2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 4

William Wilberforce der Sklavenfreund 4



Wilberforce löste das großväterliche Handelsgeschäft, das er nicht
in seinem Namen fortführen lassen mochte, ganz auf und bewarb sich
in seiner Vaterstadt Hull um die Ehre, deren Vertreter in dem Hause
der Abgeordneten des Volkes, in dem sogenannten Parlamente zu werden.
Um sich dazu tüchtig zu machen, nahm er, nachdem er sich zur Wahl
angemeldet hatte, seinen Wohnsitz in London, und wohnte regelmäßig
den Sitzungen des Parlaments bei, dessen Verhandlungen er mit der
gespanntesten Aufmerksamkeit folgte. Daß er durch seinen Freund Pitt,
mit welchem er dort wieder zusammentraf, nur noch in seinem Vorsatze
befestigt wurde, die öffentliche Laufbahn eines Parlamentsmitgliedes zu
betreten, ist leicht zu denken.
 
Aber hieß es nicht zuviel erwarten, wenn Wilberforce annahm, seine
Mitbürger würden ihn, der jetzt erst 21 Jahre zählte, wirklich zu ihrem
Vertreter im Parlament wählen? Das mochte er sich wohl manchmal selber
fragen und konnte dann gewiß diese Frage im Blicke auf seine Jugend und
Unerfahrenheit nicht anders als bejahen. Allein gleichwohl ging sein
sehnlicher Wunsch in Erfüllung und im Jahre 1780 wurde er wirklich zum
Parlamentsmitgliede für Hull erwählt.
 
Zeugt dies laut für die großen Hoffnungen, die seine Landsleute auf
den jungen Mann setzten, so zeugt es hinwiederum auch dafür, wie wenig
er sich der hohen, kaum erwarteten Ehre, die ihm durch seine Wahl
zu teil geworden war, überhob und sich dadurch stolz und hochmütig
machen ließ, daß er trotz seiner großen Redefertigkeit in der ersten
Parlamentssitzung, die er mitmachte, seinen Mund nicht aufthat,
sondern nur in aller Demut und Bescheidenheit auf die Reden anderer
lauschte und außer den Sitzungen den größten Fleiß aufwandte, sich
über jede Sache, die zur Verhandlung kam, vorher auf das genaueste und
sorgfältigste zu unterrichten. Dabei kam ihm denn sein heller, klarer
Geist trefflich zu statten und befähigte ihn, über jede vorkommende
Sache eine feste durch keinen fremden Einfluß bestimmte Meinung zu
gewinnen, und sich so die Selbstständigkeit in seinen Urteilen zu
retten, die ihn sein ganzes Leben hindurch nicht verließ und die ihn,
wenn sie ihn auch oft genug mit seinen besten Freunden in Widerspruch
brachte, doch in keinen Widerstreit mit seinem eigenen Gewissen kommen
ließ.
 
Und nur von seinem Gewissen sich leiten zu lassen, wurde jetzt, wo
er unter dem Ernste des Lebens den leichten Jugendsinn mehr und mehr
ablegen lernte, sein fester, unumstößlicher Grundsatz, von dem er sich
gelobte, niemals auch nur einen Fingerbreit abzuweichen.
 
So war es denn auch vorzugsweise die Stimme seines Gewissens, welche
ihn trieb, sofort, nachdem die Parlamentssitzung geendigt war, London
zu verlassen und sich in die ländliche Stille zurückzuziehen. Denn
je sorgfältiger er auf diese Stimme achtete, desto lauter rief ihm
dieselbe zu, daß das geräuschvolle öffentliche Leben in der großen
Stadt tausendfältige Versuchungen bereite, das innere geistliche
Leben zu vernachlässigen und unter den unaufhörlichen Zerstreuungen
des gesellschaftlichen Lebens einer unwürdigen, verderblichen inneren
Zerfahrenheit zu verfallen. Und doch fing er jetzt, wie ein Brief an
seine Schwester deutlich zeigt, an, einzusehen, daß das innere Leben
nicht vernachlässigt werden dürfe, wenn man an wahrem Werte täglich
zunehmen wolle, daß dasselbe aber nicht wachsen und gedeihen könne ohne
ernste Sammlung des Herzens zu gewissenhafter Selbstbetrachtung.
 
So lockend es auch für Wilberforce sein mochte, mit seinem Freunde Pitt
und den vielen anderen Männern des Parlaments, deren Wohlwollen er
sich bereits durch seine liebenswürdige Persönlichkeit gewonnen hatte,
zusammenzubleiben und in ihrem Kreise die Parlamentsferien angenehm
zu verleben, er folgte doch der mahnenden Stimme seines Gewissens und
entfloh den Zerstreuungen und Genüssen des Londoner Lebens.
 
An den Ufern des Winandersees in der Grafschaft Westmoreland mietete er
sich einen schönen Landsitz und brachte dort in ungestörter Stille den
Sommer zu, sich nur an den harmlosen Genüssen des Landlebens genügen
lassend, für deren erfrischende Wirkung er einen starken Sinn und eine
besondere Vorliebe hatte.
 
Äußerlich und innerlich gestärkt kehrte er zu Anfang des Winters
nach London zurück, wohin ihn die beginnende Parlamentssitzung rief.
In dieser seiner zweiten Sitzung überwand er aber die jugendliche
Scheu, die ihn während der ersten hatte schweigen lassen, und trat
zum erstenmale als öffentlicher Redner auf. Aber wie staunte alles
den jungen Mann an, der so glänzend und schlagfertig zu reden wußte!
Von allen Seiten wurde er nach seiner ersten Rede beglückwünscht und
es fehlte nicht an solchen, die es als ganz zweifellos hinstellten,
daß ein solcher Redner mit der Zeit zu der Würde eines Mitgliedes des
Oberhauses erhoben werden müsse.
 
Allein der bescheidene Wilberforce geizte durchaus nicht nach solcher
Ehre und Würde und wies lachend die Propheten zurück, die ihm eine
so glänzende Zukunft verhießen. Er begehrte nichts weiter, als ein
tüchtiger Vertreter seiner Wähler im Parlamente zu werden und verband
sich sogar mit mehreren seiner Freunde im Unterhause dazu, niemals
die Würde eines Mitglieds des Oberhauses, niemals auch eine Stelle
oder ein Gehalt anzunehmen, um nicht die edle Unabhängigkeit und
Selbständigkeit, die sie jetzt besaßen, zu verlieren. Er ist auch
zeitlebens diesem Entschlusse treu geblieben.
 
Als sein Freund Pitt im Jahre 1782 ins Ministerium kam, wahrte er
selbst diesem gegenüber seine volle Unabhängigkeit, die sich durch
keine Rücksichten beirren ließ. Er unterstützte ihn mit seinen
Reden nur insoweit, als dessen Ansichten mit seinen eigenen völlig
übereinstimmten; wo dies nicht der Fall war, wurde er ihm ein
entschiedener Gegner trotz aller Freundschaft, die ihn mit ihm verband.
Und für Pitt war dies kein Grund, den Freund fallen zu lassen. Im
Gegenteile, er achtete Wilberforce deshalb um so höher und schloß sich
ihm immer enger an. Fast täglich sahen sich die beiden Freunde und
wurden sich nachgerade fast unentbehrlich, da sie beide in der von Witz
und Laune gewürzten Unterhaltung, die sie mit einander führten, nach
den anstrengenden Berufsarbeiten des Tages die beste Erfrischung fanden.
 
Auch wenn die Sitzungen des Parlaments zu Ende waren, trennten sie
sich nicht immer, sondern vereinigten sich zu gemeinschaftlichen
Reisen, oder Pitt überraschte den Freund auf seinem stillen Landsitz
am Winandersee und blieb dort längere oder kürzere Zeit, einmal sogar
ganze 4 Monate lang.
 
Da kamen denn auch wohl ernstere Unterhaltungen auf die Bahn, zu
denen besonders Wilberforce jetzt mehr und mehr hinzuneigen begann,
und infolge deren sich dann Pitt, der dem Christentum und der Religion
überhaupt sehr kühl gegenüberstand, wohl überreden ließ, mit dem
Freunde die Kirche zu besuchen.
 
Im Herbste des Jahres 1783 machten die beiden Freunde eine gemeinsame
Reise nach Frankreich und suchten und fanden dort nicht blos
Gelegenheit, mit den bedeutendsten Männern Frankreichs bekannt zu
werden, sondern fanden auch Zutritt an den königlichen Hof. Ihr
Aufenthalt dauerte jedoch nur 6 Wochen, weil sich für Pitt die Aussicht
eröffnete, daheim das Haupt eines neuen Ministeriums zu werden, und
er deshalb seine Rückkehr beschleunigen mußte. Wirklich wurde er auch
gegen Ende des Jahres von dem Könige zu diesem hohen Posten berufen
und hatte es seinem Freunde Wilberforce zu danken, daß die zahlreichen
Gegner, die seine Wahl zu hintertreiben suchten, nichts ausrichten
konnten.
 
Die meisten dieser Gegner gehörten nämlich der Grafschaft York an und
waren Wilberforce zum größten Teile bekannt, sodaß er hoffen konnte,
eine Einwirkung auf sie ausüben zu können. Er eilte deshalb sogleich in
seine heimische Grafschaft und kam gerade zurecht, um einer Versammlung
beiwohnen zu können, worin eine Bittschrift an den König gegen Pitt
beschlossen werden sollte. Er ergriff darin das Wort und trat so feurig
und kräftig für seinen Freund ein, daß alles dem gewaltigen Redner
zujauchzte und selbst die erbittertsten Gegner Pitts nicht mehr wagten,
gegen diesen den Mund aufzuthun.
 
Und was war der weitere Erfolg dieser Rede? Der einmütige Beschluß
der Versammlung, den Redner als Vertreter der ganzen Grafschaft ins
Parlament zu schicken, ein Beschluß, der denn auch trotz aller
Anstrengungen einer Gegenpartei bei den nächsten Wahlen zur Ausführung
gebracht wurde.
 
Damit hatte Wilberforce, der ja, um selbständig zu zu bleiben,
weder ein Amt noch einen Sitz im Oberhause jemals annehmen wollte,
die höchste Ehrenstufe erreicht, die bei solchem Vorsatze für ihn
zugänglich war und war nun als Vertreter der größten Grafschaft
Englands noch weit mehr als bisher im stande, seinem Freunde Pitt eine
kräftige Unterstützung angedeihen zu lassen, wo er derselben benötigt
war und wo es Wilberforce mit seiner gewissenhaften Überzeugung
vereinigen konnte.
 
Im Herbste des Jahres 1784 machte Wilberforce in Gemeinschaft mit
seiner Mutter und seiner Schwester eine Reise nach Nizza und Italien,
die nach Gottes Rat für die Gestaltung seines inneren Lebens eine sehr
bedeutungsvolle Wendung herbeiführen sollte.
 
Bisher hatte es nämlich Wilberforce trotz der Mahnungen seines
Gewissens, trotz des je und dann mit Macht bei ihm hervorbrechenden
Gefühles, daß es um sein inneres Leben nicht so stehe, wie es sollte,
noch nicht über sich gewinnen können, mit seinem Christentum rechten
vollen Ernst zu machen und ungescheut den Weg zu betreten, den ihn
seine fromme Tante als den alleinigen Weg des Heils hatte kennen
lehren. Das öffentliche Leben mit den großen Anforderungen, die es
an sein Sinnen und Denken stellte, die Zerstreuungen des geselligen
Lebens, denen er sich in London nicht entziehen konnte und mochte,
hatten immer wieder die ernsten Vorsätze zu Schanden gemacht, die er
wohl in seiner ländlichen Einsamkeit gefaßt hatte. Damit sollte es
jetzt anders werden.
 
Mutter und Schwester brachten zwar in dieser Hinsicht keine Änderung
zuwege, da beide selber noch nicht weit mit ihrem Christentum
vorangekommen waren und deshalb keinen anregenden Einfluß auf ihn
ausüben konnten. Wohl aber geschah dies durch den Begleiter, den
sich Wilberforce auf die italienische Reise mitnahm. Das war der
nachmalige Professor an der Universität zu Cambridge Isaak Milner,
ein wahrhaft frommer Mann, der freilich sein von jeder Einseitigkeit
und Engherzigkeit freies Christentum nicht äußerlich zur Schau trug,
sondern im Äußeren eher das Gepräge eines Weltmannes an sich hatte,
aber doch von der Wahrheit und Göttlichkeit des Christentums nicht
allein auf das Innigste überzeugt war, sondern auch schon etwas an
seinem Herzen erfahren hatte. Ihn, der ein alter Freund seines Hauses
war, hatte Wilberforce gebeten, die Reise nach Italien mitzumachen, und
sollte nun die Gewährung dieser Bitte zu einer Quelle reichen Segens für sich werden sehen

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