2015년 4월 27일 월요일

Mein buntes Buch 1

Mein buntes Buch 1


Mein buntes Buch
Naturschilderungen
 
Author: Hermann Löns
 
Der Feldrain.
 
 
Mitten durch die Feldmark zieht sich ein Rain neben dem Koppelwege
hin. Wenn ich nicht Zeit habe, den fernen Wald aufzusuchen, gehe ich
hierhin. Gestört werde ich von Menschen nicht. Die ziehen die Anlagen
vor. So kann ich, gegen die Böschung gelehnt, meine Gedanken mit den
Lerchen emporflattern lassen, so viel ich will.
 
Im Sommer, wenn die Frucht hochsteht und die Ränder der Felder von
bunten Blumen starren, ist es hier viel schöner als jetzt. Anderseits
sieht man jetzt alles das, was aus der Erde schießt und sprießt und
darüber kreucht und fleugt, mit dankbareren Augen an als späterhin,
wenn alles üppig grünt und blüht.
 
Auf dem Grabenanwurfe, neben den halb verblühten Blumen des Huflattichs
in ihrer orangeroten Farbe, schieben sich die Blütenstände des
Schachtelhalmes aus den Lehmschollen, seltsam anzusehen. Einst
beherrschten riesenhafte Schachtelhalme die Erde; jetzt sind sie
niedrige Ackerunkräuter.
 
Sonst ist noch wenig Grün hier zu sehen außer den roten
Taubnesselblüten zwischen der üppig wuchernden Luzerne, in der hier
und da kräftige Ackerehrenpreispflänzchen ihre himmelblauen Blümchen
leuchten lassen. Auf den kahlen Stellen reckt das Hungerblümchen seine
winzigen Blüten, da kriecht der blaß blühende efeublättrige Ehrenpreis,
und Mastkraut und Vogelkreuzkraut, diese Dauerblüher, haben sich wieder
geschmückt, so gut sie es vermögen. Auch die Maßliebchen auf der Trift,
die noch im Weihnachtsmonde blühten, entfalten ihre weißen Sterne. Die
Löwenzahnblumen sind erwacht.
 
Die Lerchen trillern, in der Linde hinter mir singt der Goldammer
sein zärtliches Liedchen, und vor mir auf den Schollen zwitschert
ein Hänflingshähnchen. Prächtig leuchtet in der Sonne sein purpurner
Scheitel und die rosenrote Brust. Es kümmert sich nicht um den
Turmfalken, der über dem Kleestücke nach Mäusen rüttelt. Ein
Bachstelzenpärchen kommt angeschwenkt. Der Hahn macht der Henne auf
ganz schnurrige Weise den Hof. Fort sind die beiden. Grünfinken,
Gierlitze und Distelfinken schnurren laut lockend vorüber und fallen
auf der Brache ein, hinterher kommt, fröhlich lärmend, ein kleiner Zug
Feldspatzen, dann ein Trupp Buchfinken.
 
Alle Augenblicke meldet sich neues Leben. Ein Star läßt sich auf der
Linde nieder, klappt mit den Füßen, pfeift, quietscht, quinquiliert
ein Weilchen und fliegt dem Dorfe zu. Seinen Platz nimmt der Grauammer
ein, rasselt sein blechernes Lied herunter und streicht dann plump
mit herabhängenden Füßen ab. Dann hüpft ein alter, tiefschwarzer
Rotschwanzhahn auf dem Steinhaufen herum, fortwährend die rostroten
Schwanzfedern zittern lassend und einen Knicks nach dem anderen
machend, bis ein laut heranburrendes Feldhuhnpaar ihn verscheucht.
Herrisch ruft der Hahn und rennt hochaufgerichtet der geduckt dahin
trippelnden, schüchtern lockenden Henne nach, sie in die hohen Schollen
des Sturzackers treibend.
 
Ich sehe den vielen Saatkrähen nach, die heiser krächzend der Marsch
zufliegen, den Dohlen, die lustig rufend über die Felder taumeln, und
dem Steinschmätzer, der über dem Rande des Steinbruches wie albern
herumflattert und dabei ganz schnurrige Töne zum besten gibt. Plötzlich
läßt er sich jäh abfallen, und auch der Goldammer bricht sein Liedchen
in der Mitte ab und huscht in den Schlehbusch hinein. Der Wutschrei der
Rauchschwalben warnte beide, und so kam der Sperber zu spät. Gestern
schlug er dicht vor mir eine Lerche, und vor einigen Tagen holte er
einen lustig pfeifenden Starmatz von der Eiche. Leben und Tod sind
dicht beieinander auf der Welt.
 
Aus den Weidenbüschen des alten Steinbruches tönt der Ruf des
Laubvögelchens hervor, und auf dem verfallenen Schuppen quietscht der
Rotschwanz mühsam sein Liedchen aus der Kehle. Fremde Laute erschallen,
bald rauh, bald weich, scheinen näher zu kommen, entfernen sich und
sind wieder dichter bei mir. Hundert Kraniche und mehr ziehen unter dem
Himmel gegen Abend hin, unaufhörlich rufend. In derselben Höhe kommen
zwei Gabelweihen angestrichen, ebenfalls nordwärts reisend, und darauf
vier Bussarde. Dann erschallen Flötentöne, weiche, und ein Dutzend
Brachvögel fallen auf der Saat ein, stelzen kopfnickend dort umher,
erheben ihr Gefieder aber bald wieder und eilen weiter.
 
Lange sehe ich zwei Hasen nach, die bald die Häsin treiben, bald
aneinander geraten und sich backpfeifen, und freue mich an dem
Haubenlerchenpärchen, das über den festgetretenen Fußweg trippelt, bis
es neben mir im Grase raschelt und sich erst ein rosenrotes Rüsselchen
und zwei gleichfarbige, breite, scharf bekrallte Händchen und dann ein
schwarzbepelztes Köpfchen hervorwühlt. Ein Maulwurf ist es; eilfertig
wuselt er unter dem Raine her. Ein zweiter folgt ihm, ein dritter,
und dann gibt es ein grimmiges Gebeiße und ein giftiges Gezwitscher
zwischen den beiden letzten Schwarzröcken, denn es sind Männchen, und
das erste, das sich jetzt hurtig unter den Bocksbeerranken eingräbt,
ist ein Weibchen. Hinter ihm her huscht das Männchen, das bei dem
Kampfe obsiegte. Das andere aber putzt sich das arg zerbissene
Schnäuzchen und watschelt trübselig seinem Loche zu, in dem es langsam
versinkt.
 
Ich bin zu faul, mich wieder umzudrehen, und so bleibe ich mit den
Augen in der Nähe kleben. Da ist ebensoviel zu sehen wie in der Ferne.
Prachtvolle Erdbienen mit tiefpurpurnen Brustschildern und goldgelb
behaarten Leibern sonnen sich auf den kahlen Lehmschollen, ein
schwarzes Herrgottskäferchen mit roten Tupfen erklimmt einen Halm und
fliegt von dessen Spitze in die Welt hinein, und ein langer, dicker,
dunkelblauer Ölkäfer gräbt langsam und bedächtig ein Loch, um darin
seine unzählbaren Eier abzulegen. Eine Unmenge winziger Lärvchen wird
daraus hervorschlüpfen, die Blumen erklimmen und warten und warten,
bis eine Biene ankommt, die sie zu ihrem Neste trägt. Wer von ihnen
dieses Glück nicht hat, muß elend umkommen. Und auch die, die in ein
Bienennest gelangt, aber kein Bienenei findet, geht zugrunde. Von den
vielen Tausend werden nur ganz wenige zu Käfern. Der Tautropfen, der
sich in dem Blattquirle des Wegerichs gehalten hat, lockt eine dicke,
schwarze, mit Gold verbrämte Hummel heran. Sie läßt sich nieder, steckt
den Rüssel in das Wasser und saugt sich satt. Ein Mistkäfer, der über
ihr herumkrabbelt, verliert den Halt und kullert an sie heran. Unwillig
brummt sie und reckt die Vorderfüße drohend gegen den Störenfried,
der sich mühselig wieder auf die Beine hilft und weiter kriecht. Ein
großer, goldgrüner, blitzblanker, schön geriefter Laufkäfer hastet
von Scholle zu Scholle, in jede Ritze den Kopf steckend. Jetzt stößt
er auf eine Graseulenraupe. Er beißt sie hinter den Kopf und in das
Hinterende, läßt sie liegen und rennt weiter, bis er einen Regenwurm
antrifft, mit dem er es ebenso macht. Um die Feuerwanzen, die an den
üppigen Wurzeltrieben der Linde saugen, kümmert er sich aber gar nicht;
ihre grellen Farben werden ihn wohl abschrecken.
 
Die Sonne prallt nur so gegen den Rain. Ich meine es sehen zu können,
wie sich die Blattüten der Brombeere auseinander wickeln, und während
ich hier liege, hat die Taubnessel schon Dutzende von ihren Blüten
aufgeklappt, die vorhin noch geschlossen waren, und ladet die Bienen,
Hummeln und Schwebfliegen ein, sich gütlich zu tun. Auch der gelbe
Ackerstern, der eben noch nicht sichtbar war, leuchtet jetzt grell
aus dem alten Laube hervor, sehr zur Freude eines winzigen Bienchens,
das sich darin niedergelassen hat. Überall huschen flinke, blanke
Käferchen und rennen gelbe und braune Ameisen umher, bis sie die
von dem Laufkäfer getötete Raupe entdecken, sich daran machen, sie
auszuhöhlen und Fetzchen um Fetzchen nach ihrem Neste unter den jungen
Rainfarrenblättern zu schleppen. Zwei Schmetterlinge, kleine Füchse,
spielen vorüber, und von der anderen Seite ein Morgenrotfalter, der
nach den Wiesen hin will, wunderbar anzusehen mit den rosig leuchtenden
Spitzen seiner Schwingen. An der Grabenpfütze, die vom letzten
Nachtregen hier stehenblieb, läßt sich eine Biene nach der andern
nieder, saugt sich voll, putzt sich den Rüssel ab und summt von dannen.
 
Plötzlich plumpst ein langer, ganz in blauen Stahl gekleideter
Raubkäfer zwischen den Bienen nieder, die drohend ihre Stacheln
herausstrecken, sich aber beruhigen, wie der Käfer ihnen aus dem
Wege geht. Hastig huscht er dahin, den Hinterleib im Bogen aufwärts
gekrümmt, die gefährlichen Zangen weit geöffnet. Jetzt hat er die
große graue Fliege entdeckt, die infolge ihrer verkrüppelten Flügel
unbehilflich auf derselben Stelle umherhopst. Blitzschnell dreht er
sich um, starrt einen Augenblick nach ihr hin, macht einen Sprung und
greift sie. Sie zirpt jämmerlich, aber er zerrt sie unter den Vorhang,
mit dem der Gundermann ein Mauseloch halb verdeckt hat.
 
Unglaublich viel ist hier zu sehen. Wenn ich auch nicht, wie gestern
den Hamster, und wie vorgestern das Wieselchen zu Gesicht bekomme, ja
noch nicht einmal den Raubwürger, wie ein anderes Mal, es ist schon
so schön, nur das junge Kraut zu betrachten, das aus dem gelben Boden
drängt, die Blattrosen des Löwenzahns, keine der anderen gleich, die
Unmenge von Knöterichkeimlingen im Graben, die protzige Fetthenne, den
grüngelben Blattstern der Wolfsmilch, die silbernen Fingerkrautblüten,
kaum halb erschlossen und vor allem die üppige Weizensaat, leuchtend in
der Sonne.
 
Eine weite grüne Fläche, hinter der sich drei purpurrot blühende
Pappeln in den blauen Himmel recken, warme Sonne und Lerchengesang; ist
das nicht allein genug für mich, um ihn lieb zu haben, den Platz am
Feldrain?
 
 
 
 
Der Waldrand.
 
 
Die Sonne bescheint freundlich den Waldrand.
 
Gestern schien sie heller als heute; dennoch ist die Haubenlerche viel
fleißiger. Unaufhörlich läßt sie ihren Lockruf ertönen, und nun fliegt
sie sogar auf einen Erdhaufen und singt ihr kleines Lied.
 
Die Luft ist weich und schmeckt nach warmem Regen. Ein weißer Hauch
liegt über dem Felde und nimmt der Sonne Schein und Farbe. Aus den
umgestürzten Schollen steigt ein starker Geruch, und alle Zweige und
Stämme sehen aus, als dufteten sie nach dem neuen Leben, das in ihnen
empordrängt.
 
Die üppigen Rasen der Vogelmiere auf dem Brachacker hatten jüngst, als
der Wind scharf von Morgen kam und der Boden beinhart gefroren war,
nicht weniger weiße Blütenstreifen als heute, und das Kreuzkraut ebenso viele goldene Knöpfchen, auch blühten die Maßliebchen gleichfalls am Raine. Damals wirkte das widersinnig, heute aber nicht.

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