zu benachrichtigen.«
 
»So gehen Sie auf alle Fälle selbst zu ihm,« antwortete der
Prinz-Regent, »Sie werden sich über ihn freuen.«
 
 
 
 
VIII.
 
 
Wilberforce durfte jetzt, wo nur noch Spanien und Portugal an dem
Sklavenhandel festhielten, ohne sich aber voraussichtlich noch lange
dem Drucke der öffentlichen Meinung entziehen zu können, in bezug auf
seine große, heilige Sache hell und freudig in die Zukunft blicken.
Aber um so trüber und trauriger gestaltete sich für ihn persönlich die
Gegenwart.
 
Schon am 15. Januar 1815 nämlich war sein treuer Mitarbeiter und Freund
Henry Thornton gestorben, von welchem er selbst bezeugt, daß derselbe
einer seiner ältesten, genauesten, innigsten und wertvollsten Freunde
gewesen sei, und dessen Verlust ihm um so schwerer fiel, weil er in
christlicher Beziehung auf völlig gleichem Boden mit ihm gestanden
hatte und so ein Austausch der Herzen über die höchsten, heiligsten
Dinge und Fragen des Lebens zwischen ihnen möglich gewesen war.
 
Bald nach demselben starben ihm noch zwei andere Freunde, die seinem
Herzen ebenfalls nahe gestanden hatten, sodaß er an Hannah More
schrieb: »Wie ergreifend! Wir schauen uns alle unwillkürlich um und
fragen mit forschendem Blicke: Wer ist wohl der nächste, Herr? O
möchten diese Warnungen die gehörigen Folgen haben, daß sie uns für die
Vorladung bereit machen!«
 
Und wenn auch nicht +der+ so doch +die+ »nächste« ließ nicht lange
auf sich warten; denn schon am 13. Oktober folgte die Witwe von
Henry Thornton ihrem Gatten nach mit einem Tode, der für den an
ihr Sterbebett berufenen Wilberforce im höchsten Grade erbaulich
wurde. Als er am Morgen ihres Todestages in die Versammlung einer
Hülfs-Bibelgesellschaft ging, konnte er es nicht lassen, dort von dem
tiefen Eindrucke, welchen die Sterbende auf ihn gemacht hatte, beredtes
Zeugnis zu geben.
 
»Ich komme jetzt eben,« sagte er, »von einem Auftritte, wo der Wert des
Buches, dessen Verbreitung der Gegenstand Ihrer Thätigkeit ist, sich
klar entfaltet hat. Ich darf das Zeugnis nicht vorenthalten, welches
hier von der heilenden und siegreichen Wirksamkeit der vom Geiste
Gottes eingegebenen Schrift sich zeigte. Ich komme aus einem Zimmer,
in welchem eine Witwe, umgeben von ihren nun bald völlig verwaisten
Kindern, befähigt ist, dem letzten Feinde ruhig ins Auge zu sehen.
Sie selbst besitzt einen Frieden, welchen nichts trüben kann, da er
die Gabe Gottes ist. Ihre Kinder sind in gewissem Grade im stande,
das Vorgefühl der Hoffnung ihrer Verherrlichung zu hegen. Es ist ein
Auftritt, welchem man beigewohnt haben muß, um den vollen Eindruck
im Herzen zu erforschen: ein Bewußtsein der Zufriedenheit und des
Glücks in den Augenblicken des tiefsten äußeren Mangels und Kummers,
eine Erhebung über die Leiden und Anfechtungen dieses vergänglichen
Lebens. -- Laßt mich fragen: ist dieser Trost in Traurigkeit, diese
Hoffnung im Tode etwa ein Familiengeheimnis, von dem die Menschen im
allgemeinen ausgeschlossen sind? Nein, es ist das, was das Wort Gottes
allen bietet, welche es ergreifen wollen. Wie konnte ich daher umhin,
zu kommen und Ihnen Glück zu wünschen, daß es ihnen gestattet ist,
die geehrten Werkzeuge des Allmächtigen zur Verbreitung einer solchen
Herzstärkung in einer sterblichen Welt zu sein? Wie konnte ich umhin,
mich zu freuen, daß es mir vergönnt ist, mich mit Ihnen zu vereinigen
in den Bemühungen, durch welche diese unvergänglichen Segnungen in
Umlauf gesetzt werden?«
 
Aber es waren nicht blos diese rasch hinter einander folgenden
Todesfälle, wodurch ein trüber, trauriger Schatten in das Leben unseres
Wilberforce fiel, sondern auch ein recht betrübendes persönliches
Erlebnis.
 
Im Parlamente wurde nämlich ein Gesetzesvorschlag eingebracht, wonach
von dem in England eingeführten Getreide ein Zoll erhoben werden
sollte, die sogenannte »Kornbill«. Begreiflicherweise war dies keine
erwünschte Maßregel für alle, die Brot kaufen mußten, weil dasselbe
dadurch notwendig verteuert werden mußte, allein es war eine Maßregel,
die sich zum Schutze der inländischen Ackerbauer als unbedingt nötig
erwies. Wilberforce prüfte gewissenhaft und sorgfältig die Sachlage und
trug, als er sich von der Notwendigkeit des Kornzolles überzeugt hatte,
durchaus kein Bedenken, der Kornbill seine Unterstützung zu teil werden
zu lassen.
 
Da wandte sich trotz seiner sonstigen allgemeinen Beliebtheit der
Unwille des Volkes gegen ihn, und zwar in solchem Maße, daß er es für
angezeigt hielt, eine Schutzwache von 6 Mann in sein Haus zu nehmen,
um sich vor einem zu befürchtenden Sturme des Volkes auf dasselbe zu
schützen. Auch er mußte es also erfahren, welch ein wetterwendisches
Ding die Volksgunst sei und wie wenig es dieselbe verdiene, daß man
begehrlich nach ihr hasche, ihr zu liebe vielleicht gar gegen die
Stimme seines Gewissens handele.
 
So wenig ihn aber die Gunst oder Ungunst des Volkes in seinem Verhalten
irgendwie beeinflussen konnte, so wenig machte er sich auch aus den
Gunstbezeugungen, die ihm von seiten des Hofes zukamen, als dieser
in Brighton seinen Aufenthalt nahm, wo sich Wilberforce jetzt eben
mit seiner Familie aufhielt. Der Prinz-Regent lud ihn zu wiederholten
Besuchen ein und überhäufte ihn mit Artigkeiten. Er trug sogar selbst
Sorge dafür, daß, wenn Wilberforce die Einladung zu Tische angenommen
hatte, nur solche Personen in seine Nähe gesetzt wurden, von denen
er keine Kränkung in seinen religiösen Anschauungen und Gefühlen zu
befürchten hatte.
 
Als ihn sein Schwager Stephen wegen dieser ihm erwiesenen Artigkeiten
neckte und meinte, er würde am Ende doch noch »Peer«, d. h. Mitglied
des Oberhauses, werden, antwortete er, da dürfe man unbesorgt sein, er
werde als William Wilberforce leben und sterben; denn er sehe immer
mehr, daß die Großen in der Welt am meisten zu bemitleiden seien und er
danke deshalb stets seinem Gotte, daß er ihn in eine Stellung geführt
habe, welche für seine Kinder nicht die großen oder wohl noch größere
Versuchungen und Gefahren herbeiführen würde, die er selbst zu bestehen
habe.
 
Auch gab es für diese Gunstbezeugungen des Hofes bald wieder ein
heilsames Gegengewicht in seinem Leben, das ihn, wenn er sich ja
hochmütigen Regungen hätte hingeben wollen und können, alsbald wieder
niederziehen und demütig machen mußte.
 
Nicht allein, daß er von dem Ministerium im Stiche gelassen wurde,
als er die sogenannte »Registerbill« wieder im Parlamente einbrachte,
wonach die Zählung und namentliche Aufzeichnung der Sklaven, wie
sie für die Insel Trinidad angeordnet worden war, und sich dort
sowohl als ausführbar, als auch segensreich bewiesen hatte, für alle
englischen Kolonieen in Westindien angeordnet werden sollte; nein
auch die Gegner der Sklavensache regten sich wieder mit Macht, als
sie inne wurden, welch' zarte Rücksichten das Ministerium damit auf
die Selbstständigkeit der Regierungen in den Kolonieen nahm. Sie
glaubten jetzt jedes weitere Fortschreiten des Sklavenfreundes in
seinen Bestrebungen wirksam hindern zu können, und wählten dazu das
verwerfliche Mittel, dessen Persönlichkeit anzutasten und nicht nur
im Parlamente, sondern auch in Flugschriften, welche sie unter das
Volk warfen, Wilberforce auf das schnödeste zu verdächtigen und
zu verleumden. Man ging darin so weit, daß Wilberforce einmal mit
bitterem Lächeln im Parlamente sagte: »Wenn alles, was mir meine Gegner
vorwerfen, wahr wäre, so hätte ich schon vor 30 Jahren des Todes
schuldig erklärt werden müssen.

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