2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 7

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Die herzliche Freude über diesen ersten, wenn auch nur sehr kleinen
Erfolg trug gewiß nicht wenig dazu bei, die Besserung zu beschleunigen,
die im Befinden des Kranken zu Bath wider alles Erwarten eingetreten
war. Bald konnten die Ärzte Wilberforce gestatten, den Gebrauch des
Bades einzustellen, und nach einem kurzen Aufenthalte in Cambridge, wo
er mit Milner zusammensein und von demselben wieder manche Anregung für
sein geistliches Leben empfangen konnte, begab er sich nach Rayrigg,
seinem stillen Landsitze in Westmoreland, um dort seine völlige
Genesung abzuwarten, auf die jetzt mit voller Sicherheit gehofft werden
konnte.
 
Und diese völlige Genesung kam mit Gottes Hülfe trotz der beständigen
Aufregung, welche die ununterbrochen kommenden und gehenden Gäste
bereiteten, die sich nach der Gesundheit des verehrten Mannes
erkundigen und ihm seine Einsamkeit zu erleichtern suchen wollten.
Allerdings war und blieb seine Gesundheit eine schwache, welche ihm die
größte Mäßigkeit und die strengste Enthaltsamkeit in seiner Lebensweise
zur Notwendigkeit machte; allein er fand doch wieder die Kraft, nicht
nur an den Parlamentssitzungen teilzunehmen, sondern auch noch nebenher
für seine Sklavensache thätig zu sein.
 
Selbst von Rayrigg aus machte er, sobald er es wagen durfte, da und
dort Besuche, bei denen er durch seinen persönlichen Einfluß die
Teilnahme für seine Bestrebungen zu gunsten der Sklaven zu wecken und
zu verbreiten suchte und unterstützte dadurch wesentlich Clarkson, der
beauftragt worden war, zu dem nämlichen Zwecke das Land zu bereisen.
 
Für die Parlamentssitzung von 1789 bereitete er sich wieder auf das
Eifrigste vor, um alle schon gesammelten und noch täglich eingehenden
Beweise für die Grausamkeit und Schändlichkeit des Sklavenhandels recht
bei der Hand zu haben und damit alle Einwendungen der Gegner, gründlich
beseitigen zu können. Er ging wieder einen ganzen Monat auf's Land,
um ganz ungestört zu bleiben und arbeitete wohl 8 bis 9 Stunden am
Tage. Selbst die Nachricht von der Erkrankung seines Freundes Milner
konnte ihn nicht bewegen, sich zu einem Besuche desselben von seiner
Arbeit loszureißen, während er doch noch kurz vorher am Kranken- und
Todesbette seiner Tante erfahren hatte, wie gesegnet das Krankenlager
eines frommen Menschen für die Besucher desselben werden könne.
 
Was ihn nicht ruhen ließ, war eine Mitteilung Pitts über die gewaltigen
Anstrengungen, welche die Gegner machten, um die öffentliche Meinung
zu ihren gunsten zu stimmen und in Zeitungen und Flugschriften dem
Lande zu beweisen, daß durch eine Aufhebung oder auch nur Beschränkung
des Sklavenhandels nicht allein das Wohl der westindischen Kolonien
aufs Spiel gesetzt würde, die der Sklaven notwendig bedürften, sondern
auch der ganze Handel der englischen Nation Gefahr liefe, geschädigt zu
werden.
 
Da galt es denn in der That auch, schlagende und unwiderlegliche
thatsächliche Gegenbeweise in genügender Zahl bei der Hand zu haben.
 
Wohlgerüstet mit denselben und voll festen Vertrauens auf die
siegende Macht der Wahrheit trat Wilberforce am 12. Mai 1789 vor das
Parlament und entwickelte mit der vollen Kraft seiner ausgezeichneten
Beredsamkeit alle Gründe, die nur gegen den Sklavenhandel geltend
zu machen waren. Vier ganze Stunden redete er fast bis zur völligen
Erschöpfung seiner Kraft, und ein hochstehender Mann äußerte nachher
über diese Rede: »Das Haus, die Nation, ja Europa sind Wilberforce
auf das Äußerste verpflichtet, daß er diesen Gegenstand in der
meisterhaftesten, eindringlichsten und beredtesten Weise vorgebracht
hat.«
 
Von allen Seiten beglückwünschte man Wilberforce, als er von der
Rednerbühne herunterstieg. Und doch was war der thatsächliche Erfolg
seiner Rede? Nur eine kleine Verbesserung des vorjährigen Beschlusses,
daß jedes Sklavenschiff nur eine seinen Räumen entsprechende Anzahl von
Sklaven aufnehmen dürfe.
 
Die Sklavenhalter und Sklavenhändler, die »Westindier« wie wir sie
fortan mit einem gemeinschaftlichen Namen nennen wollen, hatten
nämlich aus Furcht vor der offenbar gewaltigen Wirkung der Rede, die
Wilberforce gehalten, eine sofortige Abstimmung und Beschlußfassung
des Parlamentes dadurch zu hintertreiben gewußt, daß sie den Antrag
stellten, der nicht wohl abgelehnt werden konnte, das Parlament
möge selbst ein Zeugenverhör anstellen, um die Richtigkeit oder
Unrichtigkeit der von Wilberforce aufgeführten Beweise zu untersuchen.
Damit war die Entscheidung wieder für ein Jahr verschoben; denn es war
unmöglich, vor Schluß der gegenwärtigen Sitzung noch eine genügende
Anzahl von Zeugen zu vernehmen, wenn auch sofort damit begonnen wurde.
 
Schmerzlich bewegt, aber doch nicht entmutigt, eilte Wilberforce nach
Beendigung der Sitzung wieder zu den Heilquellen von Bath, um dort Ruhe
und Stärkung zu suchen, und hatte die Freude, nicht nur seine Mutter
und seine Schwester daselbst vorzufinden, sondern auch den Sohn seines
schon genannten Verwandten John Thornton, Henry Thornton, mit dem er
eine innige und feste Freundschaft schloß.
 
Von Bath aus besuchte er auch seine alte Freundin Hannah More, die sich
aus den gelehrten Kreisen Londons, mit welchen sie sonst verkehrte,
völlig zurückgezogen hatte, um ihre reichen Geistesgaben im Dienste
des armen, völlig unwissenden Landvolkes zu verwenden und für dessen
Unterricht zu sorgen.
 
Auf einen schönen Punkt in der Nähe aufmerksam gemacht, unternahm der
für Naturschönheiten äußerst empfängliche Wilberforce einen Ausflug
dorthin, vergaß aber bald alle Naturschönheiten, als er die armen,
leiblich und geistig verkommenen Bewohner der schönen Gegend kennen
lernte.
 
»Miß Hannah, es muß etwas für Chidder (so hieß die Gegend) geschehen!«
das war der Ausruf, mit dem er bei seiner Rückkehr die Freundin
begrüßte und auf den er immer wieder zurückkam, wenn er erzählen
sollte, wie ihm die besuchte Gegend gefallen habe.
 
Die Not des armen Volkes, welche er durch eigene Anschauung kennen
gelernt hatte, bewegte sein mitleidiges Herz so sehr, daß er mit der
Freundin sogleich beschloß, dort in Chidder Schulen anzulegen und sich
bereit erklärte, alle Kosten auf seine Tasche zu übernehmen, wenn Miß
Hannah sich der damit verbundenen Mühewaltung unterziehen wolle.
 
»Wozu könnte ich besser meinen Überfluß anwenden?« antwortete er
ablehnend, als ihm die Freundin für sein hochherziges Anerbieten danken
wollte, und freute sich in der Folge jedesmal herzlich, wenn er hörte,
daß das Unternehmen guten Fortgang habe.
 
Auch die Parlamentssitzung von 1790 brachte für die Sklavensache keine
wesentliche Förderung. Man fuhr nur fort, Zeugen zu verhören, und zwar
Zeugen für und wider den Sklavenhandel, wenn auch die »Westindier« das
Zeugenverhör ihrerseits gerne geschlossen gesehen hätten, nachdem die
für sie günstigen Zeugen vernommen waren. Das Ende der Sitzung war da,
ehe die Vernehmungen beendigt waren.
 
Mit dem Ende dieser Sitzung waren die 7 Jahre abgelaufen, für deren
Dauer die Mitglieder des Parlaments in England gewählt wurden, und
Wilberforce mußte sich deshalb einer Neuwahl unterwerfen. Allein sein
Name war schon so berühmt geworden, daß er sich seinen Wählern in
Yorkshire nur vorzustellen brauchte, um ohne Weiteres eine Erneuerung
seiner Wahl auf weitere 7 Jahre zu erlangen.
 
Und doch hatte er etwas gethan, was bei jedem Anderen Anstoß und
Widerwilligkeit erregt haben würde: er hatte die Wahl ausgeschlagen zu
einem Vorsteher bei den großen Pferderennen, die in York abgehalten
wurden, und die bekanntlich noch heute, wo sie auch gehalten werden,
bei den Engländern in hohem Ansehen stehen. Er hatte jedoch den
jährlichen Beitrag, den er für die Beteiligung an den Rennen hätte
entrichten müssen, dem Hospitale der Grafschaft überwiesen, um zu
zeigen, daß ihn nicht der Geiz abhalte, an einer Sache teil zu nehmen,
für die er nach seiner ganzen Anschauungsweise kein besonderes
Interesse haben konnte.
 
Daß sich seine Schwester um diese Zeit mit einem frommen Manne, dem
Geistlichen Clarke zu Hull, vermählte, war für Wilberforce eine große
Freude. Denn nun durfte er hoffen -- und diese Hoffnung erfüllte sich
auch -- daß die Bemühungen, die er selbst bisher gebraucht hatte,
seine Schwester auf den Weg eines ernsten, lebendigen Christentums zu
ziehen, und die auch keineswegs ganz vergeblich geblieben waren, von
berufenen und geschickten Händen weiter geführt werden und gewiß zu
einem gesegneten Ziele kommen würden. Auch für das geistliche Leben der
geliebten Mutter durfte er von der Einwirkung des neuen Schwagers die
gedeihliche Förderung erwarten, die sein treues, frommes Sohnesherz so
sehnlich wünschte.
 
Nach einer stärkenden Kur in den Bädern von Buxton gab sich Wilberforce
daran, die von dem Unterhause vorgenommenen Zeugenverhöre zu prüfen und
durchzuarbeiten, welche bis jetzt schon 1400 große Bogenseiten füllten.
Galt es doch, die Scheingründe, welche für den Sklavenhandel geltend
gemacht worden waren, zu entkräften und so den Gegnern die Waffen zu
entreißen, mit denen sie ihre schändliche Sache verteidigten.
 
Auf dem stillen Landsitze eines Jugendfreundes, wo er vor störenden
Besuchen sicherer war als in seinem eigenen Heim, bewältigte
Wilberforce diese ungeheure Arbeit, ohne danach zu fragen, ob es seine
Gesundheit aushielte. Und Gott der Herr, in dessen Dienste und zu
dessen Ehre zu arbeiten er sich bewußt war, verlieh ihm die dazu nötige
Kraft. Wohl mag es eine Stärkung gewesen sein, die aus derselben Quelle
ihren Ursprung nahm, daß ihm in diesen arbeitsvollen Tagen John Wesley,
der Stifter der Methodistengemeinde, folgenden Brief schrieb:
 
»Mein teurer Herr! Wenn es nicht die göttliche Allmacht ist,
welche Sie berufen hat, ein Athanasius im Kampfe mit der
Welt zu sein, so sehe ich nicht ab, wie Sie das glorreiche
Unternehmen zu Ende bringen wollen, gegen eine Schändlichkeit
aufzutreten, welche eine Schmach der Religion Englands und der
menschlichen Natur ist. Wenn es nicht Gott ist, der Sie zu
dieser Sache berufen hat, so werden Sie durch den Widerstand
der Menschen und Teufel besiegt werden. Aber ist Gott für Sie,
wer mag dann wider Sie sein? Sind alle Feinde zusammen stärker
als Gott? O ermüden Sie nicht, gutes zu thun! Schreiten Sie
fort im Namen Gottes und in der Kraft seiner Stärke, bis die
amerikanische Sklaverei für immer von derselben verschwindet!
Sie ist das Schimpflichste, was je unter der Sonne bestand. Daß
Er, der Sie von Ihrer Jugend an geführt hat, fortfahren möge,
Sie hierbei und in allen Stücken zu stärken, das ist das Gebet
Ihres
 
John Wesley.«
 
Wie erhebend mußten für Wilberforce diese Worte sein aus dem Munde
eines Mannes, der so eifrig war, rechtes Christentum zu fördern,
und dessen Name überall in England einen hellen guten Klang hatte,
selbst bei denjenigen, welche die Wege, die er einschlagen zu müssen
glaubte, nicht billigten! Und doch wie demütig und bescheiden schreibt
Wilberforce in seinem Tagebuch bei dieser Gelegenheit: »Möge Gott mir
verleihen, daß ich fortan mehr zu seiner Ehre lebe und möge er mich
in dem großen Werke segnen, das ich unter den Händen habe. Möchte
ich zu ihm aufblicken nach Weisheit und Kraft und der Gabe, andere
zu überzeugen! Möchte ich mich für den Ausgang ihm mit vollkommener
Ergebung unterwerfen! Möchte ich Ihm ganz die Ehre geben, wenn ich das
Ziel erreiche, und, wo nicht, von Herzen sprechen können: Dein Wille
geschehe!«
 
Was den ersten Seufzer angeht, daß ihm gegeben werden möge, mehr
zu Ehren Gottes zu leben, so hat Wilberforce denselben nicht blos
hier, sondern auch an anderen Stellen seines Tagebuches wiederholt
ausgedrückt, ohne Zweifel deshalb, weil er sich innerlich Vorwürfe
darüber machen zu müssen glaubte, daß er dem gesellschaftlichen Leben
zuviel Zeit und Kraft widme. Aber was wollte er machen, wenn sich, wo
er auch sein mochte, die verschiedenartigsten Leute um ihn drängten,
und ihn selbst in die entferntesten Gegenden verfolgten, um Rat und
Beistand bei ihm zu suchen oder sich auch nur seines Umganges zu
erfreuen.
 
»Ihr Haus ist ja gerade wie die Arche Noahs,« schrieb ihm einmal seine
mütterliche Freundin Hannah More, »voll reiner und unreiner Tiere.

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