2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 3

William Wilberforce der Sklavenfreund 3


Allerdings fehlte es auch schon früher nicht an Einzelnen, welche
sich wider die Sklaverei erhoben; aber es handelte sich dann stets
um weiße Sklaven. So kaufte schon im 6. Jahrhundert der Bischof von
Rom, Gregor der Große, britannische Jünglinge, welche in römische
Kriegsgefangenschaft geraten und in Rom zum Verkaufe gestellt waren,
los, unterwies sie sorgfältig im Christentum und ließ sie dann als
Freie in ihre ferne Heimat zurückbringen, daß sie dort das Christentum
ausbreiteten.
 
Im Jahre 1270 schlossen England und Frankreich einen heiligen Bund,
der zum Zwecke hatte, die Raubstaaten an der nordafrikanischen Küste,
die sogenannten Barbareskenstaaten Algier, Tunis und Tripolis,
zu züchtigen, welche die durch Seeraub erlangten Schiffer oder
Küstenbewohner des mittelländischen Meeres als Sklaven zu verkaufen
pflegten, und setzten ihre Bemühungen auch später noch fort, ohne
jedoch den Sklavenhandel dieser Raubstaaten ganz unterdrücken zu
können. Erst in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts wurde diesem
schmählichen Handel durch die Eroberung und Kolonisation Algiers von
seiten der Franzosen ein Ende gemacht.
 
Gegen den Negerhandel jedoch erhob sich die öffentliche Meinung erst
zu Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts, und zwar besonders
infolge der eifrigen Bemühungen der englischen Quäkersekte und ihrer
Führer G. Fox und W. Penn. Als es ihnen gelungen war, durch Wort und
Schrift die Gewissen aufzuwecken, begann in England der Kampf gegen die
Sklaverei und nahm nun von Jahr zu Jahr größeren Umfang an, wie sehr
auch die westindischen Sklavenhalter und die englischen Sklavenhändler
alles aufboten, denselben lahm zu legen. Und man muß es den Engländern
lassen, daß sie die schwere Schuld, die sie den armen Schwarzen
gegenüber auf sich geladen hatten durch den von ihnen getriebenen und
geduldeten Negerhandel, redlich abzuzahlen bemüht gewesen sind und
noch immer sich bemühen. Denn sie sind es, die mit schweren Kosten für
den Staat an den afrikanischen Küsten beständig Wachtschiffe kreuzen
lassen, um den Sklavenhändlern ihre Beute abzujagen, und wenn der
Kommandant des englischen Geschwaders, welches diesen edlen Zweck zur
Ausführung bringen soll, noch im Jahre 1880 an der Ostküste Afrikas 60
Sklavenschiffe weggenommen und 855 Negern wieder zur Freiheit verholfen
hat, so beweist das ebensowohl, daß der Sklavenhandel noch heute
keineswegs völlig unterdrückt ist, wie auch das, daß England nach wie
vor beharrlich und redlich bemüht ist, den Schandfleck abzuwaschen, den
der Sklavenhandel auf den englischen Namen gebracht hat.
 
Auch die nachfolgenden Blätter sollen den lieben Lesern einen
englischen Mann vorführen, der zu seiner Zeit ein Hauptförderer
dieser Bemühungen gewesen ist, und der deshalb nicht blos den Namen
des »Sklavenfreundes« mit vollem Fug und Rechte verdient, sondern
ebensosehr es verdient, daß sein Andenken von jedermann in hohen Ehren
gehalten wird.
 
 
 
 
II.
 
 
+William Wilberforce+ -- so heißt der Ehrenmann, um den es sich
handelt -- wurde geboren am 24. August des Jahres 1759 zu Hull in der
Grafschaft York, und zwar als der einzige Sohn unter vier Kindern,
von denen zwei Schwestern schon in früher Kindheit wieder verstarben.
Sein Vater Robert Wilberforce leitete seine Abkunft von einer alten,
vornehmen Familie her, die lange Zeit hindurch im östlichen Teile
der Grafschaft York ein ausgedehntes Stammgut besessen habe, war
aber jedenfalls ein nach unseren Begriffen reicher, nach englischen
Begriffen wohlhabender Mann. In Gemeinschaft mit seinem Vater, der bis
in sein Alter hinein das entscheidende Familienhaupt geblieben zu sein
scheint, betrieb er ein ausgedehntes Handelsgeschäft und verwaltete den
großen Landbesitz, den die Familie hatte.
 
Der kleine William kam als feines, krausgliedriges Kind zur Welt
und hat die Körperschwachheit, mit welcher er ins Leben eintrat,
bis zu seinem Lebensende nicht völlig zu überwinden vermocht. Aber
wer ihm in die hellen, geistvollen Augen sah, konnte ihm schon an
der Wiege prophezeien, daß einmal etwas Rechtes aus ihm werden
würde. Zum Knabenalter herangewachsen, entwickelte er trotz seines
schwächlichen Körpers eine ungemeine Lebhaftigkeit und ein reiches,
tiefes Gemütsleben, das ihn schnell zum Liebling aller machte.
Außergewöhnlich frühe entfaltete er eine große Redefertigkeit, wie sie
Kindern seines Alters in der Regel nicht eigen ist und erinnert damit
an das allbekannte Sprüchlein: Was ein Dörnchen werden will, spitzt
sich bei Zeiten.
 
Noch ehe er das zehnte Lebensjahr erreicht hatte, verlor er seinen
Vater, und da die Mutter sich wohl selbst nicht für fähig hielt,
den lebhaften Knaben richtig zu erziehen, wurde er zu einem Oheim
von väterlicher Seite gebracht, der mit ihm denselben Namen hatte,
vielleicht also sein Pate war.
 
Hier im Hause des Oheims fand er denn, was ihm weder die Schule zu
Hull, die er bis jetzt besucht hatte, noch auch das Elternhaus gegeben:
einen echt christlichen, frommen Geist. Die Tante gehörte der Sekte
der Methodisten an, und wie sie selbst eine warme, aufrichtige Liebe
zu Gottes Wort und eine tiefe Erkenntnis seiner heiligen Wahrheiten
besaß, so suchte sie beides auch dem jungen Neffen einzupflanzen.
Schien doch dessen reiches, tiefes Gemüt so recht dazu geeignet, die
göttliche Wahrheit freudig in sich aufzunehmen und nachhaltig in sich
wirken zu lassen. Was die eigne Mutter, die erst spät zum lebendigen
Christentum kam, an dem sinnigen Knaben versäumt hatte, suchte die
Tante desto eifriger nachzuholen und gewann durch die liebreiche Art
ihrer erziehlichen Einwirkung einen nachhaltigen Einfluß auf Williams
Gemüt.
 
Allein das still ernste, fromme Wesen, welches dadurch bei dem Knaben
einkehrte und sich bei seinen gelegentlichen Besuchen im Elternhause
deutlich genug kundgab, war keineswegs weder nach dem Sinn der Mutter
noch des Großvaters, der ebensowenig wie diese für ein ernstes
Christentum viel übrig hatte. Man befürchtete, die fromme Tante werde
den Jungen ganz zu ihrem Methodismus und zu dessen Weltflüchtigkeit
herüberziehen, und ihn dadurch zu der hohen, glänzenden Lebensstellung
untüchtig machen, zu der ihn seine reichen Geistesgaben einmal führen
zu müssen schienen.
 
William wurde deshalb schon wieder 1771 nach Hull ins Elternhaus
zurückgerufen und sowohl die Mutter wie der Großvater boten alles
auf, die frommen Eindrücke wieder zu verwischen, die er bei der Tante
empfangen hatte. Der Großvater drohte ihm sogar damit, ihn enterben
zu wollen, wenn er das häßliche methodistische Wesen nicht ablege. Da
die Mutter ein reiches geselliges Leben liebte und das Haus selten
von Gästen leer war, so konnte es kaum ausbleiben, daß der lebhafte
zwölfjährige Knabe seine bisherigen Lebensgewohnheiten bald vergaß
und mehr und mehr an den Zerstreuungen und Genüssen eines weltlichen
geselligen Lebens Geschmack gewann. Die eifrige Beschäftigung mit
dem Worte Gottes, die ihm die Tante beim Abschied noch besonders auf
das Gewissen gebunden hatte, nahm von Tag zu Tag mehr bei ihm ab,
und bald ergötzten ihn die weltlichen Dichter Englands, die man ihm
geflissentlich in die Hände spielte, mehr als die einfachen kunstlosen
Worte des heiligen Buches.
 
Aber trotzdem konnte der gute Same, den die fromme Tante in das
kindliche Herz ausgestreut hatte, nicht ganz erstickt werden. Ein
ernster Sinn, der durch das zerstreuende gesellschaftliche Leben wohl
für Tage und Wochen in den Hintergrund geschoben werden konnte, aber
dennoch sich immer wieder geltend machte, wenn in der häuslichen
Geselligkeit größere Ruhepausen eintraten, blieb der unverlierbare
Gewinn des Aufenthalts im Hause des Oheims. Und wenn derselbe auch an
der Beschäftigung mit den weltlichen Dichtern, die für den Knaben
einen hohen Reiz besaß, einen gefährlichen Feind hatte, so gewann
doch William durch diese Beschäftigung die außergewöhnlich große
Fertigkeit im mündlichen und schriftlichen Ausdrucke, welche ihm in
seinem späteren Leben so sehr zu statten kam. Durfte er es doch wagen,
schon als 15jähriger Knabe einen Aufsatz gegen den Sklavenhandel,
dessen Gräuel schon jetzt sein mitleidiges Herz schaudern machten, an
den Herausgeber einer öffentlichen Zeitschrift einzusenden, ohne daß
derselbe als ein knabenhaftes Machwerk eine Zurückweisung erfahren
hätte!
 
Schon mit 17 Jahren war der reichbegabte William in seinen Kenntnissen
so weit gefördert, daß er für den Besuch des St. Johns College auf der
Universität Cambridge für reif erachtet werden konnte und dasselbe auch
wirklich bezog, um den Kreis seiner Kenntnisse noch mehr zu erweitern
und sich jene allgemeine Geistesbildung zu erwerben, die zur Erlangung
einer geachteten Lebensstellung unerläßlich war. Denn von einem
besonderen Lebensberuf, zu dem er sich hätte vorbereiten müssen, war
einstweilen keine Rede bei ihm.
 
Allein es sollte mit seinem Studieren vorläufig nicht viel werden. Denn
kaum hatte er die Universität bezogen, so starben rasch hinter einander
sowohl sein Großvater als auch sein Oheim. Als der einzige männliche
Sproß der Familie erbte William nach dem englischen Gesetze das ganze
väterliche und großväterliche Vermögen, und da der Oheim keine Kinder
hatte, so fiel ihm auch dessen bedeutendes Vermögen zu. So saß denn
der Jüngling plötzlich dem Überflusse im Schoß und sah sich all den
mannigfaltigen Versuchungen ausgesetzt, welche derselbe im Gefolge hat.
 
Bald sammelten sich um den reichen Erben eine Schar leichtfertiger
Gesellen, die ihm helfen wollten, seine Schätze in einem
ausschweifenden Leben zu vergeuden und die sich so diese Schätze selbst
zu nutze zu machen suchten. Allein wie sie sich auch an ihn drängten,
es gelang ihnen nicht, ihn in den Kot ihrer gemeinen niedrigen Genüsse
hineinzuziehen; der gute Geist, den ihm die fromme Tante eingeprägt
hatte, verleugnete sich nicht, sondern wurde ihm Schirm und Schild,
sodaß er sich schon nach kurzer Zeit mit Ekel von der schlechten
Gesellschaft abwandte.
 
Er suchte besseren Umgang und fand ihn auch. Denn seine vortreffliche
Unterhaltungsgabe, sein schlagfertiger, treffender Witz, sein schöner
Gesang, seine allerdings nicht unbedenkliche Kunst, andere Menschen
in ihrem Gebahren täuschend nachzuahmen, vor allen Dingen aber sein
liebenswürdiges, gemütvolles Wesen: das waren lauter Vorzüge, die
schnell einen weiten Kreis von Freunden um ihn sammelten und ihn zum
geschätzten und geliebten Mittelpunkte desselben machten. Mit ernstem
Studieren wurde es da freilich nicht viel, da William bei allen
Vergnügungen seiner jugendlichen Freunde zugegen sein mußte und von
ihnen, wenn er sich auch einmal zurückhalten wollte, mit freundlicher
Gewaltsamkeit zur Teilnahme genötigt wurde.
 
Wenn er auch in seinem späteren Leben es oft bedauern mußte, seine
Lernzeit mehr den Vergnügungen als den Studien gewidmet zu haben, und
den eifrigsten Fleiß aufzuwenden genötigt war, um das in der Jugend
Versäumte wieder nachzuholen, so fand er doch auch in dem Strudel der
Geselligkeit, dem er sich überließ, manche wertvolle Bekanntschaft, die
ihm sonst vielleicht entgangen wäre. So schloß er mit dem nachmals so
berühmt gewordene Staatsmann Pitt schon hier auf der Universität einen
Freundschaftsbund, der nachher für das ganze Leben vorhielt und ihm
nicht blos für das studentische Leben einen gewissen Halt gab und ihn
den Ernst des Lebens nicht ganz vergessen ließ, sondern ihm auch für
die Folgezeit von großem Vorteile war.
 
Wie wenig das freie lustige Studentenleben vermocht hatte, ihn
völlig um den Lebensernst zu bringen, zu welchem durch den Einfluß
der Tante ein so guter Grund gelegt worden war, zeigte sich auch bei
seinem Abgange von der Universität. Da sollte er, um den Grad und
Titel zu erlangen, der in der Regel den Abgehenden beigelegt wurde,
die Glaubensartikel der englischen Staatskirche unterschreiben und
sich durch seine Unterschrift zur Annahme derselben verpflichten.
Aber weil es um seine genaue Bekanntschaft mit diesen Artikeln etwas
bedenklich aussehen mochte, verbot es ihm seine Gewissenhaftigkeit
und Ehrlichkeit, dieselben so leichtfertig und gedankenlos zu
unterschreiben. Er verweigerte deshalb seine Unterschrift und mußte
sichs gefallen lassen, ohne einen Grad und Titel die Universität zu
verlassen.
 
Am nächsten hätte es wohl jetzt für unsren Wilberforce gelegen, in das
von seinem Vater und Großvater geführte Handelsgeschäft einzutreten,
welches nach deren Tode ein Verwandter für seine Rechnung weiter
geführt hatte. Nicht blos, daß ihm dadurch eine ruhige, bequeme
Lebensaufgabe zu teil geworden wäre, nein es winkte ihm auch dabei eine
behagliche und doch ehrenvolle Lebensstellung.
 
Aber sein lebhafter, strebsamer Geist konnte sich an einer solchen
Aufgabe und Stellung nicht genügen lassen; es lockte ihn vielmehr,
statt in die ruhige Stille des Privatlebens in die geräuschvolle Unruhe
des öffentlichen Lebens einzutreten. An diesem Entschlusse war ohne
Zweifel der nahe Umgang mit seinem Universitätsfreund Pitt wesentlich
schuld, der schon von Haus aus für den Staatsdienst und die Geschäfte
des öffentlichen Lebens bestimmt gewesen war und dem es dann auch
offenbar gelungen war, dafür dem Freunde Geschmack beizubringen.

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