2015년 4월 27일 월요일

Mein buntes Buch 13

Mein buntes Buch 13


Dann sind Stellen da, ganz rosenrot von Weidenröschen, blau von
Kornblumen und Rittersporn, feuerrot von Feldmohn, weiß von
Hundskamille und strahlend gelb von Färberkamille. Rote Flockblumen
und weiße Schafgarben bringen wieder andere Töne in die Farbenpracht,
die Rasen des blühenden Quendels oder die goldgelb besternten Polster
der Fetthenne. Darüber nicken hohe Gräser, erheben stolze Disteln ihre
purpurnen Köpfe, reckt protzig der Rainfarn seine flammenden Dolden
und der Riesenampfer seine mächtigen braunen Rispen über all dem
unscheinbaren Gekräut und Graswerk, das den Boden überzieht: Melde und
Knöterich, Gundermann und Hirtentäschel, Schachtelhalm und Wegerich
und allerlei Kleearten, wilden und zahmen, und den Moosrosen, die alle
feuchten Stellen überziehen.
 
Die vielerlei Pflanzen bieten allerlei kleinem Getier Nahrung und
Obdach. Es krimmelt und wimmelt am Boden von Käfern, Ameisen, Spinnen,
Heuhüpfern und Wanzen; es summt und brummt von Fliegen, Bienen, Wespen
und Hummeln um die bunten Blumen. Und es flittert und flattert von
Füchsen, Pfauenaugen, Schwalbenschwänzen, Weißlingen, und dazwischen
huschen blitzschnell die glühäugigen, mit prachtvollen Metallflecken
geschmückten Eulenfalter umher, oder ein Karpfenrögelchen saust
reißenden Fluges dahin. Wenn aber ein Zug über die Geleise donnert,
flattern Tausende von kleinen, bleichen Motten aus dem Grase heraus,
werden von dem Luftzuge mitgerissen und hin und her gewirbelt und
fallen schließlich wieder in das Gekräut zurück, wo Raubkäfer und
Laufspinnen über sie herfallen oder einer der Vögel sie aufschnappt,
die sich dort aufhalten.
 
Nicht wenige Vögel sind es, die dort ständig wohnen, denn da der
Bahndamm mit einer Hecke und einem Drahtgitter umsäumt ist, so haben
sie Ruhe vor den Menschen. Der erste Vogel, der sich ansiedelte, als
Schwellen und Schienen lagen, die Blockstellen gebaut waren und die
Arbeiter abzogen, war die Haubenlerche. Erst war es ein Pärchen; jetzt
sind es viele, die sich die Strecke geteilt haben. Ehe die Bahn gebaut
wurde, kam die Haubenlerche in dem Wiesenlande nur da vor, wo die
Landstraße es berührte. Sie will trockenen, festen Boden haben, und so
kam ihr die Bahnanlage wie gewünscht. Sie lebt fast nur auf dem Damm.
Den ganzen Tag rennt sie zwischen den Geleisen umher und sucht nach
Körnern und Gewürm. Ihr Nest hat sie in die Lücke unter einer Schwelle
zwischen struppige Meldebüsche gebaut, und sie bleibt ruhig auf den
Eiern sitzen, wenn ein Zug über ihr hinwegrattert. Selbst im Winter
bleibt sie dem Bahndamm treu.
 
Das tut der Rotschwanz nicht, obgleich er sich ganz an die Bahn gewöhnt
hat, dieser Klippenvogel aus dem Süden. Er hat sein Nest in der oberen
Blockstelle über dem Ausguck des Wärters, der gut Freund mit ihm ist
und an regnerischen Tagen, wenn die Fliegen sich verkriechen, die Bäume
in dem Gärtchen schüttelt, um den Rotschwänzen das Leben leichter zu
machen. Sofort sind die Vögelchen da, umflattern, ohne sich vor dem
Manne zu scheuen, die Zweige und haschen die Kerfe, die herausfliegen.
Auf der untern Blockstelle hat ein weißes Bachstelzenpaar Wohnung
gefunden, das sich mit dem Wärter ebensogut steht und ruhig seine
Jungen füttert, wenn er am Fenster steht und sein Gesicht dicht bei dem
Neste hat. Ab und zu kommen die Rotschwänze oder die Bachstelzen, die
weiter an der Strecke brüten, zu Besuch, und dann gibt es ein heftiges
Gekrätsche und wildes Gejage, bis die Eindringlinge abziehen, denn
jedes Paar duldet keinen seiner Art in seinem Gebiete.
 
Wenn aber die gelbe Kuhstelze, die unten an dem Damme brütet und meist
auf der Wiese lebt, sich auf dem Geleise zeigt, so kümmern sich die
Bachstelzen um sie ebensowenig wie um die Goldammer, die ihr Nest
unter dem Brombeerbusche hat und sich auch auf das Geleise traut und
nach Körnchen sucht. Auch die Dorngrasmücke und der Hänfling, die
in der Hecke wohnen, bleiben unbehelligt, desgleichen der Grünfink
und die Grauammer, die irgendwo in der Nähe ihre Nester haben und
sich gern auf den Leitungsdrähten niederlassen. Hier ruhen sich mit
Vorliebe auch Spatzen, Schwalben und Stare aus und häufig auch der
schmucke Steinschmätzer. Auch der ist erst hier eingezogen, als
die Bahn angelegt wurde, denn so sehr sein Vetter, der niedliche
Wiesenschmätzer, die Wiese liebt, so zieht er den kahlen Boden vor.
Während sein Weibchen in der Steinritze über der Landstraßenüberführung
auf den Eiern sitzt, rennt er hurtig und viel knicksend über die
Schwellen, und wenn er recht guter Laune ist, steigt er seltsam
flatternd in die Luft und schwatzt im Fliegen auf sonderbare Art.
 
Wenn von all den bunten Blüten am Bahndamme nur noch einzelne
Flockblumen und der Rainfarn blühen, wenn die Schwalben sich auf den
Leitungsdrähten zur Reise sammeln, dann zieht der Steinschmätzer
fort, die Bachstelze folgt ihm und schließlich verschwindet auch der
Rotschwanz, und von all den Vögeln, die in der schönen Zeit auf dem
Bahndamme lebten, bleibt nur die Haubenlerche zurück, trippelt zwischen
den Geleisen umher und ruft ab und zu wehmütig. Aber Tag für Tag kommen
Scharen von Ammern, Hänflingen, Grünfinken, Stieglitzen und Spatzen
angeschwirrt und lassen sich dort nieder, denn den ganzen Winter über
bieten ihnen der Damm und seine Abhänge reiche Nahrung durch die
Samen der Unkräuter und die vielen Körner, die aus den Güterwagen
herausfallen, und die Abfälle, die die Reisenden aus den Fenstern
werfen.
 
Und wenn eine dicke Schneedecke die Felder und Wiesen verhüllt, so
fristet der Bahndamm manchem Vögelchen, das sonst Not leiden würde, das
Leben und hilft ihm über die schwere Zeit hinfort.
 
 
 
 
Das Brandmoor.
 
 
Hohe alte Birken begleiten die feste Straße, die durch das Dorf führt;
ihre dünnen, lang herabhängenden Zweige pendeln im lauen Winde langsam
hin und her.
 
Nördlich des Doppeldorfes endet die feste Straße, hören die alten
Birken auf. Der Knüppeldamm beginnt; jüngere Birken mit krausen Kronen
besäumen ihn. Die Torfschuppen, die Häuser, die Gemüsegärten, die
Kleewiesen bleiben zurück; das Moor allein herrscht noch. Weit und
breit liegt es da, zur linken Hand von Wald begrenzt, rechter Hand von
der hohen Geest umschlossen.
 
Gewaltige Torfmieten, hier von hellbraunem Neutorf, dort von dunklem
Alttorf gebildet, erheben sich rechts und links von dem mit graubraunem
Staub bedeckten Damm, den ein schmaler Strich blühenden Heidkrauts
einfaßt. Hier und da starren Haufen von ausgegrabenem Wurzelwerk, Reste
eines alten Waldes, der vor Jahrhunderten von dem Torfmoose aufgesaugt
wurde. In den abgebauten Abstichen wuchern Binsen und Rischbülten;
zwischen ihnen stockt junger Birkenaufwuchs.
 
Es ist stiller im Moore geworden. Die Hunderte von fremden Arbeitern,
die noch vor kurzem hier schafften, sind in ihre Heimat gezogen.
Nur dort und da sieht man noch die weißen Hemdsmaugen und die hellen
Fluckerhüte einheimischer Torfarbeiter aufleuchten. Die Bienen läuten,
die Moormännchen zirpen, die Hänflinge schwatzen, die Heuschrecken
geigen, und zwitschernd schießen die Schwalben in lockeren Verbänden
über den weiten, breiten, von den blühenden Moorhalmen bräunlich
gefärbten Plan.
 
Immer noch begleitet fertiger Torf, geringelt oder aufgemietet, den
Damm. Hinter dem allerletzten Hause, neben dem hohe Sonnenblumen
eine fremde Farbe in das Land bringen, hört er dann auf. Noch einige
Kleewiesen grünen, eine Roggenstoppel schimmert goldig, reifender
Buchweizen schiebt sich bis an den Weg, durchsetzt mit den hohen,
rosenroten Blütenrispen des Weidenröschens, und dann ist hier nichts
als Moorhalm und Moorhalm und Moorhalm, dichtstehend, als habe
Menschenhand ihn gesät.
 
Braune Lieschgrasfalter tanzen über den Weg, Trauermäntel spielen um
die Stämme der Birken, Libellen flirren dahin, Sandkäfer blitzen auf.
Stumm flattert ein bräunlicher Vogel von dem alten Wurzelknorren davon;
der Steinschmätzer ist es, silbern leuchtet sein Schwanzgrund. Über
dem alten Abstiche rüttelt der Turmfalk, auf eine Maus lauernd. In der
Ferne schaukelt eine helle Weihe langsam dahin.
 
Die braunen Moorhalme machen der rosenroten Heide Platz. Stärker wird
das Geläute der Bienen. Überall flattern winzige blaue und ab und zu
auch ein goldroter Falter. Rundherum geigen die Grillen, zirpen die
Moormännchen. Dann und wann flattert ein weißer Schmetterling dahin.
Der Schrei einer dahinstreichenden Krähe sticht hart ab von den vielen
kleinen, zu einer großen eintönigen Weise verbundenen Stimmen.
 
Zur Linken, wo der Handweiser steht, führt ein Querdamm. Hinter ihm
ist die ganze Fläche von einem einzigen, grellleuchtenden Rosenschein
erfüllt. So rot blüht die Heide nicht, und so hoch bollwerkt sie
nicht. Weidenröschen sind es, Millionen, die das Moor bedecken und in
Zauberfarben hüllen. Es sieht aus als wäre das Morgenrot auf den Boden
gefallen und dort liegengeblieben. Ein einziges himbeerrotes Blumenbeet
ist die weite Fläche.
 
Denn da war im vorigen Jahre der große Brand, der von Pfingsten bis in
den Winter hinein währte. Dreihundert Morgen Moor verkohlten bis auf
den Sandgrund. Alle Arbeit war vergebens; es währte weiter, brannte
noch unter dem ersten Schnee langsam fort. Die Menschen konnten nur
dafür sorgen, daß das Feuer den Damm nicht übersprang; dann wäre bei
der Trockenheit das gesamte Moor ausgebrannt, und aus wäre es gewesen
mit der blühenden Torfindustrie in der ganzen Gegend.
 
Endlich erstickten Regen, Schnee und Frost den Brand, der ein halbes
Jahr gewütet hatte. Auf die schwarze Torfkohle und die gelbe Asche
flogen, vom Winde getrieben, die wolligen Samen des Weidenröschens von
allen Seiten, klebten dort fest und warteten, bis es Frühling wurde.
Dann keimten sie und bedeckten den schwarzen, gelbgefleckten Brandplan
mit frischem Grün. Als es dann Sommer war, sprossen daraus lange
Rispen, ganz mit rosigen Knospen bedeckt. Die sprangen dann auf und da,
wo es im Jahre vorher rot flackerte und weiß qualmte und dann schwarz
starrte, blüht und glüht und leuchtet es nun von morgenrotfarbigen
Blumen.
 
Wunderschön sieht das aus, doch der Bauer, der uns begegnet, blickt mit
bösen Augen danach hin. Milliarden von weißflockigen Samenkörnchen wird
der Herbstwind über das Moor führen und da abladen, wo später Hafer
und Buchweizen wachsen soll; das wird ein schlimmes Dreschen werden,
wenn sich die Samenwolle in das Getriebe der Maschinen setzt und ihr
Staub die Lungen der Menschen erfüllt, daß sie vor Atemnot bei der
Arbeit umfallen. Schon hat hier und da eine Staude die roten Blumen
in weiße Flocken verwandelt, dort hinten sieht eine ganze Fläche aus,
als läge Schnee darauf, und bald wird das ganze weite, breite, rosige
Blumengefilde ein weißes Feld sein, und hinterher wird ringsherum das
Moor silbern schimmern von den verwehten Samenfederchen.
 
Noch aber blüht es in rosiger Pracht über der schwarzen, von
Algenanflug und Jungmoos seltsam und unheimlich gefärbten Fläche.
Gespenstig starrt dort ein hoher, verkohlter Baumstrunk in die Luft,
von dem der Raubwürger Umschau hält und mit klirrendem Warnruf
weiterstreicht, wie wir ihm uns nähern. Das aber, was da schwarz
und steif wie ein verbrannter Stamm das große rosige Blumenbeet
überschneidet, ist der Schäfer, der da, auf seinen Stab gelehnt, steht
und strickt. Neben ihm liegt sein gelber Hund und die Schnucken weiden
die junge Heide ab, die zwischen den verkohlten Stengeln ausgeschlagen
ist.
 
Schlimm hat das Feuer gewütet. Der Damm ist bestreut mit armdicken,
verkohlten Knüppeln, den Resten der in langer Arbeit hergestellten
Befestigung der Moorstraße. Daneben steht ein verkohlter Stuken
bei dem andern. Bis auf den Sand, auf dem der von dem Torfmoose
begrabene Wald stand, ist der Torf ausgebrannt, so daß die Sümpfe nach
jahrhundertelanger Verborgenheit wieder zutage traten. Drei Jahrzehnte
wird es dauern, ehe hier wieder abbaufähiger Torf gewachsen ist.
Der zarte grüne Anflug, der den schwarzen Grus und die gelbe Asche
überzieht, ist der Anfang dazu. In einigen Jahren werden hier zwischen
den Binsen und dem Wollgrase die hellen Torfmoospolster schwellen, nach
unten absterben, nach oben weiterwachsen, und langsam zu einem einzigen großen, nassen Kissen zusammenquellen.

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