2015년 5월 10일 일요일

Goethe und Werther 20

Goethe und Werther 20



Dasselbe Gedicht, mit einigen Varianten und seiner Silhouette, hat
Goethe bei dem späteren Briefe Nr. 101 übersandt. Beide sind, des
Zusammenhangs wegen, im _Fac simile_ ~hier~ nachgefügt.
 
Dort ist der im Gedicht hier hervorgehobene Ausdruck: »~garstge
Gsicht~« erläutert.
 
[Illustration]
 
[Illustration]
 
 
83.
 
Goethe an Kestner.
 
 
Die liebe Max de la Roche heurathet -- hierher einen angesehnen
Handelsmann. Schön! Gar schön.
 
Euer Hans schreibt mir immer wies im deutschen Haus hergeht, und so hab
ich eine komplete Chronick aller Löcher, Beulen, und Händel von einigem
Belang seit eurer Abreise.
 
Obs wahr ist daß Dorthel heurathet?
 
In unsrer Stadt ist ein unerhörter Stern, seit einem halben Jahre
haben wir wohl zwanzig Heurathen von Bedeutung. Unsre zwo nächsten
Nachbarinnen haben mit meiner Schwester fast in einer Woche sich
vergeben.
 
Der Türner bläst, die Glocken läuten, die Trommel geht, und dort hinten
fängts an zu tagen.
 
Ich bin auch zeither fleisig gewest hab viele kleine Sachen gearbeitet,
und ein Lustspiel mit Gesängen ist bald fertig, auch einige
ansehnlichere Stücke in Grund gelegt, und nun wird drüber studirt.
 
Obiges Lustspiel ist ohne grossen Aufwand von Geist und Gefühl, auf den
Horizont unsrer Akteurs und unsrer Bühne gearbeitet. Und doch sagen die
Leute es wären Stellen drinn die sie nicht prästiren würden. Dafür kann
ich nachher nicht.
 
Ihr sollts im Msspt. haben.
 
Hat Lotte den Can. Jacobi gesehn, gesprochen. Er ist auf sie aufmerksam
gewesen, merk ich. Ist er noch da.
 
Falcke ist ein trefflicher Junge, mich freuts dass er Liebe zu mir hat,
er schreibt mir manchmal. Merck und ich haben eine wunderliche Scene
gehabt, über eine Silhouette die Lavater mir schickte, und die Lotten
viel ähnlich sieht. Es lässt sich nicht sagen wies war. Es war den
Abend seiner Ankunft, und ich habe draus gesehn dass er Lotten noch
recht liebt. Denn wer Lotten kennt und nicht recht liebt, den mag ich
auch nicht recht.
 
Adieu ihr Kinder es wird Tag.
 
Wisst ihr schon dass Höpfner die Jungfer Thomä geheurathet hat.
 
Schreibt mir bald. Und ergözt euch an der Erinnerung meiner, wie ich
mich an euch ergötze.
 
G.
 
 
84.
 
Goethe an Hans.
 
 
Gratulire lieber Hans zur glücklichen Genesung und wünsche dass mein
Brief euch alle wieder gesund treffen möge. Geben Sie einliegenden
Brief Hrn. Krafft Bremischen Canzellisten der so gut seyn wird ihn
Hrn. Kestner zu übermachen. Empfelen sie mich dem lieben Papa und
Schw. Carlingen. Viele Grüße an Msll Lenchen, Dorthel und Anngen, und
die andern Mädgens und Bubens sollen brav seyn, und Mandeln haben und
Bilder wenn ich komme.
 
G.
 
Sagen Sie doch Lengen sie soll Lotten die Läppgen zum Flicken des
blaugestreiften Nachtjäckgens schicken, die sie vergessen hat. sie
werden sich wohl finden. Oder besser lass er sich sie von Lengen geben
und schick er mir sie mit der fahrenden Post ich will sie Lotten
schicken es muß ihr aber niemand davon was schreiben.
 
 
85.
 
Goethe an Hans.
 
 
Mich freuts lieber Hans dass er so brav ist, und sich das _Primat_
nicht nehmen lässt. Wenn nun auch alles wieder hergestellt ist im
Hause so wünsch ich guten bestand. Ich danke für die Läppgen, dass nur
niemand Lotten was davon schreibt. Meld er mir doch baldigst wann der
Fuhrmann nach Hannover geht, ich hab ein Kästgen, allein er müssts
dem Manne wohl rekommandiren, denn es ist zerbrechliche Waar, daß
säuberlich mit umgegangen würde.
 
Adieu lieber Hans lassts euch das Obst recht schmecken, und grüss er
den Papa und das ganze liebe Wesen im deutschen Haus. Adieu.
 
G.
 
 
86.
 
Goethe an Hans.
 
 
Lieber Hans ich dank ihm recht sehr für seine Briefe, fahr er ich bitte
so fort.
 
Hier sind vier Exemplar Iris, die ist er so gut und bestellt sie an die
vier Damen die hier auf dem Zettelgen genannt sind.
 
Er hat noch, wenn ich mich nicht irre Geld von mir in Verwahrung, das
bitt ich ihn als ein Cristgeschenk anzunehmen, und seinen Geschwistern
auch etwas davon zu Gute zu thun.
 
Grüss er Papa und die Schwestern und Msll Brand. Will denn noch keine
der Lotte nachfolgen?
 
G.
 
 
87.
 
Goethe an Lotte.
 
 
(Frankfurt den 31. Oct. 1773)
 
Ich weis nicht liebe Lotte ob meine Muthmasung Grund hat, dass Sie
in kurzem ein Negligee brauchen werden, wenigstens kommt mirs so
vor. Und da ich über diesen wichtigen Punct nachdachte, sprach ich
zu mir selbst: Sie geht gerne weis, alles Nesseltuch ist verbannt im
Winter, außer gesteppt und da sieht sie zu altmütterlich drinn aus &c.
hierüber trat die vorsichtige Göttin der Mode zu mir und überreichte
mir beykommendes Zeug, das ausser der Dauer alle Qualitäten hat. Es ist
Nesseltuch, hat also alle dessen Tugenden, die Atlassstreifen machen es
zur Wintertracht; kurz und gut, zum Schneider mit, dass der aber fein
säuberlich verfahre. _NB_ es darf mit keiner andern Farbe als weis
gefüttert werden, die ich gesehen habe, hatten weis Leinwand drunter.
Das Stück gibt iust ein Negligee, über Poschen.
 
Zugleich überschicke auch, die hinterlassene Läppchen des blau und
weisen Nachtiäckchens, und bitte über die neu angekommene Vornehme
Freundschafft die alte treue nicht zu vergessen.
 
Adieu liebe Lotte grüssen Sie mir das Männgen, erinnern Sie sich der
alten Zeit wie ich.
 
Frankfurt am 31. Octbr. 1773. als am Tage Wolfgang -- -- --
 
Goethe.
 
 
88.
 
Goethe an Kestner.
 
 
Am ersten Christtage, morgends nach sechs. (1773.)
 
Es ist ein Jahr dass ich um eben die Stunde an euch schrieb, meine
lieben, wie manches hat sich verändert seit der Zeit.
 
Ich hab euch lange nicht geschrieben, das macht dass es bunt um mich
zugeht.
 
Ich danke dir liebe Lotte dass du mir für meine Spinneweben einen
Brief geschenkt hast. Wenn ich das gehofft hätte, wäre mein Geschenk
eigennützig gewesen. Ich habe ihn wohl hundertmal geküßt. Es giebt
Augenblicke wo man erst merkt wie lieb man seine Freunde hat.
 
Ich kann euch die Freude nicht beschreiben die ich hatte ~Merken~
wieder zu sehn, er kam acht Tage eh ich's vermuthete, und sas bey
meinem Vater in der Stube, ich kam nach Hause, ohne was zu wissen, tret
ich hinein und höre seine Stimme eher als ich ihn sehe. Du kennst mich
Lotte.
 
Die Stelle in deinem Brief die einen Wink enthält von möglicher
Näherung zu euch, ist mir durch die Seele gangen. Ach es ist das schon
so lange mein Traum als ihr weg seyd. Aber es wird wohl auch Traum
bleiben. Mein Vater hätte zwar nichts dagegen wenn ich in fremde
Dienste gienge, auch hält mich hier weder Liebe noch Hoffnung eines
Amts -- und so scheint es könnt ich wohl einen Versuch wagen, wieder
einmal wie's draussen aussieht.
 
Aber Kestner, die Talente und Kräffte die ich habe, brauch ich für
mich selbst gar zu sehr, ich binn von ieher gewohnt nur nach meinem
Instinkt zu handeln, und damit könnte keinem Fürsten gedient seyn. Und
dann biss ich politische Subordination lernte -- Es ist ein verfluchtes
Volk, die Franckfurter, pflegt der Präs. v. Moser zu sagen, man kann
ihre eigensinnigen Köpfe nirgends hin brauchen. Und wenn auch das nicht
wäre, unter all meinen Talenten ist meine Jurisprudenz der geringsten
eins. Das bissgen Theorie und Menschenverstand richtens nicht aus --
Hier geht meine Praxis mit meinen Kenntnissen Hand in Hand, ich lerne
ieden Tag und haudere mich weiter. -- Aber in einem Justiz-Collegio
-- Ich habe mich von ieher gehütet ein Spiel zu spielen da ich der
unerfahrenste am Tisch war -- Also -- doch möcht ich wissen ob deine
Worte etwas mehr als Wunsch und Einfall waren.
 
Meine Schwester ist brav. Sie lernt leben! und nur bey verwickelten
misslichen Fällen erkennt der Mensch was in ihm stickt. Es geht ihr
wohl und Schl. ist der beste Ehemann wie er der zärtlichste und unverrückteste Liebhaber war.

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