William Wilberforce der Sklavenfreund 2
Anders war es bei den alten +Römern+, deren ganzes Staatswesen
auf Gewaltsamkeit aufgebaut war und denen die beständig geführten
Kriege zahllose Gefangene als Sklaven zuführten. Bei ihnen galt der
kriegsgefangene Sklave nicht mehr als jede andere tote Kriegsbeute;
er war nur eine Sache, über die dem Herrn das unbeschränkteste
Eigentumsrecht zustand. Er konnte und durfte seine Sklaven ganz
willkürlich verheiraten und dann wieder von Weib und Kind weg
verkaufen, sie wegen Krankheit aussetzen, zum Kampfe mit wilden Tieren
bestimmen oder auch selbst ungestraft töten.
Rom wurde bald der bedeutendste Sklavenmarkt der Welt, und reiche
Römer hatten die Sklaven zu vielen Hunderten. Allein dieselben wurden
keineswegs blos zu den niedersten Knechtsdiensten verwendet, sondern es
gab unter ihnen Ärzte, Schreiber, Dichter, Schriftsteller, Lehrer und
Erzieher.
Erst unter den Kaisern wurde die völlige Rechtlosigkeit der Sklaven
einigermaßen beschränkt. Sie konnten jetzt Testamentserben werden und
Verträge selbständig und rechtskräftig schließen; sie standen unter den
Gesetzen des natürlichen Rechtes, durften z. B. nicht in bestimmten
Verwandtschaftsgraden heiraten; sie konnten, wenn sie ihre Freilassung
erlangt hatten, ihre früheren Herren wegen erlittener Mißhandlungen
gesetzlich belangen. Gegen das Ende der Kaiserzeit war es für die
vornehmen Römer ein Ehrenpunkt, recht viele Freigelassene zu haben, die
zu dem Hause des Befreiers in einer gewissen Beziehung blieben.
So blühte in der ganzen alten Welt die Sklaverei, allerdings zum
größten Nachteile der Sklavenbesitzer selbst, die sich durch die
Sklaverei der freien Arbeit entwöhnten und diese als eine Schande für
den Freigeborenen ansehen lernten, ja der Staaten selber. Man kann wohl
sagen, die alte Welt ging an der Sklaverei zu Grunde, weil sie durch
dieselbe den arbeitenden Mittelstand verlor, ohne den kein Staatswesen
auf die Dauer bestehen kann.
Im Mittelalter nahm die Sklaverei die mildere Form der »Hörigkeit«
an, welche die Freiheit und das Recht der Selbstbestimmung für die
Hörigen keineswegs ganz aufhob. Nur wo das römische Recht volle Geltung
erlangte, fand sich noch wirkliche Sklaverei der Kriegsgefangenen.
Sonst wurden die Bewohner eines eroberten Landes nur gezwungen,
den Grund und Boden zu bearbeiten und dann an die Sieger neben
persönlichen Dienstleistungen, die bestimmt festgesetzt waren, gewisse
Natural-Abgaben von dem Ertrag des ihnen überlassenen Landes zu
entrichten.
Wir haben schon oben erwähnt, daß erst die neuere Zeit sich den
traurigen Ruhm erwarb, die Negersklaverei eingeführt und die Ansicht
in Gang gebracht zu haben, daß die Neger eigentlich gar keine rechte
Menschen seien, und daß es für die Weißen nichts Unmenschliches,
sondern etwas völlig Berechtigtes sei, sie in die Sklaverei zu
schleppen und sich ihre rohe Kraft dienstbar zu machen.
Schon um's Jahr 1440 brachten die Portugiesen Negersklaven in den
Handel und im Jahre 1460 bestand in der portugiesischen Hauptstadt
Lissabon ein öffentlicher Markt, auf welchem Neger zum Kaufe gestellt
wurden.
Wie man dieselben erhielt? -- Durch Raubzüge, die man auf den Küsten
Afrikas veranstaltete und auf denen man alle Neger, deren man
habhaft werden konnte, einfing und sie in möglichst großer Zahl enge
zusammengepfercht in kleine, schnellsegelnde Schiffe packte. Ging
dabei auch ein großer Teil der Eingefangenen und vielleicht schwer
Verwundeten zu Grunde, so wurde doch noch immer an den Überlebenden ein
so großer Gewinn gemacht, daß die Habsucht reiche Befriedigung fand
und die auf solche Raubzüge verwendeten Kosten hohe Zinsen trugen. Als
diese Raubzüge sich nicht mehr lohnten, weil die Neger, durch Schaden
klug gemacht, auf ihrer Hut waren und sich in das Innere des Landes
und seine unzugänglichen Schlupfwinkel zurückgezogen, sobald sich ein
Schiff an der Küste blicken ließ, auch den räuberischen Weißen blutigen
Widerstand leisteten und den Tod der Gefangenschaft vorzogen, da suchte
man mit den Negerhäuptlingen Verträge abzuschließen, welche diese
verpflichteten, gegen nichtigen Tand und geringwertige Zeuge und Geräte
ihre Untergebenen an die Weißen zu verkaufen. Wo die Überredung dabei
nicht zum Ziele führte, mußte der Branntwein helfen, den halb oder ganz
Trunkenen die Einwilligung abzupressen.
Einen besonderen Aufschwung nahm die Negersklaverei und der grausame
Handel mit den armen Schwarzen nach der Entdeckung Amerikas zu Ende des
15. Jahrhunderts, denn die Spanier und Portugiesen erkannten bald, daß
die eingeborenen Indianer der neuentdeckten Länder viel zu schwächlich
seien, um die reichen Schätze, welche dort der üppige Boden und der
Reichtum des Erdinnern an edlen Metallen in Aussicht stellten, in
dem Maße zu heben, wie es die Habsucht und die entflammte Geldgierde
begehrten. Für Europäer aber erwies sich das Klima als ein zu
mörderisches, als daß man hätte daran denken dürfen, solche zu schwerer
Arbeit zu verwenden. Überdies wollten diejenigen Europäer, welche nach
dem neuentdeckten Weltteile hinüberzogen, nichts weniger als schwer
arbeiten, sondern waren nur von der Sucht getrieben, drüben, wo man das
Gold auf der Straße zu finden hoffte, recht schnell reich zu werden und
dann mit Gold beladen wieder heimzukehren.
So schien es als das beste, ja als das allein mögliche, um die
kostbaren Entdeckungen recht auszubeuten, daß man die kräftigen, an das
heißeste Klima gewöhnten Neger nach Amerika verpflanzte. Und je mehr es
sich bewährte, daß dieselben das für die Europäer so verderbliche Klima
auch bei der schwersten Arbeit prächtig ertrugen, desto mehr befestigte
sich die Meinung und gestaltete sich allmählig zu einem unbestreitbaren
Grundsatze, an dem niemand zu rütteln wagen durfte, daß die Neger für
die westindischen Pflanzer ganz und gar unentbehrlich seien.
Über die Frage, ob es recht sei, sie gewaltsam zu rauben und in
die Ferne zu schleppen, setzte sich die gewissenlose Habsucht und
Goldgierde leicht hinweg, oder, wo noch ein Gewissen sich regte, sie
zu erheben, da mußte jene Stelle der heiligen Schrift (1. Mos. 9, 25,
27) über alle Bedenken hinweghelfen, durch die man den Beweis erbracht
sah, daß die Nachkommen Kanaans, als die man die Schwarzen betrachtete,
nach göttlicher Ordnung für alle Zeiten bestimmt seien, den Fluch der
Knechtschaft zu tragen.
Die Wildheit der eingeführten Neger, die nur mit Zähneknirschen das
aufgelegte Joch trugen, ihre für die Bewohner gebildeter Länder
abschreckende Rohheit, ihre von derjenigen der Weißen so sehr
abweichende Gesichtsbildung, alles dies brachte nun weiter leicht die
Behauptung zur allgemeinen Geltung, die Schwarzen seien eigentlich
nur Halbmenschen, welche nicht viel über dem Tiere ständen, und in
bezug auf welche deshalb auch die wirklichen Menschen, die Weißen,
das Gottesgebot für sich in Anspruch nehmen dürften, daß sie sich die
Erde unterthan machen und über alle ihre Geschöpfe herrschen sollten.
Das allein reichte freilich schon hin, für die Negersklaven von seiten
ihrer Herren eine Behandlung herbeizuführen, die bei ihnen durchaus
keine Menschenwürde mehr gelten ließ. Aber diese üble Behandlung mußte
sich notwendigerweise noch steigern, wenn es galt, die Neger zur Arbeit
anzuhalten, und das Kapital, welches man auf ihren Ankauf verwandt
hatte, und welches noch fort und fort ihre Unterhaltung erforderte, mit
möglichst hohem Gewinn aus ihrer Arbeit herauszupressen. Denn da konnte
nur der härteste Zwang die angeborene Trägheit der Neger überwinden,
und nur der furchtbaren Peitsche aus Nashornhaut, die schonungslos
die nackten Schultern zerfleischte, konnte es gelingen, jede leiseste
Regung der Wut und des Widerstandes gegen die unbarmherzigen Peiniger
im Keime schon zu ersticken.
Daß solche Wut dennoch bei den leidenschaftlichen, heißblütigen
Schwarzen gelegentlich zum Ausbruche kam und sich dann in Grausamkeiten
gegen die verhaßten Peiniger entlud, welche jeder Beschreibung spotten,
konnte natürlich die Behandlung der Neger nicht besser machen und
wurde nur als Beweis dafür geltend gemacht, daß ihnen gegenüber nur
die furchtbarste Härte am Platze und im stande sei, die Weißen davor
zu schützen, daß sie nicht von der überlegenen Körperkraft der Neger
zermalmt würden, zumal da, wo, wie auf einsam gelegenen Pflanzungen,
die Weißen in einer ganz verschwindenden Minderzahl ständen.
Wie allgemein verbreitet und wie fest gegründet die Ansicht von
der Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit der Negersklaverei und des
Negerhandels im Anfange des 16. Jahrhunderts war, beweist wohl nichts
besser als der Umstand, daß selbst der edle Las Casas, der treue
Freund und unermüdliche Schützer der amerikanischen Indianer, die
Negersklaverei nicht für unchristlich ansah, wenn es auch durchaus
falsch ist, daß er seinen Indianern zu Liebe selbst die Negersklaverei
eingeführt oder doch wesentlich gefördert habe. Erst gegen Ende
seines Lebens ging ihm in betreff der Negersklaverei eine richtigere
Erkenntnis auf und eine tiefe Reue darüber, daß er die Negereinfuhr
gebilligt habe.
Wir haben schon erwähnt, daß bereits ums Jahr 1460 in der
portugiesischen Hauptstadt Lissabon ein förmlicher Markt für
Negersklaven bestand. Die Portugiesen blieben auch fortan die
Hauptsklavenhändler, während die Spanier für sich selbst bald den
Sklavenhandel einstellten und sich durch Verträge mit anderen Nationen
die für ihre westindischen Besitzungen nötigen Sklaven verschafften.
So übernahm es im Jahre 1715 England vertragsmäßig, den Spaniern ihre
Sklaven zu liefern und bedingte sich sogar das Recht aus, ihnen 144000
Neger in die Sklaverei zu verkaufen.
Denn nachdem im Jahre 1525 die ersten Negersklaven in England
gelandet und verkauft waren, blühte dort der Sklavenhandel, an dem
die öffentliche Meinung nicht den geringsten Anstoß nahm, rasch auf,
begünstigt selbst von den Königen, die von den Sklavenhändlern hohe
Abgaben erhoben.
Von 1750 bis 1783 wurden etwa 30000 Neger jährlich unter englischer
Flagge in die Sklaverei geführt, besonders von Liverpool aus, das zum
Hauptstapelplatze des Negerhandels wurde. Im Jahre 1771 hatte diese
Stadt 105 Schiffe, die sich lediglich mit dem Sklavenhandel befaßten
und eigens dafür eingerichtet waren, während London nur 85, Bristol
nur 25 solcher Schiffe hatte. Während man den Menschenverlust, den
Afrika durch den Negerhandel erlitt, auf 40 Millionen Menschen schätzt,
berechnet man den Gewinn, welchen England aus diesem Handel zog, auf
400 Millionen Dollars, also über 1600 Millionen Mark!
Indessen gaben sich auch noch andere Nationen, wenn auch in geringerem
Maße, mit dem Negerhandel ab. Denn es war ein holländisches Schiff,
welches im Jahre 1620 die ersten Sklaven in Nordamerika landete,
und zwar zu Jamestown in Virginien und so den Grund legte zu der
bedeutenden Negereinfuhr, die nun auch dort, besonders in den südlichen
Staaten, in den Gang kam und nachweisbar von 1620 bis 1740 etwa 130000,
von da bis 1776 etwa 300000 Neger in die nordamerikanischen Staaten
brachte.
Die Ansichten über die Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit des
Sklavenhandels, die sich in Europa gebildet hatten, verpflanzten sich,
von Eigennutz und Gewinnsucht getragen, rasch dorthin und gewannen
so festen Grund in der öffentlichen Meinung, daß selbst die strenge
Sekte der Quäker in Pennsylvanien die Sklaverei an sich nicht, sondern
nur die dabei vorkommenden Gräuel mißbilligte. Allein die in diesen
Staat eingewanderten Deutschen protestierten von vornherein gegen die
Sklaverei als gegen etwas unsittliches und besonders unchristliches
und verlangten schon im Jahre 1688 bei der Volksvertretung die
unbedingte Abschaffung derselben. Sie verschafften dadurch dem
deutschen Namen den unvergänglichen Ruhm, zuerst gegen die grauenhaften
Zustände der Negersklaverei öffentlich aufgetreten zu sein. Ehre
jenen unerschrockenen Männern, die es wagten, gegen die gegenteilige
öffentliche Meinung ihre bessere Überzeugung tapfer zu vertreten!
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