2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 22

William Wilberforce der Sklavenfreund 22


Wie gerne gab er seine Zustimmung dazu, daß selbst eine Entschädigung
von 20 Millionen Pfund Sterling (= 400 Millionen Mark), welche an die
Sklavenbesitzer sollte bezahlt werden, dem Lande aufgebürdet werde.
 
Wie zuversichtlich schrieb er am Anfange des neuen Jahres an einen
alten Freund und Kampfgenossen: »Ich wünsche Ihnen Glück, in ein
Jahr eingetreten zu sein, das sich, wie ich zuversichtlich hoffe,
dadurch auszeichnen wird, daß Sie sehen, wie dem mit Fluch beladenen
Sklavenhandel der letzte tötliche Schlag gegeben, und die Freilassung
der westindischen Sklaven endlich zu stande gebracht wird!«
 
 
 
 
X.
 
 
Hatte Wilberforce bisher schon, wenn er von dem Tode solcher vernahm,
die ihm lieb und wert gewesen waren, immer an den eigenen Tod gedacht
und sich nicht gegen die Mahnung verschlossen, die noch übrige
Lebenszeit zur Vorbereitung auf denselben zu benutzen, so mußte ihm
jetzt, wo er seine Lebenskraft von Tag zu Tage abnehmen fühlte, dieser
Gedanke noch näher treten, diese Mahnung noch wichtiger werden.
 
Und es sollte jetzt auch in der That rasch mit seinem Leben zu Ende
gehen. Als der 74jährige Greis im April 1833 seinen auf der Insel Wight
angestellten Sohn besuchen wollte, wurde er von der Grippe befallen,
die ihn schon öfters heimgesucht hatte, von der er aber immer in den
heilsamen Bädern von Bath Heilung gefunden. Auch jetzt wurde er von
den besorgten Seinigen wieder dorthin gebracht und blieb dort 2 ganze
Monate. Aber die gehoffte Heilung wollte nicht eintreten. Im Gegenteile
nahmen seine Kräfte zusehends ab, sodaß die Seinigen es für geraten
hielten, ihn, ehe seine Kräfte noch weiter schwänden, nach London zu
bringen und ihn dort der Pflege eines berühmten Arztes zu übergeben,
der ihn schon einmal von der gleichen Krankheit schnell geheilt hatte.
 
Wilberforce fügte sich dem Wunsche seiner Angehörigen, obwohl es ihm
selbst unzweifelhaft war, daß er keines irdischen Arztes mehr bedürfe.
Er wollte sich eben in kindlicher Demut allem unterwerfen, was nur
irgendwie als dem Willen Gottes entsprechend erschien, und dankte stets
Gott für die Gnade, daß er ihn durch kein härteres Leiden prüfe, zumal
durch kein solches, wodurch ihm die Klarheit des Geistes getrübt worden
wäre.
 
Und wie klar blieb sein Geist! Ja wie gingen ihm die Geistesaugen
heller und immer heller auf, die eigene Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit
vor Gott zu erkennen, aber auch in die Fülle der Gnade Gottes in
Christo Jesu tiefe, beseligende Blicke zu thun! Immer wieder bezeugte
er, daß er nicht wert sei der Barmherzigkeit und Treue, die Gott an ihm
während seines ganzen Lebens gethan habe; immer wieder pries er mit
den höchsten, begeistertsten Worten die Gnade, die ihn das höchste und
beste habe gewinnen lassen, was es für den Menschen geben könne, den
inneren Frieden, der in der Erlösung des Sohnes Gottes so festen und
gewissen Grund habe.
 
»In Rücksicht auf mich selbst«, sagte er zu einem lieben alten Freund,
der ihn auf seinem Krankenlager besuchte, und ihn auf die zukünftige
Herrlichkeit verwies, welcher er mit Zuversicht entgegensehen dürfe,
»in Rücksicht auf mich selbst habe ich nichts so sehr mit Nachdruck zu
wiederholen als die Bitte des Zöllners: Gott, sei mir Sünder gnädig.«
 
»Wenn ich bedenke, wie viel arme Leute leiden ohne die
Bequemlichkeiten, welche ich habe, und die gütigen Freunde, welche um
mich sind, so bin ich ganz beschämt darüber, wie es mir so gut geht.«
Das war ein anderes seiner tief demütigen, dankerfüllten Worte.
 
Auch klagte er, wie er denn sein Leben lang sich selber nie genug
gethan und sich stets für einen unnützen Knecht bekannt hatte, jetzt
besonders darüber, daß er nicht mehr mit denen, die ihm nahe getreten
seien, gebetet und sie nicht genug auf den rechten Weg gewiesen habe.
 
Stets waren seine Gedanken dem Heilande zugewandt, besonders wenn er
Schmerzen hatte. In solch einer Stunde sagte er zu seinem Sohne Henry,
der an sein Krankenlager geeilt war, und dem wir all die schönen Worte
aus dem Munde des Sterbenden zu verdanken haben, die sich seinem
Gedächtnisse unauslöschlich einprägten: »Gedenke daran, daß unser
Heiland vom Himmel gekommen ist, und wenn uns ein kleiner Schmerz schon
empfindlich ist, was hat Er nicht alles erduldet! Gewiß der Gedanke an
die Leiden unseres Heilandes erregt Staunen und Verwunderung.«
 
Brachten ihm die zahlreichen Freunde, welche die Parlamentssitzung
nach London zusammengeführt hatte und die es nicht versäumten, den von
ihnen allen so hoch Geehrten fleißig zu besuchen, zarte Beweise ihrer
Aufmerksamkeit und Teilnahme dar, so sagte er nachher wohl: »Wie ganz
anders würden sie mich beurteilen und ansehen, wenn sie mich wahrhaft
kennten!«
 
Am Freitage, den 26. Juli ließ sich der Kranke, um den herrlichen
Sommertag zu genießen, auf seinem Stuhle ins Freie tragen; denn seine
Schwäche ließ es ihm nicht mehr zu, auf den eigenen Füßen das Zimmer zu
verlassen. Es war der Tag, an dem ein Gesetzesvorschlag wegen völliger
Abschaffung der Sklaverei zum zweiten Male im Parlamente vorkam und
auch zur Annahme gelangte. Als ihm die Nachricht davon überbracht und
mitgeteilt wurde, daß auch die großen Geldopfer, die zur Entschädigung
der Sklavenhalter für nötig erachtet wurden, kein Hindernis der Annahme
des Gesetzes geworden seien, wie jubelte da der Leidende auf, der nun,
was er als Jüngling gedacht, als Mann mit rastloser Ausdauer erstrebt
hatte, vor seinem Ende noch mit dem sehnlich erwarteten Erfolge gekrönt
sah! Mit welch inniger Dankbarkeit erhoben sich seine Blicke hinauf
zu dem wolkenlosen Himmel, und falteten sich seine Hände bei dem
Gebetsrufe: »O mein Gott, wie danke ich Dir, daß Du mich hast leben und
ein Zeuge des Tages sein lassen, an dem sich England bereit erklärt
hat, 20 Millionen Pfund für die Abschaffung der Sklaverei zu geben und
sich von dieser Schande zu befreien!«
 
Wie ein stärkender Balsam schien diese Nachricht auf ihn zu wirken.
Denn er fühlte sich am Abende dieses Tages so wohl und heiter, daß man
sich schon der Hoffnung hingab; es werde doch noch möglich sein, ihn
von London wegzubringen zu einem seiner Söhne, damit er im engsten
Familienkreise seine Heimfahrt halte, an deren Nähe jetzt kaum mehr
zu zweifeln war. Mit besonderer Inbrunst nahm er an der Abendandacht
teil und freute sich der zarten Pflege und Aufmerksamkeit, die ihm alle
widmeten.
 
»Was kann ein Mensch«, rief er aus, »zum Schlusse seines Lebens mehr
wünschen, als von seiner Frau und von seinen Kindern gepflegt zu
werden, welche alle in Freundlichkeit und Liebe gegen ihn wetteifern!«
 
Jedoch die ungewöhnliche freudige Aufregung dieses Tages blieb nicht
ohne Rückschlag. Am späten Abende stellte sich bei dem Kranken eine
große Schwäche ein, und der folgende Tag brachte mehrere Schlaganfälle,
die sein Gedächtnis schwächten und ihm große Leiden verursachten.
Die Erklärung des Arztes, daß, wenn er diese Anfälle überlebe, noch
schwerere Leiden, ja eine Störung des Verstandes in Aussicht ständen,
mußte nun die Seinigen es als eine Gnade von Gott erbitten lassen, daß
sein Ende nicht mehr allzu ferne sein möge.
 
»Ich bin in einem sehr leidenden Zustande«, klagte er am Sonntage in
einem Augenblicke, da er ganz hellen, lichten Geistes war.
 
»Ja«, antwortete man ihm, »aber Sie haben ihren Fuß auf dem Felsen.«
 
»Ich wage nicht«, erwiderte er, »dies so bestimmt zu behaupten, aber
ich hoffe, ich habe ihn darauf.«
 
Das waren seine letzten vernehmbaren Worte, und am Montage, den 29.
Juli 1833 frühe morgens 3 Uhr hauchte er seinen letzten Seufzer aus.
 
Wer dürfte zweifeln, daß mit demselben die Seele des treuen
Sklavenfreundes einging zu dem, der seines Herzens Trost und Teil war,
weil er mit seinem heiligen Versöhnungs- und Erlösungsblute aller
Sklaverei ein Ende gemacht hat, daß sie einging zu der herrlichen
Freiheit der Kinder Gottes?
 
Auf 73 Jahre 11 Monate hatte Wilberforce das reich gesegnete Erdenleben
bringen dürfen, das wir aus den vorstehenden Blättern zu schildern
versucht haben; aber für alle Zeiten wird sein Gedächtnis währen
überall, wo man nach denen fragt, und um die sich bekümmert, welche in
Wahrheit Wohlthäter der Menschheit gewesen sind.
 
Oder dürftest Du jetzt noch bezweifeln, lieber Leser, daß Wilberforce
in der That ein solcher gewesen ist.
 
Hat er nicht durch unermüdliches Wirken demjenigen Teile der
Menschheit, welcher vorher unbeanstandet das furchtbare Joch einer
leib- und seelenmörderischen Knechtschaft getragen hatte und in der
öffentlichen Meinung mit den Tieren fast auf gleiche Stufe gestellt
gewesen war, nicht allein zur Milderung seiner Leiden geholfen, sondern
auch zur Anerkennung seiner Menschenwürde und Menschenrechte?
 
Hat er nicht den übrigen Teil der Menschheit, der in seiner Verblendung
der schwarzen und farbigen Rasse ohne Bedenken jenes furchtbare
Joch der Sklaverei auferlegen zu dürfen geglaubt hatte, die Augen
aufgethan und das Gewissen geschärft, das Jahrtausende hindurch geübte
himmelschreiende Unrecht zu erkennen, und so den Fluch von ihm wenden
helfen, der aus solchem Unrecht notwendig erwachsen muß?
 
Hat er nicht -- und das möchten wir als die höchste Wohlthat preisen,
die er der Menschheit erwiesen -- durch sein ganzes Leben und Wirken
es jedem, der nur sehen +will+, klar und unwiderleglich unter die
Augen gestellt, daß das wahre, lebendige Christentum die Quelle aller
Tugenden ist, und daß zumal jene Tugenden, die allein befähigen großes
für die Welt zu vollbringen, lediglich aus dieser Quelle geschöpft
werden können: Der heilige Eifer, der für das in Gottes Namen begonnene
Werk glüht, der feste Mannesmut, der vor keiner Gegnerschaft und vor
keiner Widerwärtigkeit zurückbebt, die unermüdliche Geduld, die sich
durch keine fehlgeschlagene Hoffnung beugen läßt, die hingebende
Selbstverleugnung, die von jedem Suchen des Eigenen absteht?
 
Und wir freuen uns zum Schlusse noch sagen zu können, daß es
Wilberforce nicht erging, wie so manchem anderen Wohlthäter der
Menschheit vor ihm und nach ihm, daß er erst bei der dankbaren Nachwelt
die verdiente Anerkennung fand, während die kurzsichtige Mitwelt sie
ihm versagte, oder doch nicht in gebührendem Maße zollte. Nein, die
Hochachtung, die er schon zu seinen Lebzeiten selbst bei Feinden und
Gegnern gefunden hatte, sie trat sofort bei seinem Tode in das hellste
Lichte und machte sich in der ehrenvollsten Weise kund.
 
Einstimmig erkannte das Parlament dem Verstorbenen die höchste Ehre
zu, die England seinen großen Männern zu erweisen pflegt, daß nämlich
sein Leichnam in der Westminsterabtei beigesetzt wurde, zur letzten
Ruhestätte geleitet von den Mitgliedern des Ober- wie des Unterhauses,
ja selbst von einem Prinzen des Königlichen Hauses und von dem
Lordkanzler, die es nicht unter ihrer Würde erachteten, bei den Trägern
des Leichentuches zu sein.

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