2017년 2월 19일 일요일

William Wilberforce der Sklavenfreund 8

William Wilberforce der Sklavenfreund 8


Und das Gleichnis traf in der That zu. Denn außer Missionsfreunden
und befreundeten Parlamentsgenossen, die mit ihm in betreff der
gemeinschaftlichen guten Sache Rat pflegen wollten, sah er sich auch
von solchen angelaufen, die in ganz gewöhnlichen, weltlichen Dingen
Rat und Unterstützung von ihm begehrten und denen er sich, weil sie zu
seinen Wählern gehörten, nicht entziehen konnte.
 
Wir verstehen es darum wohl, wenn er in seinem Tagebuche wiederholt
schreibt: »Was für Gründe mich auch bestimmten, ein offenes Haus zu
haben, so ist es doch gewiß, daß Einsamkeit und Ruhe der Betrachtung
und dem Wachen günstiger sind. Ich will streben, mir öfters Zeiten des
ununterbrochenen Umgangs mit Gott zu sichern.«
 
Wir verstehen es ebensowohl, daß es ihn nach jeder der arbeitsvollen
und aufregenden Parlamentssitzungen, innerlich drängte, sich irgendwo
solch stille Zeiten zu verschaffen, die er an den Badeorten, die er
seiner Gesundheit wegen besuchen mußte, unmöglich finden konnte.
 
Was aber den letzten Seufzer in den oben angeführten Worten seines
Tagebuches angeht, daß es ihm, wenn er in der Sklavensache sein
vorgestecktes Ziel nicht erreichen sollte, gegeben werden möge, von
Herzen zu sprechen: »Dein Wille ist geschehen!«, so scheint ihm diesen
eine Vorahnung dessen, was nun kommen sollte, in das Herz und in die
Feder gedrängt zu haben.
 
 
 
 
IV.
 
 
Am 18. April 1791 kam die Sklavensache im Parlament wieder vor und
Wilberforce ergriff sogleich das Wort, um vorzutragen, was er durch
sein eifriges Studium der Zeugenverhöre gewonnen hatte. Sorgfältig
vermied er jede Bemerkung oder Anspielung, welche die Gegner persönlich
hätte verletzen können, nur die unzweifelhaft bewiesenen Thatsachen
ließ er reden. Aber wie auch nach ihm sein Freund Pitt, ja selbst
dessen entschiedener politischer Gegner Fox für die Abschaffung des
Sklavenhandels die Stimmen zu gewinnen suchten, es half nichts. Mit 163
gegen 88 Stimmen wurde der dahin zielende Antrag verworfen.
 
Denn die »Westindier« hatten große Summen aufgewendet, sich Stimmen
zu ihren Gunsten zu erkaufen und leider auch charakterlose Menschen
genug im Parlamente gefunden, die sich erkaufen ließen. Wo aber
Eigennutz und Geldgierde das große Wort führten, mußten die mächtigsten
Gründe ihre Wirkung versagen, mußten selbst solche gewaltige Worte
vergeblich bleiben, wie die folgenden, mit denen Wilberforce seine Rede
geschlossen hatte:
 
»Von welchem Gesichtspunkte aus«, so rief er von Eifer glühend in die
Versammlung hinein, »man auch die Sache betrachten mag, England hat die
Pflicht, dieselbe zu fördern. Die Hälfte des verbrecherischen Handels
wird von seinen Unterthanen geführt, und da demnach unsere Schuld
so groß ist, so laßt uns auch bald anfangen, Buße zu thun. Es kommt
einst ein Tag der Vergeltung, da wir von den Talenten, Fähigkeiten
und Gelegenheiten, die uns gegeben waren, Rechenschaft thun müssen!
Möge es uns dann nicht offenbar werden, daß wir unsere größere Macht
zur Knechtung unserer Nebenmenschen, unsere größere Erkenntnis zur
Schändung der Schöpfung Gottes angewendet haben!!«
 
Mit der oben erwähnten Abstimmung war denn für diese Parlamentssitzung
wieder die heilige Sache der Sklavenfreunde beseitigt, aber auch ihr
Mut gebrochen? auch der Eifer eines Wilberforce gelähmt? -- Keineswegs.
Man schlug nur jetzt einen andern Weg ein.
 
Von den Vertretern des Volks war, wie sichs eben gezeigt hatte,
nichts zu hoffen und zu erwarten, so beschloß man denn, sich an das
Volk selbst zu wenden und dessen Gerechtigkeit und Menschlichkeit
geradezu anzurufen. Es wurde ein Auszug aus den Parlamentsverhandlungen
angefertigt, worin besonders die von Wilberforce als Waffen gebrauchten
thatsächlichen Beweise für die Schändlichkeit des Sklavenhandels
hervorgehoben waren, und dann dieser Auszug in zahllosen Abdrücken
überallhin und in jeder möglichen Weise unter dem Volke zu verbreiten
gesucht. Die Sklavenfreunde, an ihrer Spitze Wilberforce, ließen sich
dabei weder Mühe noch Kosten verdrießen.
 
Aber man kam auch weiter auf den Gedanken, zu versuchen, ob man nicht
in thatsächlicher Weise den Hauptgrund, welchen die Gegner stets
für die Sklaverei vorbrachten, entkräften und in seiner Nichtigkeit
blosstellen könnte. Das war nämlich der Grund: die Neger seien
eigentlich gar keine Menschen, sondern nur menschenähnliche Tiere. Man
berief sich dann dabei stets auf die Zeugnisse der Sklavenbesitzer,
welche durch eigene, reiche Erfahrung hätten zu der Überzeugung kommen
müssen, daß die Neger zu jeder geistigen Bildung völlig unfähig seien.
 
Da beschlossen denn die Sklavenfreunde, eine Ansiedelung für freie
Neger zu gründen, worin diese unter der Leitung von wohlwollenden
Menschen gesammelt und sorgfältig unterrichtet werden sollten, um
selbst zu zeigen, daß sie in der That vernunftbegabte, bildungsfähige
Wesen seien. Es bildete sich eine Gesellschaft, welche die nötigen
Mittel für diesen Zweck zusammenschoß, und auf der Westküste Afrikas
von den dortigen Negerfürsten eine Strecke Landes erkaufte, die
sich besonders zum Anbaue zu eignen schien und den Namen »Sierra
Leone« führte. Wilberforce war einer von den ersten Leitern dieses
Unternehmens.
 
Und dasselbe schien unter Gottes Segen glücken zu wollen. Es fehlte
nicht an Negern, die den gebotenen Zufluchtsort gern annahmen. Denn in
dem nordamerikanischen Befreiungskriege hatten sich eine ganze Anzahl
entsprungener Sklaven aus den Südstaaten auf die Seite der englischen
Regierung geschlagen und wacker gegen ihre früheren Herren kämpfen
helfen. Sie waren natürlich von den Engländern für frei erklärt und
nach Beendigung des Krieges auf der Halbinsel Neuschottland angesiedelt
worden, um sie der Verfolgung ihrer ehemaligen Herren zu entziehen.
Dort aber war ihnen das Klima zu rauh, und als sie deshalb von der
afrikanischen Ansiedelung in Sierra Leone Kunde erhielten, sandten sie
nach London und ließen die englische Regierung bitten, sie dorthin zu
versetzen. Ihrem Wunsche wurde willfahrt, und in einer Stärke von 700
Köpfen siedelten sie nach der neuen Kolonie über.
 
Allerdings hatte die wohlgemeinte Ansiedelung anfangs nur schlechten
Erfolg, da die Rohheit und geistige wie körperliche Trägheit der Neger
fast aller Versuche spotteten, sie an ein geordnetes, thätiges Leben
zu gewähren. Besser wurde es erst, als man mit Ernst daran ging, ihnen
das Evangelium zu predigen und sie zum Christentume zu bekehren, und
als unter christlichen Einflüssen ein neues Geschlecht herangewachsen
war. Dann aber wurde auch die Kolonie in der That ein leuchtendes
Zeugnis dafür, wie völlig haltlos und ungerechtfertigt die Ansicht sei,
daß die Neger zum wenigsten eine untergeordnete Menschenrasse und zu
jeder Bildung unfähig seien, und ist es bis heute, wo ja Gottlob, diese
Ansicht kaum mehr einen ernsthaften Vertreter findet.
 
Die vorhin erwähnte Maßregel, den Auszug aus den
Parlamentsverhandlungen über die Sklaverei und den Sklavenhandel
in Massen unter das Volk zu werfen, trug gute Früchte. Der
Gerechtigkeitssinn und das Menschlichkeitsgefühl fingen unter dem Volke
an sich zu regen und sich gegen die Scheußlichkeiten des Sklavenhandels
zu empören, nachdem dieselben einmal so recht nackt und klar auf
Grund amtlicher Beweise aufgedeckt waren. Durch das ganze Land hin
und her wurden Versammlungen gehalten und von denselben Bittschriften
an das Parlament gerichtet, welche die Abschaffung des Sklavenhandels
verlangten. Viele verbanden sich sogar im heiligen Eifer dazu, sich
aller Erzeugnisse Westindiens zu enthalten, die der Sklavenarbeit ihren
Ursprung verdankten.
 
Alles schien im besten Zuge und ließ hoffen, daß in der
Parlamentssitzung von 1792 die Abschaffung des Sklavenhandels
beschlossen werden würde, obwohl die Sklavenhändler von Liverpool 10000
Pfund Sterling (nach heutigem Gelde etwa 200000 Mark) aufwendeten, um
wieder eine genügende Gegnerschaft im Parlamente zu schaffen.
 
Da kamen unglücklicherweise mit einem Male die Nachrichten von dem
furchtbaren Sklavenaufstande auf der westindischen Insel St. Domingo
oder Haïti, die völlig dazu angethan waren, alle wohlwollende Teilnahme
für die Sklaven in unbefestigten Herzen zu ersticken.
 
Auf jener Insel, die im Ryswyker Frieden 1697 von Spanien, das sie
seit der Entdeckung durch Kolumbus besessen hatte, an die Franzosen
abgetreten worden war, lebten nämlich außer einer großen Masse
eingeführter Negersklaven, die die Zahl der Weißen weit überwog,
viele sogenannte »Mulatten«, welche Weiße zu Vätern hatten, und
zum großen Teile freigelassen worden waren, oder doch den Negern
gegenüber große Vorzüge genossen. Unter diesen »Farbigen«, wie sie
hießen, hatten schnell die durch die französische Revolution in Gang
gebrachten freiheitlichen Grundsätze Eingang gefunden und »Freiheit,
Gleichheit, Brüderlichkeit« war auch bei ihnen die feurig verfochtene
Losung geworden. Aber es ist ja nur zu wohl bekannt, wie die Männer
der Revolution die »Brüderlichkeit« nur für Diejenigen wollten gelten
lassen, die in allen Stücken mit ihnen in das nämliche Horn bliesen,
und ebensowohl die »Freiheit und Gleichheit« nur soweit gelten ließen,
als es ihnen paßte. So war man denn auch in der Nationalversammlung zu
Paris durchaus nicht gewillt, den Farbigen ganz gleiche Rechte mit den
Weißen einzuräumen und brachte dadurch bei dieser Mischlings-Rasse,
die durch ihr schnell aufloderndes, feuriges Wesen bekannt ist, eine
furchtbare Gährung hervor. Es kam zu einer Vereinigung der Farbigen mit
den sonst von ihnen tief verachteten und gehaßten Negern, und am 23.
August 1791 brach ein furchtbarer Aufstand beider gegen die Weißen los,
der zur schonungslosen Niedermetzelung dieser fast auf der ganzen Insel
führte.
 
Diese bösen Nachrichten aus Westindien waren natürlich den
Sklavenfeinden Wasser auf ihre Mühle und gaben ihnen willkommenen
Grund, die Befürchtung auszustreuen, nach solchem Vorgange würden es
auch die Neger auf den englischen Besitzungen in Westindien ihren
Brüdern auf St. Domingo nachmachen und am Ende die ganze englische
Herrschaft dort vernichten, wenn man sie nicht mit aller Strenge im
Zaume halte und einen noch stärkeren Druck auf sie übe als bisher. --
Dazu kam, daß auch unter den englischen Sklavenfreunden nicht wenige
waren, die den Grundsätzen der französischen Revolution huldigten und
denselben auch in England Eingang zu verschaffen suchten.
 
Wilberforce, dessen heller, klarer Blick die Hohlheit der französischen
Redensarten von den allgemeinen Menschenrechten von vorne herein
durchschaute, bemühte sich vergebens, den unvorsichtigen Reden
und Handlungen dieser seiner Kampfesgenossen zu wehren und mußte
es erleben, daß man sein auf die Abschaffung des Sklavenhandels
gerichtetes Streben mit den revolutionären Grundsätzen aus Frankreich
in Verbindung brachte und ihn auf das schmählichste verleumdete. Er
mußte es sogar erleben, daß König Georg III. wurde, was die Prinzen
des königlichen Hauses zum Teil schon längst waren, ein entschiedener
Gegner der Abschaffung des Sklavenhandels, während er sonst wohl,
wenn er an Hoftagen mit Wilberforce zusammen traf, sich bei diesem
freundlich nach seinen schwarzen Schützlingen erkundigt hatte. Wie weit
dabei die Abneigung gegen die revolutionären Grundsätze mitspielte,
oder aber die Rücksicht auf die königlichen Interessen, die geschädigt
wurden, wenn die vom Sklavenhandel erhobenen Abgaben ausfielen, muß
dahingestellt bleiben.

댓글 없음: