2015년 4월 27일 월요일

Mein buntes Buch 3

Mein buntes Buch 3


Die Frühlingsblumen.
 
 
Mit verdrießlichem Gesichte stand der Tag auf. Nun hat er die mürrische
Laune überwunden und zeigt eine zufriedene Miene.
 
Die gelben Löwenzahnblüten am Raine danken es ihm und öffnen sich,
bunte Schmetterlinge tanzen ausgelassen über die Landstraße, überall
flattern Lerchen aus den lachenden Saaten auf und erfüllen die frische
Luft mit fröhlichen Stimmen.
 
Die Sonne soll uns den Weg weisen. Voll und heiß scheint sie gegen den
Vorwald, dessen Rand dichtes Gebüsch verschleimt, lustig grünender
Weißdorn, fröhlich blühende Schlehen, strahlende Weidenbüsche und von
den grauen Ranken der Waldrebe umsponnener Bergholunder, über und über
mit grünlichen Blütentrauben bedeckt.
 
Hier hüpft und schlüpft es in einem fort und singt und klingt auf
mannigfache Art. Aber wie sich auch Ammer und Laubvogel, Rotkehlchen
und Braunelle, Meise und Fink anstrengen, der Knirps von Zaunkönig
überstimmt sie doch alle mit seinem keck hinausgeschmetterten Liedchen.
 
Das braune Fallaub am Boden ist fast verschwunden unter jungem Grase
und frischen Blüten, weißen und gelben, blauen und roten, bunt
durcheinander gemischt, eine immer schöner als die andere. Aber ob
auch die Windröschen so zierlich, die Waldveilchen so herzig und der
Lerchensporn so üppig ist, die Himmelsschlüssel überragen sie alle an
Vornehmheit und Würde.
 
Einen leichten Pfirsichduft entlockt ihnen die Sonne. Er mengt sich mit
dem Geruche der Erde und dem Hauche, der aus den aufbrechenden Knospen
quillt, bis er unter dem Atem des Moschusblümchens verschwindet oder
von dem des Waldmeisters, dessen schwache und doch so kecke Quirle
überall das alte Laub durchbrechen.
 
Es raschelt im Gebüsch; eine Waldmaus springt dahin. Es raschelt im
Grase; eine Eidechse schlüpft von dannen. Im Moose schimmert eine
Blindschleiche, die sich da sonnt, und in dem kleinen Wasserbecken
leuchtet es feuerrot und himmelblau auf. Es sind Bergmolche, die dort
emportauchen, um Luft zu schnappen, und wieder hinabsinken und auf dem
Grunde ihre seltsamen, lächerlichen Minnespiele treiben.
 
Ein Pfauenauge schwebt vorüber. Ein anderes tanzt darauf zu. Munter
wirbelt das Paar dahin. Ihm folgen zwei Zitronenvögel, ein grünlich
weißes Weibchen, stürmisch von dem goldenen Männchen getrieben. Zwei
Krähen stechen sich, wie Esel quarrend, in der Luft. Zärtlich heult der
Täuber, steigt stolz über die Kronen und klatscht laut die Schwingen
gegeneinander, um der Liebsten zu gefallen. Zu demselben Zwecke
trommelt der Specht so unverdrossen, und aus keinem anderen Grunde
fühlt sich der Grünfink bewogen, den Flug der Fledermaus nachzuäffen.
 
Dort hinten ist eine neue Farbe im Walde. Eine Buche ist es, die
an den untersten Zweigen ihre Knospen geöffnet. Lauter goldgrüne
Schmetterlinge scheinen den silbernen Stamm zu umflattern. Das sieht so
wunderschön aus, daß wir uns hier lagern müssen, um uns in Ruhe daran
zu freuen, und an den Windröschen darunter, den weißen, verschämten,
den gelben, kecken, an dem protzenhaften, gespreizten Aronstab und
dem wunderfeinen, zierlichen Sauerklee, der den moosigen Stumpf mit
leuchtenden Blättchen und schimmernden Blütchen verhüllt.
 
Die Drosseln schlagen, die Finken schmettern, ein Täuber ruft, ein
Bussard schreit aus der Höhe herab, und doch ist es, als wäre es still,
friedlich still hier im Walde. Verstohlen flattert eine Krähe von Ast
zu Ast und bricht heimlich Nestreiser. Ein Eichkätzchen hüpft über den
blumigen Erdboden und scharrt nach Käfern. Zwei helle Tauben schweben
heran, blicken lange umher und lassen sich endlich im Grunde nieder, wo
das goldene Milzkraut den Spring rund umher einfaßt und weiterhin die
Lungenblumen versuchen, ihre rosenroten und himmelblauen Blüten dagegen
zur Geltung zu bringen.
 
Die Sonne verfleckt sich, die Blumen verblassen, das Grün verdunkelt
sich. Ein kühler Luftzug kommt über den Berg und bewegt die Wipfel. Die
Vögel verstummen zumeist. Ein Fink schlägt noch; auch er hört auf, und
einzig und allein die Spechtmeise läßt unaufhörlich ihr eintöniges,
ermüdendes Geflöte hören. Wir steigen bergab und wieder bergauf und
abermals hinab, bis dahin, wo ein Wiesental sich öffnet, und da finden
wir die Sonne wieder und Vogellieder und Blumen, soviel Blumen unter
den hohen Eichen, daß jedes Fleckchen erfüllt von ihnen ist. Und
damit der Weg nicht zu sehr von dieser Pracht absteche, haben ihn die
Ahornbäume mit goldenen Blütenbüscheln bestreut.
 
Wir müssen wieder rasten, so schön ist es an diesem Ort. Das Moos
ist weich und die Sonne warm, ein Bächlein ist da, das uns allerlei
erzählt, und so kommen und schwinden die Stunden, wie die goldenen
Falter, die zwischen den silbernen Stämmen auftauchen und untergehen.
Menschenstimmen, ein wenig zu laut für diesen Tag, treiben uns weiter,
durch düsteres Tannicht, durchzittert von dem Liebesgezwitscher
unsichtbarer Goldhähnchen, durch helles Buchenholz, erfüllt vom
Geschmetter der Finken, über eine breite, von Wildfährten gemusterte
Trift, durch enge Stangenörter, wo die Sauen im festen Boden gebrochen
haben, an Buchenjugenden vorbei, deren Vorjahrslaub in der Sonne wie
Feuer lodert.
 
Ohne Plan und Ziel schweifen wir dahin, bis der Tag zur Neige gehen
will und der weite, grüne Teppich von Bärenlauch, der den Hang bedeckt,
sein lustiges Funkeln einstellt und herb und streng aussieht und die
weißen Windröschen ängstliche Gesichter bekommen. Die Dämmerung erwacht
und tritt aus den Dickungen in das hohe Holz, eindringlicher klingt
das Lied des Rotkehlchens; bald wird die Eule rufen. Aber noch einmal
beschert uns dieser Frühlingstag ein kostbares Geschenk. Hier im
jungen Stangenort, rechts und links von dem schmalen Steige, hat er so
viel rote und weiße Blumen ausgeschüttet, daß unsere Augen ganz groß
werden. Von allem, was uns dieser Tag bot, ist dieses das Herrlichste.
 
Schiene die Sonne, flögen die Falter, schimmerten die Stämmchen,
nicht so wunderbar anzusehen wäre dann dieser Zaubergarten wie nun,
wo die Jungbuchen stumpf und hart aus der märchenhaften Blütenfülle
herausstreben und das Summen der Hummeln ein fernes Glockengeläute
vortäuscht.
 
Wir stehen und starren und staunen und wissen: immer, nach Jahren noch,
werden wir dieses Tages Ende, dieser Stunde hier und ihrer Gabe dankbar
gedenken.
 
 
 
 
Der Porst.
 
 
An der Quelle, die am Fuße der hohen Geest aus dem anmoorigen Boden
springt, steht ein brauner, blattloser Strauch, über und über mit
goldig schimmernden Blütenkätzchen bedeckt.
 
Ein Porstbusch ist es. Schon im Spätsommer, als er noch im vollen
Laube stand, hatte er seine Blüten halb fertig; im Herbst und Winter
vollendete er sie, und dann stand er da und wartete auf seinen
Frühling. Lange hat er warten müssen. Die Kolkraben kreisten laut
rufend über der Wohld, die Birkhähne bliesen und trommelten auf den
Wiesen, Hasel und Erle blühten auf und blühten ab; doch erst als der
Kranich im Moor in die Trompete stieß und die Birke sich rührte, durfte
der braune Busch seinen tausend Knospen den Willen lassen, und nun
steht er da, umgeben von goldenem Schein und atmet einen strengen und
starken Duft aus, der sich mit dem Hauche des jungen Birkenlaubes und
dem Kiengeruche der sprossenden Kiefern vermischt.
 
Alle die anderen Porstbüsche, die zwischen den Rinnsalen, die aus der
Geest quellen, stehen, hier einzeln und hoch, von Birken, Weiden,
Eichen und Erlen bedrängt und von gewaltigen Wacholdern und hohen
Stechpalmen, dort niedriger und in Scharen vereinigt, durchwuchert
von silbern anblühendem Wollgrase und lustig sprießendem Riede, haben
ebenfalls ihre Kätzchen erschlossen. Wenn sie aber auch noch so sehr
prahlen und prunken, zur Alleinherrschaft kommen sie hier doch nicht.
Denn das Bergmilzkraut ist noch da, das mit hellblühendem Rasen die
Wässerchen umflicht, stolze Dotterblumen protzen aus saftigem Laub
hervor, die Weidenbüsche leuchten von oben bis unten vor Blütenpracht,
und das junge Laub der Birken, vermengt mit zierlichen Troddelchen,
schimmert und flimmert im Morgensonnenlichte.
 
Einst, als der Wolf hier noch das Hirschkalb hetzte, bei Tage der
Adler das große Wort hatte und bei Nacht der Uhu, herrschte der
Porst unumschränkt von der Geest bis an die Aller. Aber die Bauern
brannten ihn nieder, rodeten ihn aus, schlugen Pfähle ein, zogen
Drähte, trieben das Vieh in die Gatter, kalkten das Land, und nun sind
Wiesen und Weiden da, wo ehemals nichts war, als Porst und Porst und
immer wieder nur Porst und hier und da eine Eiche, ein Wacholder, ein
Stechpalmenbusch. Nur an den Seiten der Wiesen und an einigen Gräben
hat er sich noch halten können und zieht braune, goldig leuchtende
Streifen durch die grünen, vom Schaumkraut bläulichweiß überhauchten
Flächen. Hinter den Wiesen aber, in der großen Sinke, die von zwei
flinken Bächen und einem faulen Flüßchen überreich mit Wasser versorgt
wird, hat der Porst noch die Obergewalt. Es fehlt dort anfangs nicht
an Bäumen und Sträuchern, knorrigen Eichen, schlanken Birken, stolzen
Fichten und krausen Kiefern; aber jetzt, wo der Porst in Blüte steht,
kommen sie nicht zur Geltung, denn die ganze weite, breite, nur hier
und da von einer Krüppelkiefer, einem Erlenhorste, einem Weidenbusche
unterbrochene Fläche ist ausgefüllt von ihm, ist ein einziges goldenes,
glühendes, loderndes Gefilde, erfüllt von tausendfältigem Leben.
 
Dumpf murren in den Tümpeln die Moorfrösche, hell locken im Riede die
Heerschnepfen, wehleidig klagend taumeln die Kiebitze dahin, und mit
jauchzendem Schrei kreist der Bussard unter den Wolken. Auf dem grauen
Wacholdergerippe sitzt der Raubwürger, schrill rufend, helle Weihen
werfen sich mit gellendem Keckern aus der Luft, der Brachvogel steigt
empor und läßt seine wehmütigen Triller weithin schallen, Kuckuck und
Wiedehopf läuten, die Turteltauben schnurren, und viele kleine und
feine Stimmen erklingen, ab und zu übertönt von den herrischen Fanfaren
des Kranichs oder von dem dröhnenden Basse des Rehbockes, der von
einem Menschen Wind bekommen hat und nun durch den Porst flüchtet, daß
der Blütenstaub hinter ihm herwirbelt und die graue Glockenheide, die
braune Sandheide, das grüne Ried und das silberne Wollgras mit dichtem
gelbem Puder verhüllt.
 
Heute herrscht der Porst hier noch und morgen und übermorgen. Um
das düstere Erlengebüsch frohlockt er und jauchzt aus dem modrigen
Birkenwalde heraus. Aber die Sonne, die ihm nach langem Warten die
Schönheit brachte, wird sie ihm bald nehmen, der Wind streift ihm den
goldenen Staub aus den Kätzchen, der Regen gibt ihm den Rest. Mit
verdorrten, fahlen Blüten wird er dann dastehen; niemand wird nach
ihm hinsehen, wenn er sich mit jungem Laube schmückt, und je voller er
sich beblättert, um so unsichtbarer wird er und verschwindet zwischen
der Heide und dem Riede und den Weiden und dem übrigen Bruchgebüsch als
ein Strauch, den keiner sieht und kennt. Im Herbste wird er dann noch
einmal goldgelb und feuerrot leuchten und lodern und im Winter sich
purpurrot aus dem Schnee erheben, um auf den Frühling zu warten; doch
niemand freut sich an ihm.
 
Hinter den Erlen quillt eine Rauchsäule empor, und noch eine und immer
mehr. Die Bauern brennen den Porst; er steht ihnen im Wege. Hier liegen
die blühenden Büsche zu Tausenden am Boden, da starren sie tot und
schwarz aus dem jungen Grase. Über das Jahr wird der feurige Busch
nicht mehr so unumschränkt hier herrschen; Wiesen und Weiden werden ihn
durchziehen. Und noch ein Jahr und abermals eins wird kommen, und aus
ist es mit ihm. Nicht mehr wird der Birkhahn hier balzen, der Kranich
trompeten, die Heerschnepfe meckern. Verschwunden wird bis auf einige dürftige Reste der Porst sein mit seiner Pracht und all dem bunten, reichen Leben, das sich in ihm barg.

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